Fußball

Klopp-Poker stockt – warum Bayerns Schweigen überrascht

Klopp hängt für den DFB noch in der Luft – doch der Plan steht. Warum ausgerechnet Bayern plötzlich nur zuschaut, überrascht.

16.07.2026, 13:22 Uhr

Von Jürgen Klopp ist derzeit öffentlich kaum etwas zu vernehmen. Erst am Sonntag soll der 59-Jährige beim WM-Finale zwischen Titelverteidiger Argentinien und Europameister Spanien in East Rutherford nahe New York noch einmal als TV-Experte bei MagentaTV auftreten. Dann könnte es womöglich auch Neuigkeiten zu seiner seit längerem erwarteten Zukunft als Bundestrainer geben. Hinter den Kulissen laufen die Gespräche über den möglichen Nachfolger von Julian Nagelsmann derweil weiter.

DFB-Suche zieht sich hin

Die Besetzung des wichtigsten Trainerpostens im deutschen Fußball bleibt kompliziert. Nach einer weiteren Abstimmungsrunde hieß es aus dem Kreis der Verantwortlichen, dass es noch längst keine endgültige Einigung gebe. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch die Zurückhaltung des FC Bayern. Aus München kommen bislang keine Signale. Der Rekordmeister, der beim Neuaufbau Richtung EM 2028 vermutlich erneut einen Großteil der Nationalspieler stellen wird, spielt bei den Verhandlungen um Klopp keine aktive Rolle. In den DFB-Gremien agiert der Club nur als Beobachter, während sich aktuelle und frühere Bayern-Größen bedeckt halten.

Der Verein konzentriert sich kurz vor dem Start der Vorbereitung zunächst auf sich selbst und auf den Umbau des Kaders. So begrüßten Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl am Mittwoch Neuzugang Ismael Saibari in München, nachdem dieser mit Marokko bei der WM in den USA auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Schweigen an der Säbener Straße

Seit dem frühen WM-Aus der deutschen Mannschaft und dem Rückzug von Julian Nagelsmann sind vom FC Bayern keine deutlichen Stellungnahmen zu Klopp zu hören. Weder Uli Hoeneß noch Karl-Heinz Rummenigge äußerten sich bislang mit Zustimmung oder Kritik.

Jürgen Klopp
In der DFB-Warteschleife: Jürgen Klopp. (Archivbild) Quelle: Tom Weller/dpa

Zuletzt hatten sich die Bayern-Verantwortlichen noch kurz vor der WM öffentlich in DFB-Themen eingeschaltet, als über ein Comeback von Manuel Neuer im Nationalteam diskutiert wurde. Hoeneß sprach sich damals klar für den Münchner Kapitän aus.

Dass Klopp als Bundestrainer beim FC Bayern positiv gesehen würde, gilt als wahrscheinlich. In München genießt er seit Jahren hohe Anerkennung. Nicht zuletzt deshalb, weil er den Club als Trainer von Mainz, Dortmund und Liverpool immer wieder vor große Probleme stellte und mehrfach sportlich herausforderte.

Hoeneß und Klopp waren schon einmal nah dran

Bereits 2008 hätte Klopp beinahe beim FC Bayern angeheuert. Damals soll sich Hoeneß, der zu jener Zeit noch Manager war, mit dem damaligen Mainz-Coach über eine Zusammenarbeit verständigt haben. Am Ende entschieden sich die Münchner jedoch für Jürgen Klinsmann. Klopp wechselte stattdessen zu Borussia Dortmund und formte den BVB 2011 und 2012 zum Meister und ernsthaften Bayern-Rivalen.

Auch später blieb Klopp für die Münchner ein unangenehmer Gegner. Mit dem FC Liverpool warf er den Rekordmeister 2019 im Champions-League-Viertelfinale aus dem Wettbewerb. Das Rückspiel in München gewann Liverpool mit 3:1.

Bayern-Spieler als Basis für den Neuaufbau

Sollte Klopp tatsächlich Bundestrainer werden, dürfte der FC Bayern schnell wieder eine zentrale Rolle einnehmen – diesmal vor allem als Lieferant für Nationalspieler. Für den Neuaufbau mit Blick auf die EM 2028 kommen aus dem aktuellen Münchner Kader vor allem Joshua Kimmich, Jonathan Tah, Aleksandar Pavlovic und Jamal Musiala infrage. Manuel Neuer mit 40 Jahren sowie Leon Goretzka, der den Verein verlassen hat, spielen dabei eher keine langfristige Rolle mehr.

Hinzu kommen weitere Kandidaten aus München: Serge Gnabry und Lennart Karl, die beide verletzungsbedingt die WM verpasst haben, Torwart Jonas Urbig, der bereits im Nationalteam eingesetzte Tom Bischof und besonders Nathaniel Brown. Der Außenverteidiger, bei der WM eine der Entdeckungen des Turniers, wechselt für eine Ablöse von bis zu 55 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern.

Sollte Klopp übernehmen, dürfte er zügig den Austausch mit Bayern-Trainer Vincent Kompany und DFB-Kapitän Joshua Kimmich suchen. Bis zur Unterschrift fehlen jedoch noch einige Schritte.

Noch offene Punkte zwischen DFB, Klopp und Red Bull

Bei einer Informationsrunde von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG umrissen DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke am Mittwoch die bisher besprochenen Eckpunkte.

Vor einer Einigung sind noch mehrere Details zu klären. Dazu gehört die genaue Ausgestaltung eines möglichen Vertrags bis zur WM 2030. Ebenso geht es um die Frage, welche Mitarbeiter Klopp mitbringen würde und wie stark er über die Nationalmannschaft hinaus auch in die sportlichen Strukturen des Verbandes eingebunden sein soll. Außerdem spielen seine privaten Werbepartner in den Gesprächen des DFB mit Berater Marc Kosicke eine Rolle.

Darüber hinaus muss auch der Abschied von Red Bull endgültig geregelt werden. Konzernchef Oliver Mintzlaff will sich rund um das WM-Finale in New York mit Klopp austauschen, der dort seit 2024 als Head of Global Soccer unter Vertrag steht. Zwischen DFB und Red Bull wird nach "kreativen Lösungen" gesucht, um eine Freigabe möglich zu machen. Das Ziel des Verbandes bleibt, den Deal bis Ende kommender Woche abzuschließen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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