Politik

Trump kürzt Kinderimpf-Empfehlungen drastisch

Trump kippt Kinderimpfungen um: weniger Empfehlungen, keine Kombi-Präparate – trotz Rekordfällen und klarer Forschung.

11.08.2026, 02:48 Uhr

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will die allgemeinen Impfempfehlungen für Kinder einschränken und Kombinationsimpfstoffe künftig möglichst auf mehrere Arztbesuche verteilen. Trump unterzeichnete dazu im Beisein des umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr. ein Dekret, nach dem nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlung für alle Kinder gelten sollen.

Welche unmittelbaren Folgen das haben wird, ist zunächst offen. Ein ähnlicher Umbau der Impfpolitik war bereits im März von einem Bundesgericht vorläufig gestoppt worden. Zudem liegen viele Zuständigkeiten bei Impfregeln in den USA bei den Bundesstaaten.

Bei dem Auftritt im Weißen Haus räumte Trump selbst ein, sich teils auf unbewiesene Behauptungen zu stützen. Zugleich wiederholte er erneut seine These, Impfungen könnten mit Autismus zusammenhängen – obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, dass es dafür keine wissenschaftlichen Belege gibt.

Weniger allgemeine Empfehlungen für Kinderimpfungen

Nach der neuen Anordnung sollen Impfungen gegen Krankheiten wie Hepatitis B, Covid-19 und Grippe nicht mehr pauschal für alle Kinder empfohlen werden. Trump betonte zugleich, dass Eltern sich weiterhin für jede verfügbare Impfung entscheiden könnten. Nach Angaben der Regierung sollen die Kosten dafür auch künftig von Versicherungen übernommen werden.

MMR-Impfstoff soll aufgeteilt werden

Trump forderte außerdem, den kombinierten MMR-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln nach Möglichkeit in drei einzelne Impfungen aufzuteilen und diese zu verschiedenen Zeitpunkten zu verabreichen. Zusammen könnten diese Impfstoffe womöglich „ziemlich tödlich“ sein, sagte er. Auf die Nachfrage, ob es dafür Belege gebe, antwortete Trump jedoch mit „Nein“ und verwies lediglich darauf, entsprechende Schilderungen gehört zu haben.

Die US-Gesundheitsbehörde CDC erklärt, dass es keine wissenschaftlichen Hinweise auf einen besonderen Nutzen einer Aufteilung des MMR-Impfstoffs gibt. Zudem sind Einzelimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln in den USA derzeit nicht verfügbar. Fachleute warnen, dass zusätzliche Arzttermine dazu führen könnten, dass Kinder länger ungeschützt bleiben oder spätere Impfungen ganz ausfallen.

Zahl der Maserninfektionen seit Trumps Amtsantritt stark gestiegen

Die Debatte fällt in eine Phase, in der die Masernzahlen in den USA bereits massiv zugenommen haben. Im Jahr 2000 galt die Krankheit dort eigentlich als eliminiert. Danach kam es nur noch vereinzelt zu kleineren Ausbrüchen. In den vergangenen anderthalb Jahren – Trump ist seit Januar 2025 wieder im Amt – wurden jedoch mehr Fälle registriert als in den 25 Jahren davor zusammen. Damit liegt die Zahl der Maserninfektionen inzwischen auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten.

Studien zeigen keinen Zusammenhang mit Autismus

Trump stellte den neuen Kurs erneut in Verbindung mit der gestiegenen Zahl von Autismus-Diagnosen. Er sagte, er habe seine eigenen Kinder früher bewusst zu mehreren getrennten Impfterminen gebracht und glaube, dass dies große Auswirkungen auf Autismus haben werde.

Auch Gesundheitsminister Kennedy erklärte, die Regierung wolle mögliche Zusammenhänge zwischen Impfungen, dem Zeitpunkt der Verabreichung und Autismus weiter untersuchen. Er argumentierte, der Anstieg bei Autismus-Diagnosen lasse sich nicht allein durch bessere Erkennung erklären und müsse auch Umweltursachen haben.

Die WHO kommt jedoch nach wiederholter Auswertung zahlreicher Studien zu dem Schluss, dass Impfungen keinen Autismus verursachen. Auch für einen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus fanden große wissenschaftliche Untersuchungen keine Belege.

Gericht schritt gegen ähnlichen Kurswechsel bereits ein

Das Dekret passt zu einem Kurs, den die Trump-Regierung schon seit Monaten verfolgt. Kennedy hatte bereits Anfang des Jahres versucht, den nationalen Impfplan für Kinder deutlich zu verkleinern. Statt Empfehlungen für 17 Krankheiten sollten nur noch elf generell gelten; bei den übrigen Impfungen sollten Eltern und Ärzte stärker im Einzelfall entscheiden.

Ein Bundesgericht stoppte diesen Schritt im März vorläufig, nachdem Ärzteverbände geklagt hatten. In der Begründung hieß es, solche Entscheidungen seien bislang nach wissenschaftlichen Methoden und gesetzlich geregelten Verfahren getroffen worden. Die Regierung habe diese Standards missachtet und damit die Integrität ihres Handelns untergraben.

Auch Trumps neue Anordnung setzt die Gerichtsentscheidung nicht außer Kraft. Sie erklärt den eingeschränkten Impfplan zwar zur politischen Linie der Regierung und stößt weitere Maßnahmen an, verändert aber nicht automatisch die derzeit gültigen Impfempfehlungen oder die Impfanforderungen für Schulen. Diese werden in den USA grundsätzlich von den einzelnen Bundesstaaten festgelegt. Trump wies das Justizministerium nun an, gegen Bundesstaaten vorzugehen, wenn deren Regeln aus Sicht der Regierung das Recht auf religiös oder medizinisch begründete Impfausnahmen verletzen.

Regierung verweist auf Europa

Trump und Kennedy rechtfertigten ihren Kurs auch mit dem Hinweis, dass viele europäische Länder hohe Impfquoten ohne umfassende Impfpflichten an Schulen erreichten. Tatsächlich setzen zahlreiche Staaten in Europa vor allem auf freiwillige Impfprogramme. Allerdings gibt es in mehreren Ländern auch Pflichtimpfungen oder Nachweispflichten. In Deutschland etwa müssen Kinder in Kitas und Schulen einen ausreichenden Masernschutz nachweisen.

Die US-Regierung betont, dass sie weiterhin hohe Impfquoten anstrebt – dieses Ziel aber eher durch Information und freiwillige Entscheidungen der Eltern als durch staatliche Vorgaben erreichen will.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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