Wirtschaft

Krankenkassen warnen: Lange Ausfälle sprengen Kosten

Krankschreibung bald schwerer? Neue BKK-Daten zeigen: Die Koalition zielt womöglich völlig am wahren Milliardenproblem vorbei.

07.07.2026, 06:00 Uhr

Lange Krankheitsausfälle belasten Kassen besonders stark

Nicht kurze Infekte, sondern lang andauernde schwere Erkrankungen treiben die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung nach Einschätzung des BKK Dachverbandes besonders nach oben. Wie eine Auswertung zu Krankschreibungen zeigt, fallen vor allem längere Ausfälle ins Gewicht, die häufig mit psychischen Problemen oder Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zusammenhängen.

Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, erklärte, dass insbesondere diese langwierigen Fehlzeiten zu einem zentralen Kostenfaktor geworden seien.

Krankengeld zählt zu den größten Ausgabenposten

Das Krankengeld, das erst ab dem 43. Tag einer Erkrankung gezahlt wird und damit vor allem Menschen mit längerem Krankheitsverlauf betrifft, gehört laut BKK inzwischen zu den größten Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung. Für diesen Bereich werden demnach 21,6 Milliarden Euro veranschlagt.

Im Jahr 2025 entfiel mehr als jeder vierte Fehltag auf Beschäftigte, die Krankengeld bezogen. Im Zehnjahresvergleich stieg die Zahl dieser Krankengeldtage um 24,4 Prozent.

Psychische Leiden und Rückenprobleme als Hauptursachen

Besonders stark wirken sich psychische Erkrankungen sowie Beschwerden des Bewegungsapparats aus. Zwar machen psychische Diagnosen nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, sie dauern im Durchschnitt jedoch länger als fünf Wochen. Der Trend zeigt dabei weiter nach oben.

Klemm fordert deshalb eine ernsthafte Diskussion über wirksame Präventionsmaßnahmen. Die psychischen Belastungen in der Arbeitswelt seien seit Langem erkennbar. Ohne Gegenmaßnahmen würden die Folgen die Kassen und die Betroffenen noch über Jahre belasten.

Krankenstand insgesamt unverändert

Der allgemeine Krankenstand blieb 2025 mit 6,1 Prozent stabil. Am häufigsten führten Atemwegserkrankungen zu Arbeitsunfähigkeit. Wegen ihrer meist kurzen Dauer spielen sie bei den Gesamtkosten nach Angaben des BKK jedoch nur eine vergleichsweise geringe Rolle.

Regierung plant schärfere Vorgaben

Die schwarz-rote Koalition hatte vor wenigen Tagen angekündigt, strengere Regeln für Krankschreibungen einführen zu wollen. Künftig soll die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits am ersten Krankheitstag vorgelegt werden müssen. Zudem soll die telefonische Krankschreibung wegfallen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) begründete die geplanten Änderungen mit dem Ziel, den Krankenstand zu senken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen