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WHO warnt: Krebs-Diagnosen könnten explodieren

Krebs trifft fast jeden irgendwann – doch was die WHO jetzt fordert, könnte Millionen Leben verändern.

08.07.2026, 14:00 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einem starken Anstieg der Krebsfälle weltweit. In ihrem aktuellen Bericht warnt sie, dass ohne wirksame Gegenmaßnahmen bis zum Jahr 2050 rund 35 Millionen Neuerkrankungen pro Jahr zu erwarten seien. Zum Vergleich: Für 2024 geht die WHO von 20,6 Millionen neuen Krebsdiagnosen aus. Als Ursachen nennt die Organisation unter anderem Defizite bei der Vorbeugung sowie bekannte Risikofaktoren wie Tabakkonsum, Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht.

WHO-Experte André Ilbawi betonte, dass die Diskussion über Krebs oft von neuen Technologien, modernen Therapien und großen Hoffnungen geprägt sei. Global betrachtet bilde das jedoch nicht die ganze Realität ab. Noch immer würden viel zu viele Menschen nicht ausreichend versorgt.

Deutliche Unterschiede bei Diagnose und Behandlung

Nach Angaben der WHO sind die Unterschiede zwischen reichen und ärmeren Ländern bei der Früherkennung und erfolgreichen Therapie enorm. Beim Brustkrebs etwa liegt die Überlebensrate in wohlhabenden Staaten bei rund 85 Prozent, in ärmeren Ländern dagegen nur bei etwa 40 Prozent. Zudem sei in lediglich 39 Prozent aller Staaten überhaupt ein Zugang zu einer grundlegenden Krebsbehandlung vorhanden. Damit bleibe ein großer Teil der Weltbevölkerung von selbst einfacher medizinischer Versorgung ausgeschlossen.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, Krebs betreffe beinahe jeden Menschen direkt oder indirekt. Ob jemand die Krankheit überlebe, dürfe jedoch niemals vom Geburtsort oder vom Einkommen abhängen.

Krebs betrifft fast jede Familie

Die Diagnose Krebs bedeute für Erkrankte und Angehörige häufig eine enorme psychische Belastung und könne Familien auch finanziell an den Rand des Ruins bringen. Der Bericht bezeichnet Krebs als eine der wichtigsten Ursachen für medizinisch bedingte Verarmung. Mehr als die Hälfte der Betroffenen und ihrer Familien sei derzeit mit existenzbedrohenden Gesundheitskosten konfrontiert.

Laut WHO werden 92 Prozent der Menschen weltweit im Laufe ihres Lebens mit Krebs in Berührung kommen – entweder als Patientinnen und Patienten oder durch enge Familienmitglieder.

Problemfelder: Übergewicht und Bewegungsmangel

Bei der Prävention sieht die WHO immerhin Fortschritte beim Rauchen: Im Vergleich zu 2010 konsumieren 27 Prozent weniger Menschen Zigaretten, Zigarren oder Pfeife. Beim Alkoholkonsum habe sich die Lage dagegen nur leicht verbessert. Besorgniserregend sei vor allem die Entwicklung bei Übergewicht und mangelnder Bewegung, wo sich der Trend weiter verschärfe.

Zu den weltweit häufigsten Krebsarten zählen laut Statistik Brust-, Lungen-, Darm- und Prostatakrebs. Das größte Problem sei inzwischen nicht mehr fehlendes Wissen über die Krankheit, sondern die Kluft zwischen dem, was bekannt ist, und dem, was tatsächlich umgesetzt wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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