Nordrhein-Westfalen

Giftalarm auf der A57 – Schulen und Kitas dicht

Säure-Alarm in Krefeld: Nach Lkw-Unfall warnt die Feuerwehr vor Gesundheitsgefahr und riegelt ein riesiges Gebiet ab.

06.11.2026, 07:28 Uhr

Gefahrgutunfall in Krefeld: Nach Salpetersäure-Leck ist der Großeinsatz beendet

Nach dem Unfall eines Gefahrgut-Lkw in Krefeld hat die Feuerwehr gegen Mittag Entwarnung gegeben. Rund acht Stunden nach dem Unglück hieß es, die akute Gefahr sei vorbei. In der Nacht hatten Sirenen geheult, über die Warn-App Nina wurde vor „extremer Gefahr“ gewarnt – der höchsten Warnstufe. Bis in die Mittagsstunden war das öffentliche Leben in weiten Teilen der Stadt lahmgelegt.

Schulen und Kitas blieben geschlossen, die Bahn stoppte den Zugverkehr auf wichtigen Verbindungen, viele Menschen konnten ihre Wohnungen oder Arbeitsplätze nicht erreichen. Besonders betroffen war der Bereich nahe der Innenstadt rund um die Unfallstelle an der A57.

Lastwagen mit 23 Tonnen Salpetersäure verunglückt

Der Unfall ereignete sich in der Nacht zum Freitag gegen 3.00 Uhr an der Autobahn 57 im Bereich der Auffahrt Krefeld-Zentrum. Der genaue Hergang war zunächst noch unklar. Nach Angaben der Feuerwehr blieb der Lastwagen auf der Seite liegen. Der Fahrer wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Offen blieb zunächst, ob die Verletzungen durch den Aufprall oder durch die ausgetretene Chemikalie verursacht wurden.

Geladen hatte der Transporter 23 Tonnen Salpetersäure. Durch ein Leck trat die stark ätzende Chemikalie aus. Nach Angaben des Krefelder Gefahrenabwehrleiters Andreas Klos liefen etwa zehn Tonnen aus. Die Säure sammelte sich in einer Senke an der Auffahrt, was den Einsatzkräften die Aufnahme erleichterte.

Salpetersäure zählt zu den wichtigsten Grundchemikalien der Industrie und wird unter anderem für Düngemittel und Sprengstoffe gebraucht. Gelangt sie unkontrolliert in die Umwelt, drohen erhebliche Gesundheitsgefahren. Die Substanz kann Haut, Augen und Atemwege schwer verätzen. Zudem können bei solchen Unfällen vergleichsweise leicht gefährliche Gase entstehen.

Bevölkerung sollte in Gebäuden bleiben

Die Feuerwehr forderte Menschen im Absperrbereich in der Nacht eindringlich auf, in Gebäuden zu bleiben sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Niemand sollte den Bereich betreten oder verlassen. Zusätzlich sollten Lüftungs- und Klimaanlagen ausgeschaltet bleiben.

Der abgesperrte Bereich umfasste einen Radius von 1.000 Metern rund um die Unfallstelle. Weil das Gebiet dicht besiedelt ist, hatte der Vorfall weitreichende Folgen: Dort befinden sich Wohnungen, Unternehmen, Schulen und Kitas. Noch in der Nacht entschied die Stadt, alle Bildungseinrichtungen im Umkreis vorsorglich für den gesamten Tag zu schließen.

Betroffen waren die Franz-Stollwerck-Schule, die Sollbrüggenschule, die Gesamtschule Uerdingen und das Berufskolleg Uerdingen. Geschlossen blieben außerdem die Kita St. Gertrudis und die städtische Kita Verberger Straße. Auch Eltern in anderen Teilen der Stadt mussten umplanen, weil Kinder zu Hause bleiben mussten.

Großeinsatz mit Spezialkräften

Der Einsatz gestaltete sich schwierig, weil sich die Feuerwehr dem verunglückten Lastwagen nur in Schutzanzügen und mit Atemmasken nähern konnte. Rund 200 Einsatzkräfte waren vor Ort. Unterstützung kam auch von einer spezialisierten Werkfeuerwehr aus dem nahegelegenen Chempark.

Erschwerend kam hinzu, dass der Wind die entstehenden Gase in Richtung Krefelder Innenstadt trieb. Mit Wasser versuchte die Feuerwehr, eine weitere Ausbreitung der Dämpfe einzudämmen.

Erst nach Stunden gelang es den Kräften, das Leck abzudichten und den beschädigten Lastwagen leerzupumpen. Auch die ausgelaufene Säure auf der Fahrbahn wurde mit einem Spezialfahrzeug aufgesaugt. Danach konnte die Feuerwehr Entwarnung geben.

Geruchsbelästigung in der Innenstadt – akute Gefahr vorbei

Wegen der Gasentwicklung war in Teilen des Stadtgebiets weiterhin ein stark unangenehmer Geruch wahrnehmbar. Die Feuerwehr gab nach ersten Messungen jedoch vorsichtige Entwarnung: Die Gase, die der Wind in Richtung Innenstadt getrieben hatte, rochen zwar deutlich, galten aber nicht als gesundheitsgefährdend.

Im Laufe des Vormittags stuften die Behörden ihre Warnungen schrittweise herunter. Gegen Mittag hieß es schließlich: „Die akute Gefahr ist vorüber.“

Massive Folgen für Straßen, Bahn und Müllabfuhr

Die A57 blieb nach dem Unfall stundenlang gesperrt. Dadurch kam es in Krefeld und auf den Umleitungsstrecken zu langen Staus. Gegen Mittag wurde der Verkehr auf der A57 wieder freigegeben.

Auch der Bahnverkehr war stark beeinträchtigt. Betroffen waren laut Bahn die Linien RE 7, RE 10, RE 42, RB 33, RB 35 und RB 37. Die Strecke von Krefeld in Richtung Duisburg war gesperrt, die Auswirkungen reichten bis nach Düsseldorf und ins Ruhrgebiet. Weil Züge umgeleitet wurden oder ganz ausfielen, normalisierte sich der Verkehr nur schrittweise.

Busse und Stadtbahnen konnten auf mehreren Linien in der Innenstadt nicht regulär verkehren. Auch die Müllabfuhr fiel in ganz Krefeld aus, weil sich das Betriebsgelände im Sperrbereich befand und nicht angefahren werden konnte.

Großeinsatz am Abend beendet

Auch nach der Entwarnung blieben die Folgen des Gefahrgutunfalls noch spürbar. Schulen und Kitas in der Nähe der Unfallstelle öffneten am Freitag nicht mehr. Bei der Bahn dauerte es ebenfalls, bis der Verkehr wieder nach Plan lief.

Nach Angaben der Feuerwehr war der Großeinsatz um 18 Uhr beendet. Der Lastwagen wurde von einem Fachunternehmen wieder aufgerichtet und abtransportiert. Zudem konnte ein Großteil der Straßensperren im Laufe des Tages aufgehoben werden.

Der Gefahrgutunfall legte damit weite Teile des öffentlichen Lebens in Krefeld für Stunden lahm. Zwar ist die akute Gefahr inzwischen beendet, bei Verkehr und Bahn war aber auch danach noch Geduld gefragt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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