Hitze und Trockenheit setzen Bayerns Wäldern sichtbar zu
Der ungewöhnlich heiße und trockene Sommer hinterlässt deutliche Spuren in Bayerns Wäldern. Schon jetzt verfärben sich mancherorts Blätter, und trockenes Laub liegt auf Wegen. Dadurch entsteht in einigen Regionen der Eindruck, als beginne der Herbst deutlich früher als sonst. Darauf weisen Christian Kaul vom Bayerischen Waldbesitzerverband und Nathalie Kolb von den Bayerischen Staatsforsten hin.
Die Forstfachleute erklären, welche Folgen der Hitzestress für die Bäume hat und was die Wälder nun dringend brauchen.
Warum verlieren Bäume ihre Blätter schon jetzt?
Nach Einschätzung der Experten kommen dafür vor allem zwei Ursachen infrage:
- Schutzreaktion des Baumes: Der Baum schaltet in eine Art Notprogramm und stößt Blätter früher ab, um Wasser zu sparen. Dabei zieht er vorher wichtige Nährstoffe und Reserven aus den Blättern zurück in die Triebe. Kaul bezeichnet das als eine vernünftige Reaktion des Baumes.
- Schäden durch starke Sonneneinstrahlung: Möglich ist auch, dass Blätter durch anhaltende Hitze und intensive Sonne regelrecht verbrannt wurden, absterben und deshalb abfallen. Dann fehlt dem Baum die Zeit, wichtige Stoffe noch geordnet zurückzuholen.
Von außen lasse sich meist nicht erkennen, welche dieser beiden Ursachen im Einzelfall zum Blattfall geführt hat.
Welche Folgen hat das für die Bäume?
Wenn Blätter vorzeitig verloren gehen, fällt die Photosynthese aus oder wird stark eingeschränkt. Das bedeutet: Der Baum wächst nicht weiter.

- Bei jungen Bäumen stockt vor allem das Höhenwachstum.
- Bei älteren Bäumen macht sich der Schaden eher an den Jahresringen und damit am Stammwachstum bemerkbar.
Sind Blätter durch Hitze bereits abgestorben, sprechen die Fachleute von bleibenden Schäden. Diese schwächen den Baum langfristig und erschweren die Regeneration. Auch in den kommenden Jahren könne das zu geringeren Zuwächsen führen.
Hinzu kommt: Der Stress aus dem Jahr 2026 wirkt nach Einschätzung von Kaul bis in die Vegetationsperiode 2027 hinein. Je nach Region drohen dadurch Folgeschäden, etwa ein verstärkter Befall geschwächter Bäume durch sogenannte Sekundärschädlinge. Die Folgen reichen von erhöhter Anfälligkeit bis hin zu lichten Kronen oder sogar dem vollständigen Absterben einzelner Bäume im Winter.
Sind junge oder alte Bäume stärker betroffen?
Besonders kritisch ist die Lage bei sehr jungen Bäumen, die im Zuge von Wiederaufforstung und Waldumbau gepflanzt wurden. Hier seien bereits große Ausfälle zu beobachten, weitere seien zu erwarten. Teilweise seien Pflanzungen aus dem Frühjahr komplett vertrocknet. Laut Kolb reicht bei jungen Eichen etwa die Pfahlwurzel noch nicht tief genug, um an ausreichend Wasser zu gelangen.
Aber auch ältere und sehr alte Bäume geraten an ihre Grenzen. Sie verfügen irgendwann nur noch über begrenzte Möglichkeiten, Belastungen auszugleichen, und benötigen oft mehrere Jahre, um sich von solchem Stress zu erholen.
Entscheidend ist laut Kaul zudem, unter welchen Bedingungen ein Baum aufgewachsen ist. Junge Bäume, die schon früh Hitze und Trockenheit erlebt haben, entwickeln oft ein besser angepasstes Wurzelsystem als Bäume, die in ihrer Jugend solche Extremphasen nicht kannten.
Hilft der Regen der vergangenen Woche?
Nach Ansicht der Fachleute nur begrenzt. Für eine spürbare Entlastung reiche der Niederschlag nicht aus, vor allem mit Blick auf tiefere Bodenschichten und das Grundwasser.
Leichter oder mäßiger Regen verdunstet oft rasch oder bleibt in den oberen Bodenschichten, wo ihn Gräser, Sträucher und andere Pflanzen aufnehmen. Für Waldbäume ist aber vor allem das Wasser wichtig, das tiefer in den Boden eindringt.
Selbst starke Regenfälle helfen nicht automatisch: Ausgetrocknete Böden können große Wassermengen häufig nicht schnell genug aufnehmen. Dann fließt das Wasser oberflächlich in Gräben, Bäche und Flüsse ab. Der Nutzen für die Bäume bleibt entsprechend gering.
Nötig wäre deshalb über längere Zeit immer wieder Regen – eher über Wochen als über wenige Tage hinweg. Die Böden müssten das Wasser nach und nach aufnehmen können. Aus Sicht der Experten wären daher ein sehr feuchter Herbst und Winter wichtig.
Profitieren Schädlinge wie der Borkenkäfer von der Lage?
Ja. Besonders die Fichte ist gefährdet. Ihre wichtigste Abwehr gegen den Borkenkäfer ist die Bildung von Harz. Unter Trockenstress funktioniert dieser Schutzmechanismus jedoch nur eingeschränkt.
Hitze und Dürre begünstigen damit den Borkenkäfer deutlich. Auch der Eichenprozessionsspinner profitiert nach Angaben der Experten von den warmen und trockenen Bedingungen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber