Ukraine

Ukraine bannt «Mascha und der Bär»

Plötzlich auf dem Index: Warum die Ukraine ausgerechnet „Mascha und der Bär“ als Bedrohung sieht – und Moskau sofort tobt.

21.08.2026, 16:14 Uhr

Ukraine sperrt „Mascha und der Bär“

In der Ukraine darf die international bekannte russische Zeichentrickserie „Mascha und der Bär“ künftig nicht mehr gezeigt werden. Die Regierung verhängte Sanktionen gegen die Produzenten und stufte die Animationsfilme als Risiko für die nationale Sicherheit ein.

Kulturministerin Tetjana Bereschna erklärte auf Facebook, der ukrainischsprachige YouTube-Kanal der Serie habe allein im Jahr 2025 mehr als 800 Millionen Aufrufe erzielt. Nun gebe es eine rechtliche Grundlage, um die Inhalte im Land zu blockieren. Für russische Propaganda sei auf Bildschirmen für Kinder kein Platz – weder in der Ukraine noch anderswo, schrieb sie.

Bei Kindern in der Ukraine besonders beliebt

Auslöser der Maßnahme ist eine journalistische Untersuchung aus dem vergangenen Jahr. Demnach war der ukrainischsprachige YouTube-Kanal von „Mascha und der Bär“ 2025 in der von Russland angegriffenen Ukraine mit großem Abstand der erfolgreichste. Angaben zur russischsprachigen Version wurden nicht gemacht.

Laut den Autoren der Studie erzielen die Produzenten über den Kanal Werbeeinnahmen, auf die in Russland Steuern fällig würden. Diese Gelder kämen damit indirekt auch der russischen Armee im Krieg gegen die Ukraine zugute. Plattformen wie YouTube können Inhalte entsprechend gesetzlicher Vorgaben auch gezielt für Nutzer einzelner Länder sperren.

Die Ukraine verteidigt sich seit viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Neben militärischem Widerstand geht das Land auch gegen den starken Einfluss der russischen Sprache und Kultur vor, was in Moskau auf scharfe Ablehnung stößt.

Im Mittelpunkt der Serie stehen das kleine Mädchen Mascha, das traditionelle russische Kleidung trägt, und ein ehemaliger Zirkusbär, der sich nur mit Gesten und Lauten verständigt. Die Produktion läuft seit 2009 und wurde in vielen Ländern ausgestrahlt, darunter auch in Deutschland. Kritik gab es unter anderem in Großbritannien und Estland, weil Mascha in mehreren Folgen mit militärisch anmutender Kleidung und sowjetischer Symbolik zu sehen ist.

Kritik aus Moskau

Der Schritt aus Kiew wurde im Kreml scharf kritisiert. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte laut russischen Nachrichtenagenturen, dass die Ukraine nun sogar einen Krieg gegen Zeichentrickfilme führe, zeige erneut die „Abscheulichkeit“ des Kiewer Regimes. Die Figuren der Serie hätten die Welt durch ihre Güte erobert. Es handle sich um Propaganda „im guten Sinne des Wortes“.

Die Sanktionen gelten zunächst für zehn Jahre. Zugleich rief Kiew seine Partnerstaaten dazu auf, ebenfalls gegen die Verbreitung der Animationsserie vorzugehen. Noch im Juni hatte der US-Streamingdienst Netflix die Rechte an weiteren Staffeln der Kindersendung erworben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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