Zwei republikanische Kandidaten mit fast gleichem Namen sorgen in Alaska für Verwirrung
Bei der parteiübergreifenden Vorwahl für einen US-Senatssitz in Alaska haben gleich zwei republikanische Bewerber mit nahezu identischem Namen den Sprung unter die voraussichtlich vier Bestplatzierten geschafft. Neben dem amtierenden Senator Dan S. Sullivan qualifizierte sich demnach auch sein Herausforderer Dan J. Sullivan für die Kongresswahl im November. Das zeichnete sich nach Auszählung fast aller Stimmen ab.
Der bisherige Senator bewirbt sich um eine dritte Amtszeit. Sein deutlich weniger bekannter Namensvetter möchte dagegen erstmals in den Kongress einziehen. Nach dem vorläufigen Ergebnis lag allerdings die Demokratin Mary Peltola vorne. Damit erhält eine unter Republikanern verbreitete Vermutung neue Nahrung.
Republikaner wittern Täuschungsmanöver
In republikanischen Kreisen ist die Kandidatur von Dan J. Sullivan höchst umstritten. Amtsinhaber Dan S. Sullivan bezeichnet ihn als eine Art Scheinbewerber und unterstellt, er sei mit Hilfe der Demokraten ins Rennen gebracht worden, um Wähler zu verwirren. Wegen der fast identischen Namen könnten unaufmerksame Bürger versehentlich dem falschen Sullivan ihre Stimme geben und damit indirekt Peltola stärken.
Die Demokratin kam bei der Vorwahl auf beinahe die Hälfte aller Stimmen. Das verstärkte den Verdacht konservativer Politiker, hinter der Personalie könnte eine gezielte Strategie stecken.
Alaskas Oberstes Gericht befasste sich mit dem Fall
Sogar das Oberste Gericht des Bundesstaates musste sich mit der Kandidatur beschäftigen. Erst kurz vor der Abstimmung fiel die Entscheidung, dass Dan J. Sullivan auf dem Stimmzettel stehen darf. Dort wurde er allerdings ohne Parteizugehörigkeit aufgeführt. Dan S. Sullivan erschien dagegen ausdrücklich als republikanischer Amtsinhaber.

Trump spricht von einem Trick der Demokraten
Auch Präsident Donald Trump äußerte Misstrauen. Am Wahltag rief er auf seiner Plattform Truth Social die Menschen in Alaska dazu auf, „DEN ECHTEN DAN SULLIVAN“ zu wählen. Den Herausforderer mit nahezu gleichem Namen stellte er als Betrüger und als Werkzeug der Demokraten dar.
Die Demokratische Partei weist jede Verbindung zu Dan J. Sullivan zurück. Allerdings berichtete die New York Times nach einem Gespräch mit ihm, dass er bei den vergangenen drei Präsidentschaftswahlen demokratische Kandidaten unterstützt habe und zudem an Protesten gegen Trump teilgenommen habe.
Mary Peltola setzt auf soziale Themen
Die Demokraten hoffen nun auf einen Erfolg von Mary Peltola, die sich ebenfalls für die Wahl im November qualifiziert haben dürfte. Die in Alaska geborene Politikerin war bis 2025 als erste indigene Frau ihres Bundesstaates im Repräsentantenhaus in Washington vertreten. Nun strebt sie einen Sitz im Senat an.
Inhaltlich wirbt Peltola unter anderem mit niedrigeren Lebenshaltungskosten, bezahlbarem Wohnraum, geringeren Steuern und höheren Löhnen.
Besonderes Wahlsystem in Alaska
Anders als in vielen anderen US-Bundesstaaten treten in Alaska bei Vorwahlen zunächst alle Kandidaten gemeinsam an. Die vier Bewerber mit den meisten Stimmen ziehen anschließend in die eigentliche Wahl ein. Dieses Modell gilt dort für Senat, Repräsentantenhaus, Gouverneursamt und das Landesparlament.
Deshalb ist es möglich, dass im November tatsächlich beide Sullivans gegeneinander antreten. Beobachter des überparteilichen Cook Political Report sehen das Rennen weiterhin als offen an und halten sowohl einen republikanischen als auch einen demokratischen Sieg für realistisch.
Alaska gilt traditionell als eher republikanisch geprägter Staat. Der nördlichste US-Bundesstaat hat weniger als 800.000 Einwohner und wird seit 2002 überwiegend von Republikanern regiert.
Amtsinhaber erfahren, Herausforderer kaum präsent
Dan S. Sullivan sitzt seit 2015 für Alaska im US-Senat. Nach eigenen Angaben war der Republikaner mehr als drei Jahrzehnte Infanterieoffizier im Marine Corps. Unter Präsident George W. Bush arbeitete er außerdem im Außenministerium und im Nationalen Sicherheitsrat. Politisch setzt der 61-Jährige vor allem auf die Förderung von Öl- und Gasvorkommen sowie auf eine starke nationale Sicherheit.
Über Dan J. Sullivan ist dagegen nur wenig bekannt. Der 69-Jährige hat im Gegensatz zu den anderen Bewerbern keine sichtbaren Wahlkampfauftritte absolviert und verfügt auch über keine eigene Kampagnen-Webseite. Medien zufolge lebt der pensionierte Lehrer und frühere Mitarbeiter der US-Forstbehörde in Petersburg im Südosten Alaskas.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber