Politik

Leihmutter-Baby? So läuft’s – und warum viele empört sind

Babyglück bei Jens Spahn – doch ausgerechnet der Weg zu Sohn Georg sorgt nun für heftige Kritik und hitzige Debatten.

16.07.2026, 13:38 Uhr

Debatte um Elternschaft von Jens Spahn und Daniel Funke: Was zur Leihmutterschaft in Deutschland gilt

Die Mitteilung von Unionsfraktionschef Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke, Eltern geworden zu sein, hat in Deutschland eine breite Diskussion ausgelöst. Auf Instagram überwogen zwar zunächst Glückwünsche zum Familienzuwachs, darunter auch von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Zugleich gab es aber kritische Reaktionen, nachdem die Bild berichtet hatte, das Paar habe eine Leihmutter in den USA in Anspruch genommen. Hintergrund ist, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist.

Wie verbreitet sind Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien?

Nach Daten des Statistischen Bundesamts aus dem Mikrozensus 2024 leben in Deutschland rund 31.000 gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern. Darunter sind etwa 9.000 Männerpaare. Die Zahl der minderjährigen Kinder in Regenbogenfamilien liegt demnach bei etwa 50.000, einschließlich erwachsener Kinder bei rund 62.000.

Der LSVD, der Verband für queere Vielfalt, weist darauf hin, dass Kinder in Familien schwuler Paare häufig aus früheren heterosexuellen Beziehungen eines Partners stammen. Laut Verband haben 54 Prozent der schwulen Väter Pflegekinder. Daneben kommt auch eine Adoption infrage. Nur ein kleiner Teil entscheide sich für genetisch eigene Kinder mithilfe einer Leihmutterschaft.

Welche Regeln gelten in Deutschland?

In Deutschland sind sowohl Leihmutterschaft als auch ihre Vermittlung untersagt. Vereinbarungen dazu sind zivilrechtlich unwirksam, weil sie als sittenwidrig gelten. Rechtlich gilt immer die Frau als Mutter, die das Kind geboren hat.

Nicht strafbar sind jedoch sogenannte Wunscheltern, die ein Kind im Ausland durch eine Leihmutter austragen lassen. Schwierigkeiten entstehen häufig bei der Einreise des Kindes nach Deutschland. Behörden prüfen in solchen Fällen insbesondere Abstammung und Staatsangehörigkeit.

Nach Angaben des Bundesjustizministeriums kann die rechtliche Elternschaft im Einzelfall anerkannt werden. Voraussetzung ist laut Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs unter anderem, dass wenigstens ein Elternteil genetisch mit dem Kind verwandt ist. Spahn hatte gegenüber der Bild erklärt, sein Mann sei Vater geworden und er selbst ebenso.

Welche Haltung vertritt die CDU?

Die CDU hatte auf einem Parteitag im Februar ihre ablehnende Haltung zur Leihmutterschaft erneut festgeschrieben. Aus Sicht der Partei sprechen ethische, rechtliche und praktische Gründe dagegen. Auch sogenannte altruistische Modelle sollen in Deutschland weiterhin verboten bleiben, um Ausbeutung, Missbrauch und gesundheitliche Risiken zu vermeiden.

An dieser Linie will die Partei nach eigenen Angaben nichts ändern. Eine Sprecherin erklärte auf Anfrage, die geltende Rechtslage solle aus Sicht der CDU bestehen bleiben.

Daniel Funke äußerte sich in der Bild zu möglichen Vorbehalten und verwies darauf, dass es beim Thema Leihmutterschaft viel Unsicherheit und manche Vorurteile gebe.

Wie läuft die Suche nach einer Leihmutter ab?

Im Internet werben vor allem Agenturen aus Nordamerika mit der Vermittlung von Leihmüttern. Sie versprechen, geeignete Kandidatinnen anhand von Profilen auszuwählen und die künftigen Eltern bei medizinischen, juristischen und vertraglichen Fragen zu begleiten. Nach Abschluss der Verträge werde in der Regel der Embryotransfer vorbereitet.

Ein Anbieter beziffert die Gesamtkosten auf etwa 140.000 bis 160.000 US-Dollar, also rund 122.000 bis 140.000 Euro. Eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2022 kam sogar auf Gesamtausgaben von bis zu 200.000 Dollar in den USA, wenn auch Rechts- und Medizinkosten eingerechnet werden.

Andere Vermittler bieten Programme in weiteren Ländern deutlich günstiger an. Teilweise beginnen die Preise bei 37.500 Euro. Für die Ukraine wurden etwa 49.000 Euro genannt, gegen Aufpreis auch mit Auswahl des Geschlechts. Nach Angaben solcher Anbieter ist darin auch eine Vergütung für die Leihmutter enthalten. Eine Beratungswebsite schätzt, dass deren Entschädigung typischerweise etwa die Hälfte der Gesamtkosten ausmacht.

In welchen Ländern ist Leihmutterschaft erlaubt?

In den USA ist Leihmutterschaft legal, wobei die Details von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich geregelt sind. Dort sind auch Zahlungen an Leihmütter zulässig, begleitet von ethischen Leitlinien.

Auch andere Länder kommen grundsätzlich infrage. In Kanada ist nur die altruistische Form erlaubt, also ohne Bezahlung über die Erstattung von Auslagen hinaus. Innerhalb der EU gibt es keine einheitliche Regelung; jedes Land hat eigene Gesetze. In Griechenland ist Leihmutterschaft unter bestimmten Bedingungen und mit richterlicher Genehmigung möglich.

Die Ukraine war lange ein wichtiges Zielland, weil dort auch kommerzielle Leihmutterschaft erlaubt war. Der russische Angriffskrieg hat diese Verfahren jedoch erheblich erschwert.

Wie funktioniert Leihmutterschaft medizinisch?

Frauen, die als Leihmütter vermittelt werden, werden vorab medizinisch untersucht. Üblicherweise müssen sie außerdem bestimmte Vorgaben einhalten, etwa auf Alkohol und Zigaretten verzichten.

Die Schwangerschaft entsteht in der Regel durch künstliche Befruchtung. Dabei wird außerhalb des Körpers ein Embryo aus Ei- und Samenzelle erzeugt und anschließend in die Gebärmutter der Leihmutter eingesetzt. Vorher wird ihr Körper hormonell auf die Schwangerschaft vorbereitet. Nicht selten sind mehrere Versuche nötig. Kommt es zu einer Schwangerschaft, werden Leihmutter und Kind anschließend regulär medizinisch betreut und kontrolliert.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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