Stars

Hollywood-Regisseur dreht Schweizer «Tatort» um

3 Pizzen, ein Toter, eine illegale Kurierin: Was passierte wirklich im Zürcher Penthouse? Dieser «Tatort» hat Hollywood-Wumms.

03.05.2026, 04:00 Uhr

Die Zürcher Fahrradkurierin Moya will eigentlich nur einige bestellte Pizzen ausliefern. In einer Penthouse-Wohnung scheint gerade gefeiert zu werden, also gibt sie die Lieferung rasch ab und verschwindet wieder. Doch die junge Frau wirkt von Beginn an verängstigt und misstrauisch. Sie ist aus Äthiopien in die Schweiz geflohen, besitzt keine gültigen Papiere und arbeitet illegal unter dem Namen einer Freundin.

Im Schweizer "Tatort: Könige der Nacht" geht es heute um 20.15 Uhr um Ausbeutung, Migration und fehlende Menschlichkeit. Zugleich ist es der letzte Sonntagskrimi vor der Sommerpause bis September. Für das Ermittlerinnen-Duo Tessa Ott (Carol Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) ist es der elfte gemeinsame Fall.

Beobachtet, versteckt, verfolgt

Als Moya das Gebäude verlassen will, entdeckt sie Sicherheitsleute und versteckt sich hastig hinter einer Tür. Ihre Freundin hatte ihr eingeschärft, bloß nicht aufzufallen. Doch die Tür fällt ins Schloss. Während sie nach einem Ausgang sucht, beobachtet sie plötzlich zwei Menschen dabei, wie sie offenbar eine Leiche in einem Sack beseitigen. Moya flieht in Panik, entkommt knapp, verliert dabei jedoch den Ausweis ihrer Freundin und kehrt verstört nach Hause zurück. Zur Polizei zu gehen, kommt für sie nicht infrage.

Ein toter Sexarbeiter im Wasser

Am nächsten Tag wird die Leiche im Wasser entdeckt. Es handelt sich um Ruven, jenen jungen Mann, dem Moya die Pizza gebracht hatte. Der Tote war drogenabhängig und arbeitete als Sexarbeiter. Als Ott und Grandjean seine Wohnung durchsuchen, treffen sie dort auf zwei ehemalige Häftlinge, die nach einer Kamera suchen. Schnell steht die Frage im Raum, ob sie gemeinsam mit Ruven einen seiner Kunden erpressen wollten – ausgerechnet einen Richter, der einen von ihnen einst ins Gefängnis brachte.

Moya gerät ins Zentrum der Ermittlungen

Kurz darauf wird Moyas Freundin in eine Falle gelockt und tödlich überfahren. Damit haben es Ott und Grandjean plötzlich mit einem zweiten Mord zu tun. Bald erkennen sie, dass beide Fälle miteinander verbunden sind, und finden schließlich Moya. Verkörpert wird sie von Nambitha Ben-Mazwi, die der Figur mit wenigen Blicken enorme Ausdruckskraft verleiht.

Doch wie glaubwürdig ist Moya als Zeugin? Bei einer Gegenüberstellung soll sie die Personen wiedererkennen, die sie in jener Nacht gesehen hat. Überraschend zeigt sie dabei auf Justus Reynier (Basil Eidenbenz), der gerade erst als IT-Spezialist im Polizeipräsidium begonnen hat und selbst am Fall mitarbeitet.

Währenddessen verfolgen Ott und Grandjean die Spur des Penthouse-Besitzers. Immer drängender wird die Frage, was sich in der Mordnacht tatsächlich in dessen Wohnung abgespielt hat.

Düster inszeniert von Claudio Fäh

Der Fall nimmt zunehmend bizarre Züge an – ein Umstand, der Regisseur Claudio Fäh bei seinem "Tatort"-Einstand entgegenkommt. Der Schweizer Filmemacher ist vor allem für Action- und Katastrophenstoffe bekannt, darunter "Sniper: Homeland Security". Auch hier setzt er stark auf Thriller-Elemente: ein langes Messer, viel Blut und eine manipulative Figur treiben die Geschichte voran.

Besonders beklemmend geraten einzelne Szenen, in denen Todesangst direkt spürbar wird. So zeigt die Kamera sekundenlang nur schemenhaft eine Plastiktüte auf dem Bildschirm – als würde sie nicht nur einem Opfer, sondern auch dem Publikum ins Gesicht gedrückt. Unterstützt wird diese Wirkung durch einen eindringlichen Sound.

Moralische Konflikte der Kommissarinnen

Weniger Raum bleibt diesmal für die sozialen Unterschiede zwischen den beiden Ermittlerinnen – die eine aus privilegierten Verhältnissen, die andere mit schwieriger Herkunft. Dieses Spannungsfeld war in früheren Fällen häufiger Thema, rückt hier aber eher in den Hintergrund.

Dafür geraten Ott und Grandjean gemeinsam in ein moralisches Dilemma. Als klar wird, dass Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig) trotz einer Schutz-Zusage darauf besteht, die geflüchtete Moya in ein Abschiebezentrum zu bringen, müssen sich beide fragen, wie weit Menschlichkeit im Polizeialltag reichen darf. Carol Schuler beschreibt ihre Figur Tessa Ott mit den Worten, sie versuche, auch im Dienst immer menschlich zu bleiben.

Genau diese Haltung wird in diesem Fall auf eine harte Probe gestellt: Auf der einen Seite steht das Gesetz, das eine Abschiebung bei illegalem Aufenthalt vorsieht, auf der anderen Moyas verzweifelte Lebenslage, für die die Ermittlerinnen Verständnis entwickeln. Ihre Entscheidung, mit diesem Konflikt umzugehen, fällt schließlich alles andere als gewöhnlich aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen