Politik

Londons Billig-Abwehr soll Nahost-Drohnen stoppen

Billige Drohnen, teure Abwehr: Jetzt setzt Großbritannien auf eine neue Waffe – und die Golfstaaten schauen genau hin.

17.05.2026, 04:28 Uhr

Israel stellt sich nach Medienberichten wegen stockender diplomatischer Bemühungen auf eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe im Iran ein. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte bei einer Kabinettssitzung in Jerusalem, Israels Augen seien mit Blick auf den Iran „weit geöffnet“. Er kündigte ein baldiges Gespräch mit US-Präsident Donald Trump an und betonte, sein Land sei auf jedes mögliche Szenario vorbereitet.

Nach Angaben der Zeitung Jediot Achronot befindet sich die israelische Armee in höchster Alarmbereitschaft. Dem Bericht zufolge wartet Israel derzeit auf eine Entscheidung Trumps über das weitere Vorgehen.

Trump droht dem Iran erneut

Wenige Stunden später verschärfte Trump seinen Ton deutlich. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, für den Iran ticke die Uhr, und das Land solle sich besser schnell bewegen, sonst werde „nichts mehr von ihm übrig bleiben“. Er ergänzte: „Die Zeit drängt!“

Das Nachrichtenportal Axios zitierte Trump nach einem Telefoninterview zudem mit der Aussage, der Iran werde „viel härter“ getroffen, falls die Führung in Teheran in den Bemühungen um ein Kriegsende keinen besseren Vorschlag vorlege.

Zugleich machte Trump laut dem Bericht deutlich, dass Washington weiterhin auf eine Vereinbarung hinarbeitet. „Wir wollen ein Abkommen schließen“, sagte er demnach. Der Iran sei aber noch nicht an dem Punkt, den die USA verlangten. Sollte Teheran dort nicht hinkommen, drohten harte Konsequenzen.

Beratungen über militärische Optionen erwartet

Laut Axios liegen in Washington militärische Optionen wieder auf dem Tisch. Hintergrund sind demnach die Zurückweisung zentraler US-Forderungen durch Teheran und die mangelnde Bereitschaft des Irans, bei seinem umstrittenen Atomprogramm wesentliche Zugeständnisse zu machen.

Dem Bericht zufolge wird erwartet, dass Trump am Dienstag im streng gesicherten „Situation Room“ des Weißen Hauses mit seinem nationalen Sicherheitsteam zusammentrifft, um mögliche militärische Schritte zu beraten. Nach Informationen von Axios hatte sich Trump bereits am Samstag in seinem Golfclub im US-Bundesstaat Virginia mit Mitgliedern seines Sicherheitsteams getroffen.

Drohnenangriff auf Atomkraftwerk in den Emiraten

In den Vereinigten Arabischen Emiraten brach unterdessen nach einem Drohnenangriff an einem Atomkraftwerk ein Feuer aus. Nach Angaben des Medienbüros von Abu Dhabi geriet ein Stromgenerator der Anlage in der Wüstenregion westlich der Hauptstadt in Brand. Die Sicherheit der Anlage sei nicht beeinträchtigt worden, der Betrieb laufe normal weiter. Verletzte habe es nicht gegeben.

Der Verdacht fiel rasch auf den Iran, der die Emirate seit Kriegsbeginn im Nahen und Mittleren Osten besonders stark angegriffen haben soll. Das Land meldete seit Ende Februar nahezu 3.000 iranische Angriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern.

IAEA-Chef Rafael Grossi zeigte sich über den Vorfall schwer besorgt. Militärische Handlungen, die die nukleare Sicherheit gefährdeten, seien nicht hinnehmbar, erklärte er. Zugleich hätten die Emirate der Internationalen Atomenergiebehörde mitgeteilt, dass die Strahlenwerte normal seien.

London setzt auf günstigere Drohnenabwehr

Die Abwehr iranischer Drohnen bleibt für die Golfstaaten und ihre Verbündeten eine große Herausforderung. Großbritannien reagiert darauf mit einer kostengünstigeren Lösung. Das Verteidigungsministerium in London teilte mit, dass britische Typhoon-Kampfflugzeuge im Nahen Osten mit neuen Raketen speziell zur Drohnenabwehr ausgerüstet werden.

Mit dem System könnten Ziele präzise zerstört werden – nach britischer Darstellung zu einem Bruchteil der Kosten bisher eingesetzter Raketen. Verteidigungsminister Luke Pollard sagte, mit dem neuen Waffensystem ließen sich bei deutlich geringeren Kosten erheblich mehr Drohnen abschießen. Die Typhoon-Jets dienten in der Region dem Schutz britischer Staatsbürger, nationaler Interessen und verbündeter Staaten.

Die Anti-Drohnen-Waffe mit der Bezeichnung APKWS nutzt laut Ministerium ein Laser-Zielsystem, das einfache Raketen in günstige Präzisionswaffen verwandelt. Einen konkreten Preis nannte London nicht.

Festgefahrene Verhandlungen sorgen für Frust in Washington

Die USA und Israel hatten den Krieg gegen den Iran Ende Februar begonnen. Teheran reagierte auf das massive Bombardement mit Gegenangriffen auf Israel sowie auf Staaten am Persischen Golf, die es als Verbündete Washingtons betrachtet. Derzeit gilt zwar eine Waffenruhe, doch Spannungen in der Region haben diese mehrfach ins Wanken gebracht. Zugleich wächst in Washington der Frust über den mangelnden Fortschritt der diplomatischen Bemühungen.

Die New York Times hatte bereits am Freitag berichtet, das Pentagon bereite sich auf einen möglichen Neubeginn des Krieges vor. Hintergrund sei, dass wichtige Ziele – insbesondere mit Blick auf das iranische Atomprogramm – bislang nicht erreicht worden seien. Demnach treffen die USA und Israel intensive Vorbereitungen für eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe schon in der neuen Woche.

Auch der israelische Fernsehsender N12 meldete, in Israel gehe man von einer sehr baldigen Entscheidung über ein militärisches Vorgehen aus. Neue Kämpfe könnten demnach Tage bis Wochen dauern.

Szenarien reichen von begrenzten Schlägen bis zu Bodenoperationen

Laut Jediot Achronot wird derzeit nicht erwartet, dass Trump einen umfassenden Krieg mit dem Ziel eines Sturzes der iranischen Führung beginnen will. Wahrscheinlicher seien begrenzte Angriffe, etwa auf Kraftwerke und Brücken.

Als weitere Möglichkeit werden jedoch auch Bodenoperationen genannt – etwa zur Einnahme der für den Export wichtigen Insel Charg oder zur Sicherung von rund 440 Kilogramm Uran, das im Iran auf 60 Prozent angereichert worden sein soll. Bei weiterer Anreicherung könnte dieses Material theoretisch für mehrere Atomwaffen ausreichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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