Kurz vor dem Start der Filmfestspiele von Venedig ist das Wettbewerbsprogramm noch einmal erweitert worden: Der Dokumentarfilm „Naza“ von Yuval Abraham und Rachel Szor wurde nachträglich in den Wettbewerb aufgenommen. Damit umfasst die diesjährige Auswahl nun 21 Filme, teilte das Festival mit. Abraham und Szor waren bereits Teil des vierköpfigen Regieteams von „No Other Land“, der 2025 mit dem Oscar ausgezeichnet wurde.
Laut der offiziellen Beschreibung nimmt „Naza“ den Gaza-Krieg in den Blick. Der nachts auf den Dächern von Tel Aviv gedrehte Film untersuche demnach detailliert, was die Regisseure als die „Systeme hinter Israels gezieltem massenhaften Töten palästinensischer Zivilisten in Gaza“ bezeichnen. Weitergehende Angaben zum Inhalt wurden zunächst nicht veröffentlicht.
Im Mittelpunkt dürfte damit das Vorgehen der israelischen Armee im Gaza-Krieg nach dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 stehen. Die israelische Regierung betont seit Beginn des Krieges immer wieder, Angriffe richteten sich gegen Mitglieder terroristischer Gruppen; zugleich versuche man, zivile Opfer zu vermeiden.
Bezug auf Militärbegriff
Nach Angaben der Produzenten leitet sich der Titel „Naza“ von einer hebräischen militärischen Abkürzung für Kollateralschaden ab. Wie das Nachrichtenportal „ynet“ berichtet, bezeichnet der Begriff unbeteiligte Zivilisten, die bei Angriffen verletzt oder getötet werden können, obwohl sie nicht das eigentliche Ziel sind.
Produziert wurde der Film von „The Guardian“ und James Wilson von JW Films. Als Executive Producer wirkte zudem Regisseur Jonathan Glazer mit. Wilson und Glazer hatten bereits bei „The Zone of Interest“ zusammengearbeitet, der 2024 den Oscar als bester internationaler Film erhielt.
„No Other Land“ bereits preisgekrönt
Mit „No Other Land“ gewannen Abraham und Szor bei der Berlinale 2024 den Dokumentarfilmpreis. Der Film beschäftigt sich mit der Vertreibung palästinensischer Gemeinden im Westjordanland. Die Auszeichnung in Berlin sorgte damals wegen Antisemitismusvorwürfen und Aussagen der Preisträger für heftige Debatten. 2025 wurde „No Other Land“ schließlich auch mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm geehrt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber