Papst Leo XIV. reist kurz nach Lungen-OP nach Südamerika
Papst Leo XIV. steht vor einer außergewöhnlichen Reise: In Saqsaywaman oberhalb der früheren Inka-Hauptstadt Cusco in Peru wird er einen Ort auf rund 3.700 Metern Höhe besuchen. Ein solcher Termin in den Anden ist selbst für gesunde Reisende wegen der dünnen Luft anspruchsvoll – umso mehr für den 71-Jährigen, dem erst vor dreieinhalb Wochen infolge eines bösartigen Tumors ein Teil der Lunge entfernt wurde.
Die Krebsoperation Mitte Oktober hat den Blick auf die fast zweiwöchige Südamerikareise deutlich verändert. Ursprünglich ging es vor allem darum, wie der in den USA geborene Papst in Peru empfangen wird, einem Land, in dem er viele Jahre lebte und arbeitete. Auch mögliche Spannungen mit rechtsgerichteten Politikern wie Keiko Fujimori in Peru oder Javier Milei in Argentinien standen im Fokus. Inzwischen überlagert jedoch vor allem eine Frage alles andere: Hält seine Gesundheit die Reise aus?
Ärzte im Vatikan sehen keine Hinderungsgründe
Nach offiziellen Angaben verlief der Eingriff erfolgreich. Dem Papst wurde der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt. Die behandelnden Ärzte Luigi Carbone und Stefano Margaritora erklärten, der Krebs habe nicht gestreut, weitere Therapien seien nicht nötig, und klinisch spreche nichts gegen die Reise. Leo XIV. habe das Krankenhaus sogar früher verlassen als vorgesehen.
Trotzdem äußern manche Mediziner Zweifel. Nach einer solchen Operation brauche der Körper in der Regel mehrere Monate, um sich an die geringere Lungenleistung anzupassen. Zudem werde Patienten normalerweise empfohlen, in den ersten drei bis vier Wochen nach dem Eingriff nicht zu fliegen. Für den Papst stehen jedoch mehr als ein Dutzend Flüge an. Schon der erste Langstreckenabschnitt von Rom nach Uruguay dauert 13,5 Stunden. Hinzu kommen große Menschenmengen bei Gottesdiensten, die für Lungenpatienten auch wegen möglicher Infektionen ein Risiko darstellen.

Vatikan hält am Programm fest
Der Heilige Stuhl will dennoch keine Änderungen vornehmen. Papstsprecher Matteo Bruni betonte, die Reise werde wie geplant und nach dem veröffentlichten Programm stattfinden. Leo XIV. selbst ließ mitteilen, er freue sich auf die Rückkehr nach Südamerika, einem Kontinent, mit dem ihn viele prägende Lebensabschnitte verbinden.
Besonders eng ist seine Beziehung zu Peru. Der in Chicago als Robert Francis Prevost geborene Papst verbrachte dort insgesamt mehr als 20 Jahre. Einen Besuch in den USA, seinem Geburtsland, gibt es dagegen weiterhin nicht. Eine Einladung zu den Feierlichkeiten zum 250-jährigen Bestehen der Vereinigten Staaten im Juli lehnte er ab. Bei den jüngsten Zwischenwahlen in den USA stimmte er jedoch per Briefwahl ab. Wen er gewählt hat, bleibt selbstverständlich geheim. Beobachter gehen aber davon aus, dass ihn die Niederlage der Republikaner nicht unglücklich gemacht haben dürfte. Mit Donald Trump verbindet ihn offenkundig wenig, zu einem Treffen der beiden kam es bislang nie.
Peru-Besuch mit politischer Brisanz
In Peru wirkte Leo XIV. zunächst als Missionar, später als Bischof von Chiclayo im Norden des Landes. Aus dieser Zeit besitzt er auch einen peruanischen Pass. Schon damals äußerte er sich kritisch über Präsident Alberto Fujimori, den Vater der heutigen Staatschefin, und dessen hartes Vorgehen im Bürgerkrieg gegen die Guerillaorganisation „Leuchtender Pfad“. In jener Epoche kamen mehr als 60.000 Menschen ums Leben. Auch Fujimoris Begnadigung im Jahr 2017 sah Leo kritisch.
Deshalb wird nun genau verfolgt, welche Worte der Papst zu Versöhnung, Menschenrechten und der Aufarbeitung früherer Verbrechen finden wird. Unabhängig davon dürfte ihm in Peru ein begeisterter Empfang sicher sein. In Lima werden bereits neben den üblichen Papst-Souvenirs wie T-Shirts und Rosenkränzen auch Stoffpuppen mit seinem Gesicht verkauft. Die Regierung hat für den Besuch sogar mehrere arbeitsfreie Tage angeordnet, damit möglichst viele Menschen an den Messen teilnehmen können. Die ausgefallene Arbeitszeit muss später allerdings nachgeholt werden.
Schwierige Etappe in Argentinien
Auch der Aufenthalt in Argentinien verspricht politisch heikel zu werden. Mit Präsident Javier Milei, der wirtschaftlich radikale Positionen vertritt und Donald Trump nahesteht, hat Leo XIV. wenig Gemeinsamkeiten. Dennoch hat die Reise nach Buenos Aires auch symbolische Bedeutung: Sein Vorgänger Franziskus stammte aus Argentinien und war dort Erzbischof der Hauptstadt, kehrte als Papst jedoch nie in seine Heimat zurück. In einem Land, in dem laut offizieller Statistik rund 90 Prozent der Menschen katholisch sind, hatte das viele irritiert.
Auftakt in Uruguay
Vergleichsweise entspannt dürfte der erste Stopp in Uruguay verlaufen. In dem kleinen Nachbarland Argentiniens sind Staat und Kirche strikt getrennt. Nur etwa die Hälfte der Bevölkerung ist katholisch – deutlich weniger als in vielen anderen Ländern Lateinamerikas. Politisch wird Uruguay pragmatisch links regiert. Auch die Höhenlage dürfte dem Papst dort keine Probleme bereiten: Montevideo liegt fast auf Meereshöhe, der höchste Punkt der Hauptstadt erreicht lediglich 134 Meter.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber