Vorfall in Hofgeismar: Mehrere Verletzte nach Fahrt durch Fußgängerzone
In Hofgeismar in Nordhessen hat ein Autofahrer am Freitagvormittag in der Fußgängerzone mehrere Menschen erfasst und damit einen Großeinsatz ausgelöst. Nach Angaben der Polizei und von Hessens Innenminister Roman Poseck gibt es derzeit keine Hinweise auf eine absichtliche Tat. Vielmehr deute nach bisherigem Stand alles auf einen medizinischen Notfall des Fahrers und ein tragisches Unfallgeschehen hin.
Acht Menschen wurden verletzt
Nach bisherigen Erkenntnissen erlitten acht Passanten Verletzungen. Vier von ihnen kamen vorsorglich ins Krankenhaus. Nach ersten Informationen handelt es sich vor allem um Schürfwunden, Prellungen und Schockreaktionen. Schwerverletzte gibt es demnach bislang nicht.
Innenminister Poseck erklärte, seine Gedanken seien bei den Betroffenen und bei allen, die durch das Geschehen verängstigt worden seien. Zugleich dankte er den Einsatzkräften für ihre schnelle Hilfe.
Auto kam erst an einem Kaufhaus zum Stehen
Die Fahrt des Wagens führte über mehrere Hundert Meter durch die Innenstadt, bevor das Auto schließlich gegen die Schaufensterscheibe eines Kaufhauses prallte. Der Fahrer wurde noch am Ort von einem Notarzt behandelt und anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Laut Polizei befindet sich der 68-jährige Mann aus Hofgeismar in einem kritischen Zustand.
Wie berichtet wurde, hatten Passanten zuvor noch versucht, dem Mann in seinem Fahrzeug Erste Hilfe zu leisten.
Deutliche Spuren der Verwüstung
An der Unfallstelle waren erhebliche Schäden sichtbar. Nach Fotos kollidierte der Wagen unter anderem mit den Außenmöbeln eines Eiscafés. Stühle stürzten um, ebenso Warenständer vor Geschäften. Auf der Straße lagen umgekippte Körbe, Sitzpolster, Geschirr und Kinderspielzeug.

Die Polizei spricht von hohem Sachschaden, dessen genaue Höhe noch nicht feststeht. Zur Klärung des Geschehens wurde auch ein Gutachter hinzugezogen.
Zeugen berichten von medizinischen Problemen
Nach Aussagen von Zeugen war der Autofahrer bereits zuvor in der Nähe eines Zebrastreifens an der Mühlenstraße aufgefallen. Dort habe er offenbar gesundheitliche Probleme gehabt. Als Zeugen ihn ansprechen wollten, sei der Mercedes plötzlich stark beschleunigt und in die Fußgängerzone gefahren.
Dort erfasste das Fahrzeug mehrere Passanten, stieß gegen Verkaufsstände und kam erst nach dem Aufprall auf das Schaufenster zum Stillstand.
Große Aufregung in der Kleinstadt
In Hofgeismar mit rund 16.000 Einwohnern sorgte der Vorfall für erhebliche Unruhe. Nach Angaben des Hauptamtsleiters Chris Dworak wollten viele Menschen sofort wissen, was hinter dem Geschehen steckt. Die Stadtverwaltung sei mit Anrufen überhäuft worden.
Zudem habe es umgehend Abstimmungen zwischen Bürgermeister Torben Busse, dem Stadtbrandinspektor, dem Ersten Stadtrat und der Polizei gegeben. Auch die Kindertagesstätten wurden vorsorglich informiert, da sich der Vorfall zu einer Zeit ereignete, in der viele Menschen in der Fußgängerzone unterwegs gewesen sein dürften.
Erinnerungen an Volkmarsen
Das Geschehen weckte zunächst Erinnerungen an die Tat von Volkmarsen im Februar 2020. Damals war ebenfalls in Nordhessen ein Mann absichtlich mit seinem Auto in einen Karnevalsumzug gefahren. Dabei wurden mindestens 88 Menschen verletzt, darunter 26 Kinder. Der Täter wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt.
Im Fall von Hofgeismar gehen die Ermittler nach jetzigem Stand jedoch von einem Unglück infolge eines medizinischen Notfalls aus.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber