Politik

Lehrerverband warnt: Top-Abinoten werden zum Problem

Immer mehr 1,0-Abis – doch genau das könnte das Abitur entwerten. Ein Bildungsexperte warnt vor spürbaren Folgen.

07.07.2026, 07:14 Uhr

Die Durchschnittsnoten im Abitur fallen aus Sicht des Ehrenpräsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, inzwischen zu gut aus. In einem Gespräch mit der Mediengruppe Bayern erklärte er, selbst ein Abitur mit der Note 1,0 aus Bayern garantiere heute keinen sicheren Studienplatz in Medizin mehr über die Leistungsquote. Zudem hätten einzelne Gymnasien inzwischen mehr Abschlüsse mit 1,0 als vor zwei Jahrzehnten ganze Bundesländer.

Warnung vor einer Entwertung des Abiturs

Meidinger befürchtet, dass diese Entwicklung das Abitur und andere allgemeine Hochschulzugangsberechtigungen deutlich an Wert verlieren lässt. Angesichts der wachsenden Zahl an Bestnoten werde es immer schwerer, tatsächlich herausragende Schülerinnen und Schüler noch klar zu erkennen.

Mit dieser Kritik steht er nicht zum ersten Mal in der Öffentlichkeit. Bereits 2014 hatte er gegenüber der dpa darauf hingewiesen, dass vor allem besonders starke Jugendliche unter der Inflation von Spitzennoten litten, weil ihre Leistungen in der Masse an Einser-Abschlüssen weniger auffielen.

Forderung nach vergleichbaren Standards

Nach Meidingers Ansicht gibt es zwischen den Bundesländern einen Wettbewerb um bessere Noten. Stoppen ließe sich dieser nur durch ein bundesweit vergleichbares Abitur mit einheitlichen Aufgaben und gemeinsamen Bewertungsmaßstäben. Schon früher hatte er Bildungspolitikern vorgeworfen, Reformen wie die Verkürzung oder spätere Rückkehr zur längeren Gymnasialzeit auch dazu zu nutzen, im Anschluss bessere Noten vorzuweisen und die Änderungen dadurch als erfolgreich erscheinen zu lassen.

Heinz-Peter Meidinger
Bildungsexperte Heinz-Peter Meidinger findet den Notentrend an deutschen Schulen bedenklich. (Archivbild) Quelle: Christophe Gateau/dpa

Gleichzeitig betonte der Gymnasiallehrer, dass sich Schülerinnen und Schüler in einzelnen Bereichen durchaus verbessert hätten. So räumte er ein, dass sein eigenes Schulenglisch mit dem Niveau heutiger Abiturientinnen und Abiturienten nicht mehr mithalten könne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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