Ukraine

Trotz Waffenruhe: Neue russische Drohnenangriffe

Kaum endet die Waffenruhe, greift Russland wieder an – und ausgerechnet ein Ex-Vertrauter Selenskyjs gerät ins Visier.

12.05.2026, 04:26 Uhr

Nur wenige Stunden nach dem Auslaufen einer dreitägigen Waffenruhe haben Russland und die Ukraine ihre gegenseitigen Drohnenangriffe wieder aufgenommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte Moskau für das Wiederaufflammen der Kämpfe verantwortlich. Auf X schrieb er, Russland habe sich entschieden, die mehrere Tage andauernde „teilweise Stille“ zu beenden. In der Nacht seien mehr als 200 Kampfdrohnen in Richtung Ukraine gestartet worden.

Die ukrainische Luftwaffe meldete erneut Angriffe auf die Hauptstadt Kiew sowie auf weitere Städte wie Saporischschja, Dnipro, Charkiw und Cherson. Auch die Gebiete Sumy im Norden und Mykolajiw im Süden seien betroffen gewesen. In Kiew fielen nach Angaben der Militärverwaltung Trümmer einer Drohne auf das Dach eines 20-stöckigen Wohnhauses. Angaben zu Verletzten lagen zunächst nicht vor, zudem wurde über Explosionen in der Hauptstadt berichtet.

Kiew kündigte an, auf die russischen Angriffe entsprechend zu reagieren. In den frühen Morgenstunden griff die ukrainische Armee ihrerseits Ziele im russischen Hinterland mit Drohnen an. Nach russischen Angaben wurde dabei unter anderem ein Wohnhaus in Orenburg im Süden des Urals beschädigt.

Moskau bestätigt offiziell das Ende der Feuerpause

Auch aus Moskau wurde das Ende der Waffenruhe offiziell bestätigt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die sogenannte „militärische Spezialoperation“ werde seit Tagesanbruch fortgesetzt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge, die „humanitäre Feuerpause“ sei beendet.

Die auf drei Tage befristete Waffenruhe galt von Samstag bis Montag und war von US-Präsident Donald Trump auf Moskauer Bitte vermittelt worden. Während dieser Zeit gingen die Luftangriffe zwar spürbar zurück, vollständig verstummten die Kämpfe jedoch nicht. Die Ukraine drängt seit langem auf eine längere Feuerpause, um Verhandlungen über einen belastbaren Waffenstillstand und eine Friedenslösung zu ermöglichen.

Hintergrund der kurzen Unterbrechung waren die Feierlichkeiten in Russland zum Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Moskau wollte damit offenbar die Militärparade in der Hauptstadt ohne größere Störungen abhalten. Ein zentrales Versprechen im Zusammenhang mit der Feuerpause, der Austausch von jeweils 1.000 Kriegsgefangenen, ist nach ukrainischen Angaben bislang nicht umgesetzt worden.

Selenskyj bekräftigte, dass Russland den Krieg beenden müsse. Wenn es einen dauerhaften Waffenstillstand geben solle, müsse Moskau die entsprechenden Schritte gehen, erklärte er.

Korruptionsaffäre erreicht erneut Selenskyjs engstes Umfeld

Innenpolitisch gerät die ukrainische Führung derweil durch eine neue Entwicklung in einer Korruptionsaffäre unter Druck. Das Nationale Antikorruptionsbüro NABU und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAP teilten mit, dass Selenskyjs früherer Stabschef Andrij Jermak offiziell der Geldwäsche verdächtigt wird.

Dem Vorwurf zufolge soll Jermak Teil einer organisierten Gruppe aus sechs Personen gewesen sein, die im Zusammenhang mit einem Luxusbauprojekt nahe Kiew 460 Millionen Hrywnja, umgerechnet knapp neun Millionen Euro, gewaschen haben soll. Jermak ließ die Anschuldigungen über seinen Anwalt zurückweisen.

Der Leiter der SAP, Olexander Klymenko, sagte auf einer Pressekonferenz, die Staatsanwaltschaft fordere Untersuchungshaft für Jermak oder alternativ eine Kaution in Höhe von 180 Millionen Hrywnja. Ukrainische Medien spekulierten im Zusammenhang mit dem Projekt darüber, ob auch Präsident Selenskyj zu den möglichen Begünstigten gehören sollte. NABU-Direktor Semen Krywonos wies das jedoch ausdrücklich zurück: Der Präsident komme im Rahmen der Ermittlungen nicht vor.

Die Antikorruptionsbehörden hatten bereits im Herbst 2025 Hinweise auf mögliche Korruption in der ukrainischen Führung publik gemacht. Die Ermittlungen laufen demnach in mehrere Richtungen. Dabei geht es unter anderem um mutmaßliche Veruntreuung beim staatlichen Energiekonzern Enerhoatom sowie um den Verdacht überhöhter Preise bei einem Rüstungskonzern, der Drohnen und Marschflugkörper herstellt. Jermak, lange als rechte Hand Selenskyjs und einer der mächtigsten Männer des Landes angesehen, hatte sein Amt im November aufgegeben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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