Politik

Trump schockt: viel mehr als 5.000 Soldaten weg

Erst 5.000, jetzt «weit mehr»: Trump kündigt überraschend deutlich größeren US-Truppenabzug aus Deutschland an.

03.05.2026, 04:44 Uhr

Trump stellt deutlich größeren US-Truppenabzug aus Deutschland in Aussicht

US-Präsident Donald Trump hat den angekündigten Abzug amerikanischer Soldaten aus Deutschland bekräftigt und dabei einen deutlich größeren Umfang in Aussicht gestellt. Auf dem Flughafen in Palm Beach im Bundesstaat Florida sagte er auf Nachfrage von Reportern, die Reduzierung werde „weit mehr als 5.000“ Soldaten betreffen.

Zuvor hatte das US-Verteidigungsministerium am Freitag angekündigt, innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate zunächst 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Nach Angaben des US-Militärs waren Mitte April rund 39.000 amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert. Die Zahl schwankt allerdings regelmäßig, etwa durch Truppenrotationen und Übungen.

Das Pentagon betonte, die Entscheidung sei das Ergebnis einer Überprüfung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa. Weiter offen ist jedoch, welche Standorte konkret betroffen sein sollen und um welche Einheiten es geht. Trump hatte zuletzt bereits angekündigt, einen solchen Schritt prüfen zu lassen. Zuvor hatte er Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kritisiert, nachdem dieser sich ablehnend zum US-Krieg gegen den Iran geäußert hatte.

Pistorius setzt auf Deeskalation

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bemühte sich unterdessen um eine Beruhigung der Lage. Er verwies auf die weiterhin bestehenden gemeinsamen sicherheitspolitischen Interessen beider Staaten. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er in Berlin, die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland liege sowohl im Interesse Deutschlands als auch der USA.

Gleichzeitig machte Pistorius klar, dass die Entscheidung aus Washington nicht überraschend komme. Auch die Nato versucht derzeit, sich ein genaueres Bild von den US-Plänen zu verschaffen. Eine Sprecherin erklärte auf X, man arbeite mit den Vereinigten Staaten zusammen, um die Details ihrer Entscheidung zur Truppenpräsenz in Deutschland zu klären.

Dutzende US-Militärstützpunkte in Europa bleiben zentral

Seit Jahrzehnten unterhalten die USA zahlreiche große Militärstützpunkte in Europa. Diese spielen vor allem bei Einsätzen im Nahen Osten eine wichtige Rolle. In Deutschland zählen dazu unter anderem das US-Oberkommando für Europa in Stuttgart sowie der Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz als zentrales Drehkreuz.

Kritik auch von Republikanern

Die Pläne der US-Regierung stoßen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Trumps eigener Partei auf Skepsis. Der republikanische Senator Roger Wicker und der Abgeordnete Mike Rogers erklärten, man sei „sehr besorgt“ über die Entscheidung, eine US-Brigade aus Deutschland abzuziehen. Rogers leitet den Streitkräfteausschuss im Repräsentantenhaus, Wicker den entsprechenden Ausschuss im Senat.

Beide argumentierten, Deutschland habe auf Trumps Forderungen reagiert und seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht. Eine vorschnelle Reduzierung gefährde die Abschreckung und sende womöglich ein falsches Signal an Kremlchef Wladimir Putin. Zugleich verwiesen sie darauf, dass sich Deutschland im Iran-Krieg kooperativ gezeigt habe, etwa bei Überflugrechten.

Zusätzlich brachten die beiden Kongressmitglieder einen weiteren sensiblen Punkt ins Spiel: Nach ihrer Darstellung wird das Pentagon kein Bataillon für den Einsatz weitreichender Waffen nach Deutschland entsenden. Die US-Regierung äußerte sich dazu bislang öffentlich nicht. Trumps Vorgänger Joe Biden hatte beim Nato-Gipfel 2024 zugesagt, Mittelstreckenwaffen mit konventionellen Sprengköpfen in Deutschland zu stationieren. Sollte dieser Plan tatsächlich aufgegeben werden, wäre das nach Einschätzung von Beobachtern gravierender als der angekündigte Teilabzug von Truppen.

Gemischte Reaktionen in Deutschland

In Deutschland fielen die Reaktionen unterschiedlich aus. In Rheinland-Pfalz überwog die Sorge. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) betonte, es gehe nicht nur um sicherheitspolitische Fragen, sondern auch um die wirtschaftliche Bedeutung der US-Standorte.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sprach in der „Rheinischen Post“ von „keinem Grund zur Panik, aber einem weiteren Weckruf“. SPD-Fraktionsvize Siemtje Möller nannte den angekündigten Teilabzug in der „Welt am Sonntag“ „strategielos“, weil auch die USA erheblich von ihrer Präsenz in Deutschland profitierten.

Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte dem Portal „t-online“, die Ankündigung zeige, wie riskant es sei, sich in Verteidigungsfragen auf Trump zu verlassen. Linke-Fraktionschef Sören Pellmann bewertete den Schritt dagegen positiv und sagte, jeder Soldat, der Deutschland verlasse, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Der AfD-Verteidigungspolitiker Jan Nolte sprach hingegen eher von einer symbolischen Maßnahme, die an der Abschreckungsfähigkeit der Nato in Europa wenig ändere.

Verhältnis zwischen Merz und Trump zuletzt belastet

Über Monate hinweg galt das Verhältnis zwischen Merz und Trump als vergleichsweise gut. Im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Iran äußerte sich der Kanzler zuletzt jedoch zunehmend kritisch. Bei einer Diskussion mit Schülern sagte Merz, die USA könnten den Krieg nicht rasch beenden, weil der Iran offenbar stärker sei als erwartet und Washington in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie erkennen lasse.

Trump reagierte darauf scharf und griff Merz persönlich an. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er, der Kanzler habe „keine Ahnung, wovon er spricht“.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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