Politik

Warum Farage jetzt sogar die Mülltonne fürchten muss

Farage trat überraschend ab, um Geld-Fragen loszuwerden – jetzt droht ihm bei der Nachwahl ein noch viel peinlicheres Fiasko.

08.07.2026, 13:15 Uhr

Der Vorsitzende der britischen Rechtspopulisten, Nigel Farage, könnte mit seinem Rückzug aus dem Unterhaus und der dadurch ausgelösten Nachwahl im Wahlkreis Clacton einen schweren Fehler gemacht haben. Der Schritt, der eigentlich als Signal der Stärke für den Chef von Reform UK gedacht war, könnte sich am Ende als peinliche Niederlage entpuppen.

Da sich die großen Parteien bislang weigern, eigene Bewerber ins Rennen zu schicken, könnte ausgerechnet ein Satirekandidat zu Farages prominentestem Herausforderer werden. Gemeint ist Count Binface – sinngemäß etwa „Graf Mülltonnengesicht“ –, hinter dem der Komiker Jon Harvey steckt. Er ist in Großbritannien seit Jahren eine bekannte Figur bei Wahlen.

Die Kunstfigur tritt als angeblicher intergalaktischer Kämpfer auf, mit Umhang, einer an Darth Vader erinnernden Erscheinung und einer Mülltonne als Helm. Offiziell nominiert ist er für die Nachwahl zwar noch nicht, denn die Frist für Bewerbungen hat noch nicht begonnen.

Kurz nach Farages Rücktrittserklärung schrieb Count Binface auf X: „Auf geht’s, Nige.“ Einen echten Wahlsieg traut sich der Spaßkandidat nach eigenen Worten allerdings nicht zu. Im Gespräch mit der BBC erklärte er, seine Rolle bestehe darin, „die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen“. Dass ausgerechnet er derzeit interviewt werde, weil die etablierten Parteien keinen Kandidaten aufstellen wollten, sage eher etwas über deren Zustand aus als über ihn selbst.

Von Elmo bis Lord Buckethead

Skurrile Kandidaten gehören in Großbritannien seit Langem zur Wahlkultur. Als Boris Johnson 2019 seinen Wahlsieg feierte, standen neben ihm unter anderem ein Bewerber im Elmo-Kostüm, ein Lord Buckethead sowie Yace Yogenstein, der sich auch Interplanetary Time Lord nennt. Auch die 1982 gegründete Official Monster Raving Loony Party ist dafür bekannt, regelmäßig mit satirischen Kandidaturen anzutreten.

Nachwahl Makerfield
Immer wieder treten bei britischen Wahlen Quatschkandidaten an, so auch bei der vergangenen Nachwahl im Bezirk Makerfield. (Archivbild) Quelle: Peter Byrne/PA Wire/dpa

Selbst wenn Farage den Sitz wie erwartet zurückerobern sollte, ist fraglich, ob ihm die Nachwahl tatsächlich die erhoffte politische Bestätigung verschaffen würde. Zudem bliebe sein eigentliches Problem bestehen: eine Untersuchung wegen eines Geldgeschenks von fünf Millionen Pfund (rund 5,85 Millionen Euro).

Nach Berichten britischer Medien wird dieses Verfahren lediglich so lange auf Eis gelegt, wie Farage nicht Mitglied des Parlaments ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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