Die Angriffe des Iran auf Staaten am Golf und deren Partner haben ein teures Problem offengelegt: Um vergleichsweise günstige Drohnen abzufangen, kommen oft extrem kostspielige Abfangraketen zum Einsatz. Großbritannien will dieses Missverhältnis nun entschärfen. Das Verteidigungsministerium in London teilte mit, dass britische Typhoon-Kampfjets im Nahen Osten mit neuen, preiswerteren Raketen zur gezielten Drohnenabwehr ausgestattet werden. Damit könnten Ziele präzise zerstört werden – zu deutlich niedrigeren Kosten als mit den bisher verwendeten Flugkörpern.
Nach Angaben des Ministeriums wurde das System binnen weniger Monate von ersten Erprobungen bis zur Verlegung in den Nahen Osten gebracht. Verteidigungsminister Luke Pollard erklärte, die Luftwaffe könne damit mehr Drohnen zu wesentlich geringeren Kosten bekämpfen. Die Typhoon-Jets schützen in der Region britische Bürger, nationale Interessen und Verbündete. Zugleich bilden sie einen wichtigen Bestandteil der britischen und NATO-Luftverteidigung. Nach britischer Darstellung sollen sie auch an der Ostflanke der NATO gegen ein mögliches Eindringen russischer Drohnen helfen.
Die neue Waffe zur Drohnenabwehr mit der Bezeichnung APKWS arbeitet laut Ministerium mit einem laserbasierenden Zielsystem. Dadurch würden einfache Raketen in kostengünstige Präzisionswaffen umgewandelt. Einen konkreten Stückpreis nannte London nicht. Das Ministerium betonte jedoch, dass günstiger entwickelte Systeme ein wirksamerer und nachhaltigerer Weg seien, um der wachsenden Bedrohung durch Drohnen für das britische Militär und seine Partner zu begegnen.

Billige Drohnen, teure Abwehr
Im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran hieß es, dass die USA und Israel Ende Februar den Konflikt begonnen hätten. Teheran habe auf das intensive Bombardement unter anderem mit Gegenangriffen auf Staaten am Persischen Golf reagiert, die es als Verbündete Washingtons betrachtet. Dabei seien neben ballistischen Raketen auch zahlreiche Shahed-Drohnen eingesetzt worden. Derzeit gilt in dem Krieg eine Waffenruhe.
Berichten zufolge kostet die Produktion einer einzelnen Drohne den Iran nur etwa 25.000 US-Dollar. Dem gegenüber stehen Abfangraketen von Kampfflugzeugen oder bodengestützten Luftabwehrsystemen, deren Preis schnell bei mehreren Hunderttausend Dollar oder sogar über einer Million Dollar liegen kann. Besonders moderne Patriot-Abwehrraketen, die auch ballistische Flugkörper bekämpfen können, sollen laut Berichten rund vier Millionen US-Dollar pro Stück kosten.
Mehrere Golfstaaten bemühen sich deshalb bereits um engere Kooperationen mit der Ukraine, um ihre Drohnenabwehr günstiger und effizienter zu machen. Die ukrainischen Streitkräfte müssen täglich große Zahlen russischer Drohnen abwehren, die vielfach auf dem iranischen Shahed-Konzept basieren.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion