Politik

Nato-Chef bestätigt brisante US-Kürzungen beim Militär

USA fahren Nato-Beiträge zurück – doch Mark Rutte beschwichtigt. Was steckt wirklich hinter dem heiklen Schritt?

17.06.2026, 15:05 Uhr

USA reduzieren Nato-Zusagen bei konventionellen Kräften

Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat bestätigt, dass die Vereinigten Staaten künftig weniger militärische Mittel für Abschreckung und Verteidigung unter Nato-Führung bereithalten werden. Hintergrund ist nach seinen Angaben eine Überprüfung der Aufgabenverteilung bei den konventionellen Streitkräften. Dabei habe sich gezeigt, dass die europäischen Nato-Staaten und Kanada bereit und in der Lage seien, mehr Verantwortung zu übernehmen.

Auf dieser Basis hätten die USA ihre Verpflichtungen im Rahmen des sogenannten Nato Force Model angepasst, sagte Rutte. In diesem Planungsinstrument legt das Bündnis fest, welche Staaten welche Truppen und Fähigkeiten bereitstellen und in welchem Zeitraum diese einsatzbereit sein müssen.

Rutte wies zugleich den Eindruck zurück, Washington ziehe sich aus dem Bündnis zurück. Die USA stünden weiterhin klar zur Nato, betonte er. Allerdings erwarteten sie von ihren Partnern eine gerechtere Lastenteilung bei der Sicherheit in Europa. Für die europäischen Mitgliedstaaten und Kanada bedeute das vor allem, ihre Beiträge im konventionellen Bereich zu erhöhen. Die nukleare Abschreckung wollten die Vereinigten Staaten nach Ruttes Worten weiterhin zuverlässig sicherstellen.

Weniger Kampfjets, Drohnen und Schiffsverbände

Über das Ausmaß der Kürzungen hatte bereits zu Monatsbeginn die Zeitung „Welt“ berichtet. Unter Berufung auf ein vertrauliches Dokument hieß es, die USA nähmen unter anderem Langstrecken-Aufklärungsdrohnen sowie acht moderne Tankflugzeuge vom Typ KC-46 vollständig aus der Nato-Planung heraus.

Mark Rutte
Betont die positiven Seiten der aktuellen Entwicklungen: Nato-Generalsekretär Mark Rutte. (Archivbild) Quelle: Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

Dem Bericht zufolge sollen außerdem die zugesagten Beiträge bei Kampfjets, bewaffneten Drohnen des Typs MQ-9 sowie bei Kreuzer- und Zerstörerverbänden deutlich reduziert werden. Auch auf eine Flugzeugträgerkampfgruppe und einen Verband von Langstreckenbombern soll das Bündnis künftig nicht mehr zurückgreifen können.

Rutte: Neue Verteilung ist gerecht

Bei einem Auftritt in Brüssel erklärte Rutte am Mittwoch, die Nato habe sich historisch gesehen zu stark auf die Vereinigten Staaten verlassen. Nun hätten die USA ihre Beiträge angepasst, während andere Bündnispartner ihre Zusagen ausgeweitet hätten. Das sei aus seiner Sicht gerecht und mache das Bündnis insgesamt stärker.

Konkrete Einzelheiten nannte der Nato-Generalsekretär nicht. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur konnten einige entstandene Lücken unmittelbar geschlossen werden, andere jedoch noch nicht. Zuletzt hatten die Mitgliedstaaten am 2. und 3. Juni bei einer Konferenz über die Bereitstellung von Streitkräften beraten.

Mit Blick auf die Bedrohung durch Russland sagte Rutte zudem, es sei bemerkenswert, dass Europa noch immer in so großem Umfang auf Unterstützung eines Landes angewiesen sei, das mehrere Flugstunden entfernt liege und 350 Millionen Einwohner habe, um sich gegen einen Staat mit 140 Millionen Einwohnern zu verteidigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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