Merlier gewinnt in Bordeaux, Kanter nach Rempler nur knapp am Podium vorbei
Tim Merlier hat die siebte Etappe der Tour de France gewonnen und sich damit den prestigeträchtigen Sprint-Erfolg in Bordeaux gesichert. Der Belgier setzte sich nach 175,1 Kilometern von Hagetmau in der Weinmetropole durch und feierte bereits seinen vierten Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt.
Hinter Merlier belegte der Norweger Sören Waerenskjold Rang zwei, Dritter wurde der Eritreer Biniam Girmay. Max Kanter fuhr bei seinem Tour-Debüt als bester Deutscher auf Platz vier und verpasste das Podium wohl auch wegen eines kleinen Remplers. Als er bei hohem Tempo freie Fahrt hatte, geriet Dorian Godon in seine Linie und brachte ihn aus dem Rhythmus.
Auf der langen, aber relativ schmalen Zielgeraden war Kanter mit seinem Sprinterzug zunächst eingeklemmt, arbeitete sich dann aber noch nach vorn. „Wir waren einen Ticken zu weit hinten, hatten eigentlich gar keinen richtigen Platz. Wir waren alle noch zusammen, aber irgendwie ging die Lücke nicht so richtig auf“, sagte der 28-Jährige. Später erklärte er, er sei rund 400 Meter vor dem Ziel losgefahren, obwohl ihm klar gewesen sei, dass das wohl zu früh sein würde.
Auch Phil Bauhaus zeigte sich verbessert und kam auf Rang sechs ins Ziel. „Sechster zu werden ist für mich schon wichtig“, sagte der Profi aus Bocholt. „Nicht nur immer zu sagen, dass man Top Ten fahren will, sondern es dann auch gezeigt zu haben.“
Für Kanter blieb trotz des starken Resultats etwas Frust. Nach seinem zweiten Platz beim ersten Massensprint in Pau war es bereits das zweite gute Sprint-Ergebnis bei dieser Tour. Mit Blick auf die nächste Chance sagte er: „Die Fehler, die wir heute gemacht haben, dürfen nicht wieder passieren.“ Sein Team müsse es schaffen, den eigenen Lead-out sauber zu fahren, damit er freie Fahrt habe.
Pogacar souverän im Gelben Trikot
An der Spitze der Gesamtwertung blieb Tadej Pogacar ohne Mühe im Gelben Trikot. Einen Tag nach seinem starken Solo in den Pyrenäen verteidigte der Slowene seine Führung souverän und liegt weiterhin 2:42 Minuten vor Jonas Vingegaard. Florian Lipowitz ist aus deutscher Sicht als Gesamt-Siebter weiter gut im Rennen, hat aber inzwischen vier Minuten Rückstand. Auf der Etappe hatte der deutsche Hoffnungsträger zudem einen Defekt, konnte jedoch rasch wieder zum Feld aufschließen.
Bei drückender Hitze von bis zu 36 Grad versuchten der Franzose Baptiste Veistroffer und der Tscheche Jakub Otruba früh ihr Glück in der Ausreißergruppe. Das Hauptfeld ließ den Vorsprung auf dem überwiegend flachen Teilstück mit nur einer Bergwertung der vierten Kategorie aber kaum wachsen. Die Sprinterteams kontrollierten die Lage jederzeit, der Abstand pendelte lange um gut eineinhalb Minuten, ehe das Duo rund 18 Kilometer vor dem Ziel eingeholt wurde.
Der Sprint in Bordeaux besitzt unter den schnellen Fahrern besonderen Stellenwert. Als letzter Deutscher gewann dort Erik Zabel 1997. Pascal Ackermann hatte vor dem Finale noch vor der Zielgeraden gewarnt: Sie wirke simpel, sei aber extrem schmal. Genau das machte sich im hektischen Finale bemerkbar, in dem die Positionskämpfe schon lange vor der letzten Geraden begannen.
Auch am Samstag dürfte es wieder etwas für die Sprinter werden. Dann führt die nächste Flachetappe von Périgueux nach Bergerac und scheint erneut wie gemacht für einen Massensprint.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber