Der Kabarettist Uwe Steimle hat die Kritik an seinem Auftritt bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt entschieden zurückgewiesen. Im Internetradiosender Kontrafunk erklärte er, sich nichts vorwerfen zu müssen. Sein Ziel sei es, mit satirischen Mitteln zum Nachdenken anzuregen. Zugleich betonte er, er sehe sich selbst als „alter Linker“ und wehre sich dagegen, als „neuer Rechter“ eingeordnet zu werden.
Auftritt in Dessau-Roßlau sorgt für Kritik
Bei der Veranstaltung der AfD in Dessau-Roßlau hatte Steimle am Dienstagabend als geladener Gast die frühere DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ angestimmt. Zahlreiche Anwesende im Saal sangen mit. Genau dies löste im Anschluss deutliche Kritik aus.
Steimle zeigte sich nach eigenen Worten erstaunt darüber, wie sicher viele den Text beherrschten. Er sagte, im Saal hätten alle mitgesungen, was er als beeindruckend empfunden habe. Mit der DDR-Hymne sei er aufgewachsen; auch die heutige deutsche Nationalhymne singe er mit. Gleichzeitig erklärte er jedoch, in der Bundesrepublik nie wirklich angekommen zu sein.
Kritik an Wiedervereinigung und westdeutschem Einfluss
Der Dresdner Kabarettist äußerte außerdem Unmut darüber, dass aus seiner Sicht viele Verantwortungsträger und Immobilienbesitzer aus Westdeutschland stammten. Deshalb könne man, so Steimle, nicht von einer vollendeten Wiedervereinigung sprechen. Wörtlich sprach er davon, Deutschland sei ein „besetztes Land“.
Scharfe Reaktionen von Opfervertretern
Das gemeinsame Singen der DDR-Hymne stieß bei mehreren Akteuren auf entschiedene Ablehnung. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke wertete den Vorgang als Verharmlosung der DDR. Gegenüber der „Rheinischen Post“ sagte sie, für Menschen, die unter dem System gelitten hätten, sei eine solche Form von Geschichtsvergessenheit unerträglich und keine Satire.
Auch Johannes Beleites, Aufarbeitungsbeauftragter des Landes Sachsen-Anhalt, kritisierte den Auftritt deutlich. Er sprach von einer Missachtung der Opfer der SED-Diktatur sowie von einer Herabwürdigung jener Menschen, die für Freiheit und Demokratie persönliche Risiken und lange Haftstrafen auf sich genommen hätten.
Ermittlungen nach Äußerungen über Merz und Merkel
Bei der Veranstaltung hatte sich Steimle zudem abfällig über Bundeskanzler Friedrich Merz und Altkanzlerin Angela Merkel (beide CDU) geäußert. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat deshalb Ermittlungen aufgenommen. Nach Angaben der Behörde läuft ein Verfahren wegen des Verdachts auf Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten nach Paragraf 126 Strafgesetzbuch.
Anwalt weist Vorwürfe zurück
Steimles Anwalt wies die Anschuldigungen zurück. Es gehöre zur Aufgabe von Kabarettisten, politische Entwicklungen künstlerisch und überspitzt zu verarbeiten. Dies dürfe aus seiner Sicht nicht zum Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen werden. Laut einer Erklärung sei Steimle bereit, in einem Gespräch mit der Staatsanwaltschaft mögliche Missverständnisse und Irritationen im Zusammenhang mit seinen Auftritten auszuräumen.
Bekanntheit durch Fernsehen und frühere Kontroversen
Einem breiten Publikum wurde Steimle vor allem als Kommissar Jens Hinrichs in der Fernsehreihe „Polizeiruf 110“ bekannt. Der MDR beendete 2019 die Zusammenarbeit bei „Steimles Welt“, nachdem der Künstler dem Sender wiederholt öffentlich Vorwürfe gemacht hatte. Auch während der Corona-Pandemie sorgte Steimle mit kritischen Äußerungen zu staatlichen Schutzmaßnahmen mehrfach für Diskussionen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber