Papst Leo XIV. hat im Streit mit US-Präsident Donald Trump ein Signal der Beruhigung gesendet. Während seiner Reise durch Afrika erklärte das Oberhaupt der katholischen Kirche, einige seiner früheren Aussagen seien missverstanden worden. Es sei nie seine Absicht gewesen, dem Präsidenten öffentlich zu widersprechen. Aus Washington gab es darauf zunächst keine direkte Reaktion.
Große Messe in Angola
In Angola, der dritten Etappe seiner Afrika-Reise, feierte Leo eine der bislang größten Messen seiner knapp einjährigen Amtszeit. In Kilamba nahe der Hauptstadt Luanda versammelten sich nach Schätzungen mehr als 100.000 Menschen, die dem Papst begeistert zujubelten. Viele harrten dafür stundenlang aus.
Schlagzeilen um Konflikt mit Trump
Der öffentliche Disput zwischen Donald Trump und dem ersten Papst aus den USA hatte international für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Auf dem Flug nach Angola suchte Leo nun überraschend das Gespräch mit mitreisenden Journalisten. Einige seiner Aussagen seien nicht vollständig korrekt verstanden worden, sagte er. Beobachter werteten dies als Versuch, den Konflikt nicht weiter eskalieren zu lassen.
Zuvor hatten sich Trump und Leo mit scharfen Worten aus der Ferne attackiert. Trump warf dem Papst eine aus seiner Sicht verfehlte Außenpolitik vor und forderte ihn auf, sich zu mäßigen – ein ungewöhnlich direkter Angriff auf ein Kirchenoberhaupt. Zusätzlich veröffentlichte der US-Präsident ein KI-generiertes Bild, das ihn selbst als Heilsfigur darstellte. Auch Vizepräsident JD Vance, der vor einigen Jahren zum katholischen Glauben übergetreten war, äußerte Kritik.
Leo beschwichtigt, bleibt aber bei seinen Aussagen
Der Papst hatte zuvor betont, keine Angst vor der Regierung Trump zu haben. Außerdem sprach er, ohne Namen zu nennen, von einer kleinen Zahl von Tyrannen, die die Welt zugrunde richteten. Diese Bemerkung wurde vielfach als Anspielung auf Trump verstanden.
Dazu erklärte Leo nun, die betreffende Rede sei bereits zwei Wochen zuvor vorbereitet worden, also noch bevor der Präsident ihn und seine Friedensbotschaft attackiert habe. Tatsächlich hielt er die Ansprache allerdings erst zwei Tage nach Trumps Äußerungen. Inhaltlich ruderte der Papst nicht zurück.
Friedensbotschaft als zentrales Anliegen
Leo sagte weiter, vieles von dem, was danach veröffentlicht worden sei, habe vor allem aus Deutungen und weiteren Kommentaren bestanden. So sei der Eindruck entstanden, er habe dem Präsidenten direkt widersprechen wollen. Sein eigentliches Ziel sei jedoch, Frieden und Gerechtigkeit zu verkünden.
JD Vance reagierte darauf auf der Plattform X und erklärte, er sei dankbar für diese Einordnung. Der Papst müsse sich naturgemäß zu moralischen Fragen äußern, während Trump und seine Regierung versuchten, solche moralischen Grundsätze in einer unübersichtlichen Welt praktisch umzusetzen.
Trump hatte Leo zuvor aufgefordert, sich stärker auf seine Rolle als Papst zu konzentrieren und politische Stellungnahmen zu vermeiden. Evangelikale und katholische Christen zählen in den USA zu wichtigen Wählergruppen. Im November stehen die Midterm-Wahlen in Trumps zweiter Amtszeit an.
Afrika-Reise gerät in den Hintergrund
Warum der Papst gerade jetzt mit dieser Klarstellung an die Öffentlichkeit ging, führte er nicht näher aus. In den vergangenen Wochen hatte er mehrfach erkennen lassen, dass er den Krieg der USA gegen den Iran ablehnt. In einem Friedensgebet nach Ostern forderte er ein Ende von Selbstvergötterung, Geldgier, Machtdemonstrationen und Krieg. Im Weißen Haus dürfte das erheblichen Unmut ausgelöst haben.
Der Streit mit Trump überschattete zunehmend das eigentliche Programm der elftägigen Afrika-Reise. Möglich ist, dass Leo auch deshalb nochmals Stellung bezog. In Angola kritisierte er unterdessen die fortdauernde Ausbeutung des afrikanischen Kontinents durch ausländische Staaten und internationale Unternehmen.
Kritik an Ausbeutung Afrikas
Bei einem Treffen mit Präsident João Lourenço verurteilte der Papst die Folgen dieses Systems deutlich. Die Logik der Ausbeutung verursache unermessliches Leid, viele Todesopfer sowie soziale und ökologische Katastrophen, sagte er.
Angola, einst portugiesische Kolonie, verfügt über große Rohstoffvorkommen und ist auch für Deutschland ein bedeutender Wirtschaftspartner, insbesondere als Lieferant von Öl und Gas. Dennoch lebt ein großer Teil der rund 37 Millionen Einwohner in Armut. Hinzu kommen die langanhaltenden Folgen eines fast drei Jahrzehnte dauernden Bürgerkriegs. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind Christen, etwa die Hälfte davon katholisch.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion