Der frühere britische Gesundheitsminister Wes Streeting hat seine Ambitionen auf das höchste Regierungsamt bekräftigt. Bei einem Auftritt in London bestätigte der 43-Jährige, dass er bei einer möglichen Wahl um den Vorsitz der Labour-Partei gegen Premierminister Keir Starmer antreten will.
Streeting greift Starmers Brexit-Kurs an
Vor allem beim Thema Brexit setzte Streeting einen deutlich schärferen Akzent als der amtierende Regierungschef. Den EU-Austritt bezeichnete er als schweren Irrtum. Nach seiner Einschätzung hat die Entscheidung Großbritannien wirtschaftlich geschwächt, seinen internationalen Einfluss verringert und dem Land sogar Kontrolle entzogen.
Zugleich warb Streeting für eine engere Anbindung an Europa. Großbritannien brauche wieder ein besonderes Verhältnis zur Europäischen Union, sagte er, denn die Zukunft des Landes liege in Europa – und langfristig aus seiner Sicht auch wieder in der EU.
Starmer setzt auf pragmatischen Umgang mit dem Brexit
Starmer hatte dagegen immer wieder klargemacht, dass er weder einen Wiedereintritt in die EU noch eine Rückkehr in den Binnenmarkt oder die Zollunion anstrebt. Sein politischer Ansatz bestand bislang darin, den Brexit möglichst praktikabel zu gestalten.
Hintergrund dieser Linie ist die Sorge, Labour-Wählerinnen und -Wähler zu verlieren, die den Austritt aus der EU unterstützt hatten. Allerdings trifft diese Haltung inzwischen nicht mehr den Wunsch eines großen Teils der Bevölkerung, da viele Britinnen und Briten den Brexit inzwischen rückgängig machen würden.

Auch Andy Burnham könnte ins Rennen gehen
Streeting bringt sich zudem in Stellung gegen Andy Burnham, den Bürgermeister von Manchester. Burnham könnte in den kommenden Wochen den Weg ins Unterhaus antreten und gilt als einer der aussichtsreichsten möglichen Rivalen für Starmer.
Streeting erklärte, er wolle mit einem formellen Vorstoß für eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz warten, bis Burnham ebenfalls die Möglichkeit gehabt habe, seine Kandidatur zu prüfen. Wer den Labour-Chef herausfordern will, braucht die Unterstützung von mindestens 81 Abgeordneten der Fraktion.
Burnham selbst hat eine Bewerbung bislang nicht offiziell angekündigt. Dennoch gilt es als wahrscheinlich, dass er Starmer herausfordern könnte. Ob er zuvor die Nachwahl im Wahlkreis Makerfield nahe Manchester für sich entscheiden kann, ist allerdings noch offen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion