Politik

Elterngeld vor Umbruch: Das plant Prien

Beim Elterngeld steht ein Umbau bevor: Was Eltern jetzt wissen müssen – und warum es für viele teurer werden könnte.

07.07.2026, 04:30 Uhr

Neues Elterngeld-Modell: Kürzere Bezugsdauer, mehr feste Monate für beide Eltern

Wer nach der Geburt eines Babys im Job pausiert, muss sich womöglich auf neue Regeln beim Elterngeld einstellen. Familienministerin Karin Prien (CDU) hat dazu ein neues Modell vorgelegt. Es soll Väter stärker in die Betreuung einbinden – und zugleich den Bundeshaushalt um rund 500 Millionen Euro pro Jahr entlasten.

Geplant ist, das klassische Elterngeld künftig nur noch zwölf statt bisher 14 Monate zu zahlen. Bedingung: Beide Elternteile sollen jeweils mindestens drei Monate übernehmen. Gleichzeitig sollen die monatlichen Beträge erstmals seit fast 20 Jahren leicht steigen.

Das Bundesfamilienministerium bestätigte entsprechende Informationen, betonte aber, dass der Gesetzentwurf noch in der Ressortabstimmung ist. Erst wenn sich die Bundesregierung geeinigt hat, kann der Bundestag darüber beraten.

Worum geht es beim Elterngeld?

Das Elterngeld gibt es seit 2007. Es soll Familien finanziell unterstützen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Derzeit beträgt es mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro im Monat. Anspruch haben seit dem 1. April 2025 nur noch Paare und Alleinerziehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 175.000 Euro.

Bislang gilt: Elterngeld wird 14 Monate lang gezahlt, wenn beide Elternteile sich an der Betreuung beteiligen und jeweils mindestens zwei Monate übernehmen. Mit dem Modell Elterngeld Plus kann die Leistung gestreckt werden: Die Monatsbeträge sind dann in der Regel niedriger, dafür läuft die Unterstützung bis zu 24 statt 12 Monate.

Wer nutzt das Elterngeld aktuell?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bezogen im Jahr 2025 rund 1,61 Millionen Menschen Elterngeld. Darunter waren 1,19 Millionen Frauen und 417.000 Männer. Wegen sinkender Geburtenzahlen geht die Zahl der Empfänger seit Jahren zurück. Im Vergleich zu 2021 lag sie zuletzt um 13,9 Prozent niedriger.

Der Anteil der Väter an allen Elterngeldbeziehenden betrug zuletzt 25,9 Prozent.

Auch die staatlichen Ausgaben sinken. Laut Daten des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe fielen sie von gut 7,6 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf knapp 7,1 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Schon im Koalitionsvertrag 2025 hatten Union und SPD Änderungen mit dem Ziel von mehr Väterbeteiligung vereinbart. Der Spardruck erhöht nun den Reformdruck zusätzlich.

Was soll sich konkret ändern?

Der Entwurf aus dem Familienministerium sieht im Kern ein 3-6-3-Modell vor:

  • nur noch 12 statt 14 Monate Basiselterngeld
  • je drei Monate pro Elternteil fest reserviert
  • sechs weitere Monate, die flexibel zwischen den Eltern aufgeteilt werden können
  • Alleinerziehende sollen weiterhin bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten

Neu ist außerdem: Das Elterngeld soll wieder uneingeschränkt gleichzeitig von beiden Eltern bezogen werden können. Das Ministerium verspricht sich davon mehr Flexibilität für Familien.

Auch bei den Beträgen sind Anpassungen geplant:

  • der Mindestbetrag soll von 300 auf 330 Euro steigen
  • der Höchstbetrag soll von 1.800 auf 1.900 Euro steigen

Grundsätzlich soll es dabei bleiben, dass das Elterngeld in der Regel 65 Prozent des Nettoeinkommens ersetzt.

Der Gesetzentwurf enthält außerdem eine Änderung des Mutterschutzgesetzes. Nach Darstellung des Ministeriums soll damit ein präziserer und differenzierterer Schutz geschaffen werden, um die berufliche Teilhabe von schwangeren und stillenden Frauen zu fördern.

Welche Folgen werden erwartet?

Kritik kommt unter anderem vom Deutschen Frauenrat. Dessen Vorsitzende Beate von Miquel warnt, dass der Etat des Familienministeriums im kommenden Jahr um acht Prozent sinken und bis 2029 sogar um bis zu ein Fünftel schrumpfen könnte. Gespart werde ausgerechnet bei einer besonders beliebten familienpolitischen Leistung. Sie befürchtet, dass vor allem Mütter die Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit auffangen müssten.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) äußert Kritik. Ein zusätzlicher verbindlicher Elterngeldmonat für Väter sei zwar positiv, insgesamt seien die Pläne aber aus gleichstellungspolitischer Sicht ein Rückschritt. Der DGB fordert zudem stärkere finanzielle Anreize.

Was wünschen sich Eltern?

Eine 2025 veröffentlichte Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung unter 2.500 Befragten zeigt, dass viele Eltern eine gleichmäßigere Aufteilung bevorzugen. 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer sprachen sich für ein egalitäres Modell aus, bei dem beide Elternteile jeweils sieben Monate Elternzeit übernehmen würden – bezogen auf die bisherige Gesamtdauer von 14 Monaten.

Eine solche Lösung war im Familienministerium zeitweise offenbar im Gespräch, wurde aber nicht weiterverfolgt. In der Umfrage unterstützten 39 Prozent die bislang häufig praktizierte Aufteilung: zwölf Monate für die Mutter, zwei Monate für den Vater.

Die Autoren der Studie sehen in mehr Vätermonaten auch wirtschaftliche Vorteile. Wenn Frauen schneller in den Beruf zurückkehrten, könnte das den Fachkräftemangel lindern. Außerdem nannten Eltern einen weiteren zentralen Wunsch für die Zeit mit kleinen Kindern: weniger Behördenkram und einfachere Anträge. Das sagten 44 Prozent der Befragten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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