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Zverev im Endspiel – jetzt winkt Wimbledon

Zverev schockt Wimbledon und die britischen Fans – jetzt winkt dem Deutschen plötzlich der nächste Grand-Slam-Coup.

10.07.2026, 16:53 Uhr

Alexander Zverev hat in Wimbledon den nächsten großen Schritt gemacht und darf nun vom ganz großen Coup träumen. Der 29 Jahre alte Hamburger gewann sein Halbfinale in London gegen den britischen Überraschungsmann Arthur Fery souverän mit 7:6 (7:0), 6:2, 6:4 und erreichte damit erstmals das Endspiel des traditionsreichen Rasenturniers.

Großen Jubel zeigte Zverev nach dem Match nicht. Stattdessen klopfte er dem britischen Außenseiter anerkennend auf die Brust und richtete den Blick sofort auf das Finale. „Ein Match ist noch vor mir. Jetzt geht der Fokus auf Sonntag“, sagte der French-Open-Champion. Zugleich zeigte er sich bewegt von seinem Lauf: Wimbledon sei das Grand-Slam-Turnier gewesen, mit dem er sich immer am schwersten getan habe. Umso glücklicher und stolzer sei er nun über den Finaleinzug.

Am Sonntag (17.00 Uhr/Prime Video) hat Zverev die Chance auf seinen zweiten Grand-Slam-Titel innerhalb von nur fünf Wochen. Bereits am 7. Juni hatte er in Paris triumphiert. Mit einem Sieg wäre er der erste deutsche Wimbledon-Champion im Männer-Einzel seit Michael Stich 1991.

Im Finale wartet ein Topstar

Die Aufgabe im Endspiel dürfte allerdings deutlich anspruchsvoller werden. Während Zverev bei seinem ersten Grand-Slam-Erfolg in Paris gegen den Italiener Flavio Cobolli gewann, wartet nun entweder Titelverteidiger Jannik Sinner aus Italien oder Novak Djokovic aus Serbien.

Zverev nahm die offene Frage nach seinem Gegner zunächst mit Humor. Er hoffe, gegen einen Junior spielen zu dürfen, scherzte er. Danach wurde er ernst: „Es wird nicht einfach, egal gegen wen ich spiele. Ich muss an mich glauben, dass ich gewinnen kann.“

Mit einem Triumph am Sonntag würde Zverev in der Profi-Ära seit 1968 erst der dritte deutsche Wimbledon-Sieger im Herren-Einzel werden. Bislang gelang das nur Boris Becker und Michael Stich. Becker hatte bereits vor dem Halbfinale erklärt, Zverev habe nun die Chance seines Lebens, Wimbledon zu gewinnen, und sogar auf einen Titel der deutschen Nummer eins getippt. Der dreimalige Turniersieger war zugleich der bislang letzte deutsche Finalist im Herren-Einzel gewesen, als er 1995 noch einmal das Endspiel erreichte.

Zverev schwärmt trotz Heimkulisse für Fery von der Atmosphäre

Für die rund 15.000 Zuschauer war Zverevs Erfolg eine Enttäuschung, denn die Mehrheit hatte auf die nächste Sensation des britischen Außenseiters gehofft. Der Deutsche wurde damit zum Spielverderber für das Heimpublikum, lobte die Stimmung aber ausdrücklich. „99,999 Prozent wollten, dass Arthur gewinnt. Aber es war eine tolle Atmosphäre, ein faires Publikum, ich habe jede Sekunde genossen“, sagte er.

Nach einem zunächst schwierigen Beginn übernahm der Olympiasieger von Tokio 2021 die Kontrolle immer deutlicher. Vor allem mit seinem starken Aufschlag, druckvollen Schlägen von der Grundlinie und wachsendem Selbstvertrauen machte er die Partie ab dem zweiten Satz zu einer klaren Angelegenheit.

Durch den Finaleinzug setzt Zverev seine starke Grand-Slam-Saison fort. Nach dem Halbfinale bei den Australian Open und dem Titelgewinn in Paris steht er nun auch in Wimbledon im Endspiel. Damit hat er inzwischen bei allen vier Grand-Slam-Turnieren mindestens einmal das Finale erreicht. Die Zweifel daran, ob er überhaupt einmal ein Grand Slam gewinnen kann, hat er bereits ausgeräumt. Am Sonntag kann er nun zeigen, dass der Titel von Paris kein einmaliger Ausreißer war.

Unabhängig vom Ausgang des Finals wird er sich in der Weltrangliste am Montag vom dritten auf den zweiten Platz verbessern und den verletzten Carlos Alcaraz überholen.

Schwieriger Start vor lautstarker Kulisse

Zu Beginn der Partie unterstützten die Fans Fery frenetisch. Nachdem Zverev ein Break zur 3:1-Führung wieder abgegeben hatte, wurde es auf den Rängen immer lauter. Die Schiedsrichterin bat das Publikum sogar darum, „wenn möglich“ nicht während der Ballwechsel laut zu werden.

Zverev tat sich anfangs schwer mit den Tempowechseln und dem variablen Spiel seines Gegners. Der Favorit startete fehleranfälliger als Fery, der als damalige Nummer 114 der Weltrangliste ohnehin schon eine außergewöhnliche Turniergeschichte geschrieben hatte. Der Brite wuchs in der Nähe des All England Club auf, ging in Wimbledon zur Schule und konnte während des Turniers sogar zu Hause übernachten. Als erster Wildcard-Spieler seit 25 Jahren hatte er das Halbfinale erreicht.

Nach dem Tiebreak übernahm Zverev komplett

Der erste Satz musste im Tiebreak entschieden werden – und dort spielte Zverev nahezu makellos. Er gewann diesen ohne Punktverlust und nahm dem Publikum damit spürbar die Hoffnung auf die große Überraschung.

Mit der Satzführung im Rücken bestimmte der Deutsche die Ballwechsel immer klarer, erhöhte den Druck und nahm Fery zunehmend jede Chance, das Match offen zu halten. Das Tempo des Deutschen war für den Außenseiter letztlich zu hoch, Zweifel am Ausgang der Partie gab es nicht mehr.

Mit dem Einzug ins Finale reiht sich Zverev nun in die Liste deutscher Wimbledon-Finalisten ein. In der Profi-Ära gelang das bei den Herren zuvor nur Boris Becker und Michael Stich. In der langen Turniergeschichte stehen zudem noch Gottfried von Cramm, der zwischen 1935 und 1937 dreimal das Finale erreichte, sowie Wilhelm Bungert als deutsche Finalisten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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