Nordrhein-Westfalen

Mit «Play Auerbach»: So starten Mülheims Theatertage

Ein Überlebender, ein Urteilsskandal, späte Gerechtigkeit: Warum «Play Auerbach» zum Auftakt in Mülheim unter die Haut geht.

16.05.2026, 18:30 Uhr

Mülheimer Theatertage mit erstem Wettbewerbsbeitrag gestartet

Die Mülheimer Theatertage für Gegenwartsdramatik haben begonnen. Zum Auftakt wurden zunächst die Preisträgerinnen und Preisträger des Vorjahres gewürdigt, anschließend stand mit „Play Auerbach“ von den Münchner Kammerspielen das erste Wettbewerbsstück auf dem Programm.

Das Werk des israelischen Dramatikers Avishai Milstein, inszeniert von Sandra Strunz, erzählt von Philipp Auerbach (1906–1952). Der Unternehmer und Holocaust-Überlebende war nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern als Staatskommissar für Menschen tätig, die unter dem NS-Regime verfolgt worden waren.

Verurteilt, gestorben, später entlastet

1952 wurde Auerbach wegen des Vorwurfs von Betrug und Untreue zu einer Haftstrafe verurteilt. Kurz darauf nahm er sich das Leben. Sowohl der vorsitzende Richter als auch der Staatsanwalt des Verfahrens hatten eine NS-Vergangenheit. Erst zwei Jahre später wurde Auerbach durch einen Untersuchungsausschuss des Landtags rehabilitiert.

Laut Ankündigung blickt Milsteins Stück mit „bösem Sarkasmus“ auf das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden. Beschrieben wird es als eine Revue über Erinnerungskultur, die bewusst schmerzliche Punkte berührt.

Preisgelder in mehreren Kategorien

Bis zum 6. Juni konkurrieren bei den Theatertagen insgesamt sieben neue Stücke der deutschsprachigen Gegenwartsdramatik für Erwachsene sowie fünf Produktionen für Kinder. In beiden Wettbewerben beträgt das Preisgeld jeweils 15.000 Euro. Zusätzlich wird ein Publikumspreis in Höhe von 5.000 Euro vergeben.

Die Stadthalle Mülheim an der Ruhr
In der Stadthalle beginnen die renommierten Mülheimer Theatertage – gezeigt wird «Play Auerbach» (Münchner Kammerspiele) – (Archivbild) Quelle: Daniela Motzkus/Mülheimer Theatertage/dpa

Alle nominierten Arbeiten sind während des Festivals in Mülheim zu sehen. Die Entscheidungen über die Gewinner fallen in öffentlichen Jurysitzungen, die auch per Livestream verfolgt werden können.

Festivalleiterin Stephanie Steinberg hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die Auswahl jedes Jahr aus mehr als 200 deutschsprachigen Uraufführungen getroffen wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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