Wirtschaft

VW-Chef Blume warnt: «Es ist noch schlimmer»

Nach der Sommerpause droht VW der nächste Schock: Tausende Jobs und sogar Werke wackeln. Bringen die nächsten Tage endlich Klarheit?

21.08.2026, 16:26 Uhr

VW-Chef Blume warnt vor ernster Lage

Kaum sind die Werksferien beendet, ist die Ruhe bei Volkswagen wieder vorbei: Konzernchef Oliver Blume hat kurz vor einer Reihe von Betriebsversammlungen die angespannte Situation des Unternehmens hervorgehoben. In einem im Intranet veröffentlichten Interview, das der dpa vorliegt, sagte er, die Lage sei „mehr als kritisch“.

Zwar sei Europas größter Autobauer weiterhin handlungsfähig, zugleich bestehe aber akuter Handlungsbedarf. Blume verwies auf eine operative Rendite von 3,8 Prozent. Angesichts der schwierigen Lage sei das zwar ein solider Wert, reiche aber bei weitem nicht aus, um dauerhaft genügend Mittel für neue Technologien, neue Produkte und die Standorte des Konzerns zu erwirtschaften.

Auch die bisherigen Sparmaßnahmen reichen nach seinen Worten noch nicht aus. So seien die Fabrikkosten in den deutschen Autowerken im vergangenen Jahr im Schnitt bereits um 20 Prozent gesenkt worden. Dennoch machte Blume deutlich: „Wir sind überdimensioniert.“ Das mache den Konzern oft zu langsam und zu kompliziert.

Bereits im Frühjahr hatte Blume angekündigt, für Volkswagen an einem neuen „Zielbild 2030“ zu arbeiten und den Sparkurs deutlich zu verschärfen. Noch vor der Sommerpause stellte er klar, dass das Maßnahmenpaket noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll. Seitdem wächst im Konzern die Sorge um vier Werke sowie um bis zu 50.000 zusätzliche Arbeitsplätze.

Bis Ende August sind insgesamt neun Betriebsversammlungen geplant, unter anderem in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal. Dort will sich der Vorstand den Fragen der Beschäftigten stellen. Den Anfang macht Wolfsburg am 25. August, einen Tag später folgen Emden und Zwickau. Die letzte Versammlung ist für den 31. August in Hannover vorgesehen.

Keine Entscheidung über konkrete Werksschließungen

Mit Blick auf die als bedroht geltenden Standorte in Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm sagte Blume erneut, dass es dort derzeit keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er-Jahre gebe. Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen sei aber nicht getroffen worden. Eine fehlende Nachfolgebelegung bedeute noch nicht automatisch das Aus für ein Werk.

Blume betonte zugleich, dass Volkswagen seine Verantwortung auch dann nicht einfach beende, falls sich für einen Standort keine Lösung finden lasse. Werksschließungen seien immer die teuerste und letzte Lösung. Falls alle anderen Anstrengungen nicht ausreichten, müsse es darum gehen, gemeinsam mit Partnern, Investoren oder neuen industriellen Konzepten neue Perspektiven zu schaffen.

Auch bei der häufig genannten Zahl von 50.000 gefährdeten Stellen bremste Blume. Diese Zahl sei keine fixe Zielgröße, sondern leite sich aus dem Kostenziel im Vergleich zum Wettbewerb ab. Sie solle vor allem verdeutlichen, wie groß der Handlungsbedarf im Konzern derzeit ist.

Quelle: dpa/bearbeitet

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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