Bryan Adams erzählt, dass seine 98-jährige Mutter zu seinen treuesten Unterstützerinnen zählt. Sobald er in Kanada in ihrer Nähe auftrete, sitze sie meist im Publikum, sagte der Musiker in Vancouver. Wäre es nach ihr gegangen, würde sie kein Konzert verpassen. Aufhalten könne er sie ohnehin nicht. Seine Mutter sei ein sehr eigenständiger Mensch, den die Familie vor allem darin bestärke, das zu tun, was ihr guttut. Mit Blick auf ihren bevorstehenden runden Geburtstag sagte Adams, das Ziel sei klar: Sie solle 100 werden — bis dahin fehlten noch 17 Monate.
Neues Album als Hommage an Kanada
Vor Kurzem hat Adams sein neues Album „How’s It Goin’“ veröffentlicht. Die Platte versteht er als musikalische Liebeserklärung an seine Heimat. Darin greift er wichtige Kapitel der kanadischen Geschichte auf, etwa den Bau der Eisenbahn oder das Leben der Menschen in der Landwirtschaft. Für Adams sind es vor allem die arbeitenden Menschen, die Kanada geprägt und aufgebaut haben.
Klanglich orientiert sich das Album an den musikalischen Traditionen der kanadischen Ostküste. Mandolinen und Akustikgitarren bestimmen den Sound. Adams sieht die Stücke eher im Bereich akadischer Volksmusik und Folk als im klassischen Country. Gemeint ist damit die Musik der Akadier, also der französischsprachigen Nachfahren früher Siedler im Osten Kanadas.
Kritik an Trump und Spannungen mit den USA
Auch politische Themen finden sich auf dem Album wieder. In Liedern wie „Lake Ontario“ und „51st State“ verarbeitet Adams das angespannte Verhältnis zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten. Besonders der Titel „51st State“ ist eine klare Anspielung auf Überlegungen von US-Präsident Donald Trump, Kanada zum 51. Bundesstaat der USA zu machen — eine Idee, die Adams deutlich ablehnt.

Mit Blick auf Trump sagte der Sänger, wer sich als Weltpolizist verstehe, müsse sich auch um die Menschen kümmern, über die er Macht ausüben wolle. Die vielen Bombardierungen der vergangenen Jahre seien für ihn kein Zeichen eines Präsidenten, der wirklich für Frieden stehe.
Trotzdem sieht sich Adams nicht als politischer Musiker. Er schreibe über Dinge, die er beobachte und wahrnehme, sagte er. In gewisser Weise verstehe er sich als Sprachrohr für das, was um ihn herum geschehe. Und als Künstler dürfe man auch einmal von außen feststellen, dass jemand aus seiner Sicht nicht der Richtige für ein Amt sei.
Lob für Carney, Skepsis gegenüber Merz
Den kanadischen Premierminister Mark Carney hält Adams für einen der bedeutenden Staatsführer der freien Welt. Zwar stehe er dessen Partei nicht unbedingt nahe, dennoch unterstütze er Carney, weil dieser offenbar kluge Entscheidungen treffe und sich gegen den Druck und das Mobbing stelle, dem Kanada ausgesetzt sei.
Auch zur deutschen Politik äußerte sich Adams. Er verfolge sie zwar nicht im Detail, gewinne aber über Gespräche und Begegnungen ein Gespür für die Stimmung. Über Bundeskanzler Friedrich Merz sagte er, nach allem, was er mitbekomme, sei dieser sehr unbeliebt — sogar ausgesprochen unbeliebt. Er könne nicht nachvollziehen, wie jemand an seinem Posten festhalte, wenn die öffentliche Stimmung so deutlich sei.
Erinnerungen an den Mauerfall in Berlin
Mit Berlin verbindet Adams nach eigenen Worten eine besondere Beziehung. Nach dem Fall der Berliner Mauer sei er sofort in die Stadt gereist. Noch heute besitze er ein Stück der Mauer, das er damals selbst mit einem Vorschlaghammer herausgeschlagen habe. Für ihn habe sich dieser Moment wie der Beginn einer neuen Epoche angefühlt — und genau das sei er auch gewesen.
Derzeit ist Adams auf Tournee in Spanien unterwegs, anschließend stehen weitere Länder auf dem Plan. Im Sommer 2027 kommt der Musiker auch nach Deutschland. Die Konzertreise beginnt am 23. Juni in Wiesbaden. Danach sind unter anderem Auftritte in Hannover, Bonn, Rosenheim, Rostock, Erfurt und Dresden vorgesehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber