Politik

Mehr Medaillen? Bundestag beschließt neues Sportgesetz

Bundestag sagt Ja zur großen Sport-Reform – startet jetzt Deutschlands Jagd auf mehr Medaillen und internationale Erfolge?

10.07.2026, 16:56 Uhr

Bundestag billigt Reform der Spitzensportförderung – Schenderlein sieht „Erfolgskapitel“

Die geplante Neuordnung der Spitzensportförderung in Deutschland hat eine weitere wichtige Hürde genommen. Der Bundestag nahm den Entwurf für das Sportfördergesetz mit 561 Ja-Stimmen an. Nach Angaben von Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour votierten in der Schlussabstimmung 43 Abgeordnete dagegen.

Zuvor hatten Union, SPD, AfD und Grüne ihre Zustimmung signalisiert. Die Linke lehnte das Vorhaben ab. Sie kritisierte unter anderem eine unzureichende soziale Absicherung von Trainerinnen und Trainern. Außerdem bemängelte der Abgeordnete Jorrit Bosch aus ihrer Sicht eine Sportförderung, die zu stark von der jeweiligen Haushaltslage abhänge.

Mit dem Gesetz soll die rechtliche Grundlage für die Förderung des deutschen Spitzensports neu geordnet werden. Ziel ist es, Athletinnen und Athleten international wieder konkurrenzfähiger zu machen, Bürokratie abzubauen und langfristig wieder mehr Medaillen bei internationalen Wettbewerben zu gewinnen. Bevor die Neuregelung in Kraft treten kann, muss im Herbst noch der Bundesrat abschließend darüber beraten.

Schenderlein: Neues Kapitel für den Spitzensport

Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) sprach nach dem Bundestagsbeschluss von einem Neuanfang für die Spitzensportförderung. Mit dem Gesetz würden die Voraussetzungen geschaffen, damit die Förderung moderner, leistungsorientierter und effizienter werde. Ziel sei es, die Leistungsfähigkeit des deutschen Spitzensports nachhaltig zu stärken. Schenderlein zeigte sich überzeugt, dass daraus ein „Erfolgskapitel für den deutschen Spitzensport“ werden könne.

Neue Agentur in Leipzig soll Fördergelder vergeben

Kernstück der Reform ist die Einrichtung einer unabhängigen Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig. Das wichtigste Aufsichtsgremium, der Stiftungsrat, soll mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und organisiertem Sport besetzt werden. Geleitet von zwei hauptamtlichen Vorständen soll die Agentur im kommenden Jahr ihre Arbeit aufnehmen und die staatlichen Fördermittel eigenständig verteilen.

Die Reform verfolgt vor allem zwei Ziele: weniger Bürokratie und mehr sportlichen Erfolg. Zu den Aufgaben der Agentur sollen unter anderem die Förderung der Verbände, die Unterstützung einzelner Athletinnen und Athleten, die wissenschaftliche Begleitung sowie die Weiterentwicklung oder gegebenenfalls Neuordnung von Olympia- und Bundesstützpunkten gehören. Auch die Festlegung der Zahl der Bundeskader und sportartenübergreifender Kaderkriterien soll dort angesiedelt werden. Ab 2031 sind dafür jährliche Ausgaben von 8,4 Millionen Euro vorgesehen.

Organisierter Sport erhält mehr Einfluss

Kurz vor der Abstimmung passte die Bundesregierung die geplante Zusammensetzung des Stiftungsrats noch einmal an und kam damit Forderungen des organisierten Sports nach stärkerer Beteiligung entgegen. Künftig soll das Gremium zehn Mitglieder umfassen statt der ursprünglich vorgesehenen neun. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) darf dabei vier statt drei Sitze besetzen. Einer dieser Plätze ist für die Athletenkommission reserviert.

Der DOSB hatte die Änderungen bereits im Vorfeld positiv bewertet. Präsident Thomas Weikert erklärte, das Gesetz biete eine gute Grundlage, auf der künftige Erfolge aufgebaut werden könnten. Ziel sei es, Deutschland wieder an die Weltspitze des Sports heranzuführen und ein System zu schaffen, das dauerhaft Spitzenleistungen ermöglicht.

Auch der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und das Nationale Paralympische Komitee begrüßten das Gesetz. Es sende wichtige Signale für die weitere Entwicklung des deutschen Leistungssports. DBS-Vorstandsvorsitzender Idriss Gonschinska betonte, entscheidend sei nun, den paralympischen Spitzensport als selbstverständlichen Bestandteil der neuen Förderstrukturen zu verankern.

Lob kam zudem von den Grünen aus der Opposition. Die sportpolitische Sprecherin Tina Winklmann bezeichnete das Sportfördergesetz als historischen Schritt und echten Paradigmenwechsel für den deutschen Spitzensport. Die Grünen hätten die Reform bereits in der vergangenen Wahlperiode maßgeblich mit angestoßen und trügen das Gesetz deshalb trotz verbleibender Lücken mit Überzeugung mit.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen