Digitalisierung in der Pflege: Korian zieht positive Bilanz aus Modellprojekt
Künstliche Intelligenz zur Sturzerkennung, Reinigungsroboter zur Entlastung des Personals und virtuelle Reisen per VR-Brille: Digitale Technik hält zunehmend Einzug in Pflegeeinrichtungen. Der Betreiber Korian hat in seinem Projekt „Pflege 2030“ über rund dreieinhalb Jahre im Haus Karlsfeld bei München untersucht, wie sich KI und digitale Lösungen nutzen lassen, um die Betreuung pflegebedürftiger Menschen zu verbessern und Beschäftigte zu entlasten.
Hintergrund des Vorhabens ist der wachsende Pflegebedarf bei gleichzeitigem Personalmangel. Nach Angaben des Unternehmens sollen sich bewährte Anwendungen nun schrittweise in weiteren Einrichtungen durchsetzen. Das Projekt wurde mit 3,1 Millionen Euro vom Freistaat Bayern gefördert. Beteiligt waren außerdem die Universität Bremen sowie das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS.
Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach (CSU) erklärte, die stationäre Pflege brauche neue Ansätze und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Ziel sei es gewesen, technische Lösungen und digitale Abläufe so einzusetzen, dass Prozesse effizienter werden. Dadurch könnten sich Pflegekräfte stärker den Bewohnerinnen und Bewohnern widmen, was langfristig die Qualität der Versorgung verbessere.
Sprachgestützte Dokumentation als großer Zeitgewinn
Besonders erfolgreich war laut Korian die sprachbasierte Pflegedokumentation. Sie spare pro Pflegekraft täglich etwa 30 Minuten und erhöhe gleichzeitig die Qualität der Dokumentation.
Ebenfalls positiv bewertet wurde eine KI-gestützte Sturzerkennung, die mithilfe von Sensoren Bewohner diskret in ihren Zimmern überwacht. Damit sollen Sicherheit und Selbstständigkeit gefördert werden, ohne den Alltag unnötig zu beeinträchtigen.
Großen Zuspruch bei den Bewohnern fanden zudem ein interaktiver Spieltisch sowie Virtual-Reality-Brillen, mit denen Ausflüge an Orte möglich werden, die viele nicht mehr persönlich besuchen können.
Auch Putzroboter kamen im Projekt zum Einsatz. Sie übernehmen Reinigungsarbeiten automatisch und schaffen dadurch Freiräume für die Mitarbeitenden. Ergänzend unterstützen digitale Anwendungen bei der Tagesstruktur und der Planung von Aktivitäten, was sowohl Bewohnern als auch Pflegeteams zugutekommt.
Nicht jede Innovation überzeugte im Alltag
Allerdings zeigte sich auch, dass nicht jede technische Neuerung praxistauglich ist. Weniger bewährt haben sich laut Unternehmen unter anderem eine App zur Analyse des Gangbilds, ein Toilettensitz mit EKG-Funktion sowie ein Bett, das Menschen automatisch umlagert. Entscheidend sei letztlich nicht der technische Anspruch, sondern der konkrete Nutzen im Pflegealltag.
Ausweitung auf weitere Häuser geplant
Die KI-basierte Sturzerkennung ist nach Unternehmensangaben bereits heute in allen Korian-Einrichtungen als zubuchbare Zusatzleistung verfügbar. Bis 2028 sollen sämtliche in Karlsfeld erfolgreich getesteten Lösungen auf das gesamte deutsche Netzwerk übertragen werden.
Korian Deutschland gehört zur europäischen Clariane-Gruppe und betreibt bundesweit 219 Standorte sowie 23 ambulante Dienste.
Die Ergebnisse des Projekts wurden zudem in einem Handbuch dokumentiert, damit auch andere Pflegeanbieter und Heime von den gewonnenen Erkenntnissen profitieren können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber