Protest kurz vor der Show
Kurz vor Beginn der Final-Show des Eurovision Song Contest (ESC) hat die Polizei in Wien 14 propalästinensische Aktivisten festgenommen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hielten sie auf den Stufen der städtischen Hauptbücherei eine nicht angemeldete Versammlung ab und verstießen zudem gegen das Vermummungsverbot.
Die Demonstrierenden protestierten mit Plakaten und Sprechchören gegen die Teilnahme Israels am Wettbewerb. Die Hauptbücherei liegt an einer U-Bahn-Station nahe der Wiener Stadthalle, in der am Abend das ESC-Finale stattfindet.
Vor Ort war zu sehen, wie Einsatzkräfte Mitglieder einer ersten Gruppe die Stufen hinuntertrugen. Noch währenddessen nahm bereits eine zweite Gruppe auf den Stufen Stellung.
Bereits zuvor friedliche Großdemo
Wenige Stunden zuvor hatten mehrere Tausend Menschen in Wien gegen Israels Teilnahme am ESC demonstriert. Die Polizei sprach von einem friedlichen Verlauf ohne Festnahmen und ohne größere Zwischenfälle.
Aus Kreisen der Einsatzkräfte hieß es zuvor, rund 2.600 Menschen seien trotz Wind und Regens unter dem Motto „Keine Bühne für den Völkermord“ mitgezogen. Eine offizielle Teilnehmerzahl nannte die Polizei nicht. Bei der Abschlusskundgebung wurde kurzzeitig Pyrotechnik gezündet; nach einer Lautsprecherdurchsage der Polizei hörte dies rasch wieder auf. Außerdem kletterten zwei Demonstrierende vorübergehend auf ein Gerüst.
Kritik an Israels ESC-Teilnahme
Die Demonstrierenden warfen den ESC-Veranstaltern Doppelmoral vor, weil Israel teilnehmen darf, Russland aber ausgeschlossen wurde. Auf Plakaten waren Parolen wie „Freiheit für Palästina“ und „Block Eurovision“ zu lesen. Auch der umstrittene Slogan „From the river to the sea – Palestine will be free“ wurde skandiert.
Der palästinensische Botschafter in Wien, Salah Abdel Shafi, kritisierte Israels Teilnahme scharf und sprach von einer Beleidigung für Kunst, Kultur und Menschlichkeit. Zugleich erhob er schwere Vorwürfe gegen Israel. Die israelische Regierung weist den Vorwurf eines Völkermords zurück.
Sicherheitslage rund um die Stadthalle
Rund um die Wiener Stadthalle wurde eine Sperrzone eingerichtet. Zutritt haben dort nur Mitwirkende des ESC, Besucherinnen und Besucher sowie Anwohner. Zusätzlich gilt im Umfeld der Veranstaltungsorte ein Drohnen-Flugverbot.
Das Innenministerium hält in Österreich weiter die vierthöchste von fünf Terrorwarnstufen aufrecht. Diese Einstufung gilt bereits seit Oktober 2023.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion