Söder kritisiert späte Reaktion der Kirche auf Missbrauchsskandal
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat der katholischen Kirche vorgeworfen, die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals nur zögerlich begonnen zu haben. Beim Katholikentag in Würzburg sagte er, der Umgang mit dem Thema sei lange Zeit unzureichend gewesen. Inzwischen werde jedoch anders darüber gesprochen und ernster an der Aufklärung gearbeitet, auch wenn noch nicht alle Fragen beantwortet seien.
Söder betonte, es gebe kaum etwas Verwerflicheres, als eine moralische Autorität zu missbrauchen, um sexualisierte Gewalt auszuüben. Besonders kritisch äußerte er sich über den Vatikan, der aus seiner Sicht auf die ersten bekannt gewordenen Vorwürfe viel zu spät reagiert habe. Dass damals nicht entschlossener gehandelt worden sei, bezeichnete er als sehr bedauerlich.
Nach Söders Einschätzung hängt die Distanz vieler Menschen zur Kirche bis heute mit dieser Zeit zusammen. Das dürfe aus seiner Sicht nicht so bleiben. Die Aufarbeitung bleibe deshalb eine zentrale Aufgabe für die Kirche — unabhängig von der jeweiligen Konfession.
Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland war 2010 öffentlich ins breite Bewusstsein gerückt. Seitdem wurden zahlreiche Fälle sexualisierter Gewalt innerhalb kirchlicher Strukturen bekannt. Auch in anderen Ländern, darunter Irland, die USA und Staaten in Südamerika, erschütterten ähnliche Enthüllungen die Kirche.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion