Politik

Thorsten Frei: Der lange Weg an die Fraktionsspitze

Viele sahen ihn dort schon viel früher: Jetzt bekommt einer von Merz’ engsten Vertrauten endlich den Posten, der für Wirbel sorgt.

29.07.2026, 09:43 Uhr

Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr galt Thorsten Frei als möglicher Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nun ist er nach einem holprigen Zwischenstopp im Kanzleramt tatsächlich auf diesem Posten angekommen.

In der Fraktionssitzung erhielt der 52-Jährige 91,9 Prozent der Stimmen. Damit schnitt er sogar besser ab als sein Vorgänger Jens Spahn bei dessen Amtsantritt im vergangenen Jahr. Eine von manchen erwartete Abstrafung wegen des Unmuts in der Union über die Personalrochade des Kanzlers blieb damit aus.

Rechtsanwalt, Oberbürgermeister, Bundestagsabgeordneter

Frei, Vater von drei Kindern, stammt aus Säckingen im Schwarzwald nahe der Schweizer Grenze. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 sitzt er im Bundestag. Dort übernahm er 2021 unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers.

Damit bringt Frei viel Erfahrung in der Fraktionsarbeit mit und gilt zugleich als enger Vertrauter von Merz. Nach dem Wahlsieg entschied sich der Kanzler jedoch, ihn nicht an die Spitze der Fraktion zu setzen, sondern zum Chef des Kanzleramts zu machen. Den Fraktionsvorsitz übernahm stattdessen überraschend Jens Spahn, der innerhalb der Union als deutlich unbequemer galt.

Holpriger Start im Kanzleramt

Freis Zeit im Kanzleramt begann schwierig. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, deren Vorbereitung eigentlich in die Zuständigkeit des Kanzleramtschefs fällt, ließ er aus und nahm stattdessen an einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis in Donaueschingen teil. Später wurde ihm aus Union und SPD sowie aus den Ländern intern teils eine chaotische Amtsführung vorgeworfen.

Während der Arbeiten am Reformpaket übernahmen schließlich die Fraktionsspitzen zunehmend die Führung. Dass am Ende geräuschlos eine Einigung erzielt wurde, wird vor allem ihnen zugeschrieben. Zuletzt hatte sich Freis Standing als Kanzleramtschef zwar wieder verbessert, und ernsthafte Zweifel von Merz an ihm soll es nie gegeben haben. Ohne den Rücktritt von Jens Spahn wäre Frei wohl im Kanzleramt geblieben.

Rückkehr in vertraute Strukturen

Mit dem Wechsel an die Fraktionsspitze kehrt Frei nun in ein Umfeld zurück, das er bestens kennt. Er muss sich nicht neu einarbeiten, ist mit den Themen vertraut und kennt die entscheidenden Akteure. Für die Koalition, deren Arbeit mit dem Reformpaket nach knapp 15 Monaten gerade wieder in geordnetere Bahnen gelenkt wurde, ist das ein Vorteil.

Hilfreich dürfte auch sein enger Draht zum Kanzler sein. In seiner neuen Funktion wird Frei gegenüber Merz allerdings anders auftreten müssen. Denn in der Fraktion gibt es schon länger Kritik am Führungsstil des Kanzlers – nicht erst seit dem Ärger um die personellen Veränderungen.

Unter Jens Spahn hat sich die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt entwickelt. Diesen Anspruch werden die Abgeordneten kaum wieder aufgeben wollen. Frei wird daher zeigen müssen, dass er nicht nur loyal zum Kanzler steht, sondern auch die Interessen der Fraktion mit Nachdruck vertreten kann. Die 91,9 Prozent gelten dabei als klarer Vertrauensvorschuss – nun muss er liefern.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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