Julian Nagelsmann hat eine Rückkehr von Manuel Neuer in die deutsche Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft in diesem Sommer nicht ausgeschlossen. Eine klare Festlegung vermied der Bundestrainer im ZDF-„Sportstudio“ aber fünf Tage vor der Bekanntgabe seines 26-Mann-Kaders. Nagelsmann betonte mehrfach, dass er zunächst mit allen betroffenen Spielern sprechen wolle. „Das hat noch nicht stattgefunden“, sagte er.
Zuvor hatte Sky Sport berichtet, dass der Torhüter des FC Bayern für den WM-Kader eingeplant sei, sofern in den kommenden Tagen nichts Unvorhergesehenes passiere und sich seine beim 5:1 gegen den 1. FC Köln aufgetretenen Wadenprobleme nicht doch als schwerwiegender erweisen. Demnach soll Neuer in den vergangenen Tagen seine Zusage gegeben haben. Nagelsmann reagierte darauf allerdings zurückhaltend: „Von mir hat keiner eine Information bekommen, auch noch nicht die Spieler“, sagte er und ergänzte, Sky habe dies bereits „rausposaunt“.
Neuer bleibt bei der WM-Frage bewusst vage
Kurz zuvor hatte Neuer selbst ein Comeback im Nationalteam vor der WM in Kanada, Mexiko und den USA nicht mehr ausgeschlossen. Nach dem letzten Bundesliga-Spieltag sagte der 40 Jahre alte Münchner Kapitän, das Thema sei für ihn aktuell kein Schwerpunkt. „Für mich ist das heute kein Thema“, erklärte Neuer. Sein Fokus liege auf der Meisterfeier und vor allem auf dem DFB-Pokalfinale in der kommenden Woche.
Auf die direkte Frage, ob eine WM-Teilnahme ausgeschlossen sei, antwortete Neuer vielsagend: „Das müsst ihr nicht wissen.“ Zuvor hatte er bereits betont, dass ihn das Thema an diesem Tag nicht beschäftige und er der Situation entspannt entgegenblicke.
Einen besonderen Austausch mit seinem früheren Bayern-Coach Julian Nagelsmann habe es in den vergangenen Tagen nicht gegeben, erklärte Neuer. Man stehe das ganze Jahr über in Kontakt – so wie auch mit anderen früheren Trainern und Verantwortlichen –, etwas Außergewöhnliches sei jedoch nicht passiert. Nagelsmann will seinen WM-Kader am 21. Mai bekanntgeben.
Matthäus: Bei Neuer spricht mehr dafür als dagegen
Sky-Experte Lothar Matthäus wertete Neuers Aussagen als Indiz dafür, dass ein WM-Comeback wahrscheinlicher geworden ist. Aus seiner Sicht spreche „eher ja wie nein“ für eine Rückkehr. Zudem sei Neuer für ihn weiterhin Deutschlands bester Torhüter – und bei einem großen Turnier sollten die Besten auflaufen.
Neuer im letzten Bundesliga-Spiel angeschlagen ausgewechselt
Im letzten Bundesliga-Spiel der Saison war Neuer nach rund einer Stunde für Ersatzkeeper Jonas Urbig ausgewechselt worden. Der Routinier erklärte anschließend, die Auswechslung sei auch mit Blick auf das DFB-Pokalfinale am kommenden Samstag in Berlin gegen den VfB Stuttgart erfolgt. Er habe etwas in der Wade gespürt und deshalb bewusst kein Risiko eingehen wollen.
Erst am Freitag hatte Neuer seinen Vertrag beim FC Bayern um ein weiteres Jahr bis Sommer 2027 verlängert. Von der WM 2010 bis zur EM 2024 war er bei allen großen Turnieren die deutsche Nummer eins. Nach dem Heimturnier vor zwei Jahren erklärte er seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Mit 124 Länderspielen ist Neuer deutscher Rekordtorwart. Sein größter Erfolg bleibt der Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.
Baumann bleibt selbstbewusst
Bis zuletzt hatte Neuer mehrfach glaubhaft betont, dass sein Abschied aus der Nationalelf endgültig sei. Damals war er allerdings auch davon ausgegangen, dass Julian Nagelsmann künftig auf Marc-André ter Stegen als Stammtorhüter setzen würde.
Genau das war zunächst auch der Plan. Wiederholte Verletzungen von ter Stegen machten diese Überlegung jedoch zunichte. Dadurch bekam Oliver Baumann unerwartet eine große Chance. Der Hoffenheimer überzeugte in der zweiten Jahreshälfte 2025 während der gesamten WM-Qualifikation als verlässlicher Rückhalt und arbeitete sich zur neuen Nummer eins hoch.
Trotz der Spekulationen um Neuer zeigt sich Baumann unverändert selbstbewusst. Nach dem letzten Saisonspiel mit der TSG Hoffenheim erklärte der 35-Jährige, er gehe davon aus, als Nummer eins zur WM zu fahren. „Das war mein Stand oder ist mein Stand. Ich gehe da auch sehr selbstbewusst dahin“, sagte Baumann in der ARD. Bei Sky hatte er zudem betont: „Er hat mir das Vertrauen ausgesprochen. Punkt.“
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion