Politik

Merz trifft Trump – und plötzlich wird es privat

Abgekühlt? Von wegen: Trump und Merz reden beim Nato-Gipfel plötzlich lange – und das in einem überraschenden Rahmen.

08.07.2026, 11:04 Uhr

Beim Nato-Gipfel in Ankara war zwar kein offizielles Arbeitsgespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz angesetzt. Beim Auftaktdinner am Dienstagabend ergab sich dennoch viel Gelegenheit zum Austausch: Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen sprachen Merz, seine Frau Charlotte und Trump über weite Teile des Abends über politische und persönliche Themen.

Mit am Tisch saßen zudem Gastgeber Recep Tayyip Erdogan, Nato-Generalsekretär Mark Rutte sowie Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Lebhafte und entspannte Runde

Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die Atmosphäre sei freundlich und gesprächig gewesen. Das galt demnach auch für das Verhältnis zwischen Trump und Meloni. Zwischen beiden hatte es nach dem G7-Gipfel in den vergangenen Wochen noch scharfe gegenseitige Spitzen in sozialen Netzwerken gegeben.

Auslöser war Trumps Behauptung, Meloni habe ihn in Évian um ein gemeinsames Foto gebeten. Die italienische Regierungschefin wies das als frei erfunden zurück. Inzwischen äußerte sich Trump deutlich versöhnlicher und erklärte, er halte Meloni eigentlich für sympathisch.

Auch das Verhältnis zwischen Merz und Trump galt zuletzt als belastet. Hintergrund waren unter anderem Differenzen über den Krieg gegen den Iran. Trump hatte nach Kritik des Kanzlers angekündigt, 5.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Zudem hatte er die deutschen Verteidigungsausgaben vor dem Gipfel als lächerlich bezeichnet.

Menü im Präsidentenpalast

Serviert wurden beim Abendessen im aufwendig ausgestatteten Präsidentenpalast unter anderem Rinderrippchen sowie Seebarsch mit Artischocken und Weinblättern.

Schon vor dem Dinner hatte Erdogan Trump zu einem bilateralen Treffen empfangen. Außerdem war ein Austausch des US-Präsidenten mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vorgesehen. Für Charlotte Merz war es nicht die erste gemeinsame Reise in die Türkei an der Seite des Kanzlers: Bereits im vergangenen Oktober hatte sie ihn bei seinem Antrittsbesuch in Ankara begleitet.

Trump leistet sich bei Auftritt mit Selenskyj mehrere Versprecher

Am Rande des Gipfels sorgte Trump bei einem Presseauftritt mit Selenskyj später noch mit mehreren auffälligen Patzern für Aufsehen. Auf die Frage einer Journalistin sprach er an einer Stelle von der „Islamischen Republik Japan“, obwohl offenkundig der Iran gemeint war. Zudem bezeichnete er das frühere internationale Atomabkommen mit dem Iran mit der falschen Abkürzung JCPOC statt JCPOA.

Für zusätzliche Unruhe sorgte eine weitere Bemerkung Trumps an die anwesenden Reporterinnen und Reporter. Er fragte, ob es eine „Frage für Präsident Putin“ gebe, während er auf den neben ihm sitzenden Selenskyj zeigte. Als daraufhin Aufregung im Raum entstand, erklärte Trump, er wolle tatsächlich wissen, ob jemand eine Frage an Putin habe. Diese werde er ihm dann stellen, sagte er.

Erinnerung an Bidens eigenen Selenskyj-Patzer

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump mit solchen Versprechern auffällt. Aufmerksamkeit erregt das auch deshalb, weil er im Präsidentschaftswahlkampf wiederholt die Aussetzer seines damaligen Rivalen Joe Biden verspottet hatte.

Dabei hatte auch Biden beim Nato-Gipfel 2024 einen viel beachteten Fehler gemacht: In einer Rede kündigte er Selenskyj an, nannte dann aber zunächst den Namen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Noch während er sich vom Rednerpult abwandte, bemerkte Biden den Patzer und korrigierte sich umgehend. Selenskyj reagierte damals mit einem trockenen Scherz und sagte: „Ich bin besser.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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