Israel

Hotel sagt Buchung ab – antisemitischer Grund?

Unfassbarer Hotel-Skandal: Gäste aus Israel wurden antisemitisch abgewiesen – jetzt versucht das Unternehmen, den Schaden zu begrenzen.

03.06.2026, 10:26 Uhr

Antisemitische Absage an Gast aus Israel: Ermittlungen gegen Hotel in Bayern

Mit einer offen antisemitischen Antwort auf eine Buchungsanfrage aus Israel hat ein Hotel im bayerischen Lam im Bayerischen Wald bundesweit und international Entsetzen ausgelöst. Die israelische Generalkonsulin für Süddeutschland, Talya Lador-Fresher, machte den Fall auf X öffentlich und fragte mit Blick auf die NS-Zeit: „Sind wir wieder in den 1930er Jahren?“

Nach ihren Angaben erhielt ein Mann aus Israel über Booking.com auf Englisch die Nachricht: „Sorry, there are no Jews allowed in our hotel“ – auf Deutsch: „Entschuldigung, in unserem Hotel sind keine Juden erlaubt.“ Damit wurde der Vorfall einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Hotel entschuldigt sich und spricht von „dummem Irrtum“

Das betroffene „Hotel zum Hirschen“ bemühte sich anschließend um Schadensbegrenzung. Der Familienbetrieb entschuldigte sich per E-Mail bei dem Gast und lud ihn und seine Familie zu einem kostenlosen einwöchigen Aufenthalt ein. Man wolle persönlich zeigen, dass im Haus niemand diskriminiert werde. In der Nachricht hieß es sogar, vielleicht könne daraus am Ende „eine Freundschaft“ entstehen.

Juniorchef Andreas Vogl erklärte, die Äußerung entspreche in keiner Weise dem Weltbild des Hauses. „Wir sind keine Antisemiten“, sagte er. Es habe sich um „einen dummen Irrtum“ und eine völlig falsche Reaktion gehandelt.

In der Entschuldigung, die auch an die Bayerische Staatskanzlei ging, räumte das Hotel ein, dass eine solche Formulierung in einem professionellen Betrieb nicht vorkommen dürfe. Zur Begründung verwiesen die Betreiber darauf, seit längerer Zeit mit gefälschten Buchungen und Phishing-Versuchen über eine Buchungsplattform zu kämpfen. Dabei sollen Nutzerdaten gestohlen worden sein. Auch die Anfrage aus Israel sei irrtümlich für einen Fake gehalten worden.

Das Hotel erklärte weiter, die Äußerung habe sich nicht gegen Menschen jüdischen Glaubens richten sollen, sondern sei aus Ärger über zahlreiche falsche Buchungen entstanden. Zugleich wurde eingeräumt, dass die Antwort inakzeptabel gewesen sei. Auf die Frage, warum überhaupt ein Bezug zu Juden hergestellt wurde, sagte Vogl, es habe sich um eine Buchung aus Israel gehandelt. Ob der Gast jüdisch sei, habe man nicht gewusst.

Justiz prüft Anfangsverdacht der Volksverhetzung

Der Vorfall könnte strafrechtliche Folgen haben. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft München hat der Zentrale Antisemitismusbeauftragte der Bayerischen Justiz ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Im Raum steht ein Anfangsverdacht der Volksverhetzung.

Zunächst gehe es um die vollständige Aufklärung des Sachverhalts. Weitere Details nannte die Behörde nicht und verwies auf die geltende Unschuldsvermutung.

Auch Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle wertete den Fall als „eindeutig antisemitische Äußerung“ eines Hotels im Landkreis Cham. Der Vorgang sei an die zuständigen Behörden zur Prüfung und Weiterbehandlung weitergeleitet worden. Spaenle betonte, auf solche Vorfälle müsse mit offenen Augen und konsequent reagiert werden.

Scharfe Kritik von Zentralrat und Auschwitz-Komitee

Der Zentralrat der Juden in Deutschland forderte ebenfalls eine strafrechtliche Überprüfung. Zentralratspräsident Josef Schuster erklärte, die menschenverachtende Aussage „keine Juden erlaubt“ lasse sich auch durch eine nachträgliche Einordnung in keiner Weise rechtfertigen. Zwar nehme man die Entschuldigung zur Kenntnis, schockierend bleibe aber, dass jemand einen solchen Gedanken nicht nur formuliere, sondern auch verschriftliche und versende.

Auch das Internationale Auschwitz Komitee reagierte mit deutlicher Kritik. Weltweit hätten Überlebende der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager die Nachricht antisemitischen Hasses „mit Empörung und Trauer“ aufgenommen. Eva Umlauf verwies dabei auf den Titel ihres Buches „Genau so fängt es an“ und erklärte, es sei entsetzlich, wenn sich ihre Eindrücke über Entwicklungen im heutigen Deutschland auf so bizarre Weise bestätigten.

Der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, erinnerte zudem an eine Begegnung mit einer über 90-jährigen Überlebenden in Argentinien. Sie habe ihn gefragt: „Haben sie dort überhaupt irgendetwas gelernt?“

Hotel von Booking.com entfernt – auch touristische Sperre vor Ort

Nach Bekanntwerden des Falls war das Hotel auf Booking.com nicht mehr auffindbar. Das Unternehmen erklärte, man dulde keinerlei Diskriminierung. Wenn diskriminierendes Verhalten eines Unterkunftspartners bekannt werde, prüfe man den Fall umgehend und könne Unterkünfte von der Plattform entfernen – so wie in diesem Fall. Ob das Hotel später wieder auf Booking.com gelistet wird, blieb offen.

Für den Betrieb ist das nach Angaben von Vogl ein „Riesen-Problem“. Zusätzlich haben das Landratsamt Cham und die Marktgemeinde Lam den Betreiber nach eigenen Angaben bis auf Weiteres auf touristischen Webseiten gesperrt und aus dem touristischen Marketing genommen. Antisemitismus habe im Landkreis Cham keinen Platz, teilten die Behörden mit. Ein solcher Einzelfall dürfe nicht das Bild der vielen engagierten und weltoffenen Gastgeber der Region prägen.

Zugleich beklagte Vogl, seit der öffentlichen Debatte werde das Hotel in sozialen Netzwerken massiv angefeindet. Es gebe zahlreiche Beleidigungen und sogar Morddrohungen auf verschiedenen Kanälen.

Gast äußert sich nicht öffentlich

Mit der Einladung zu einem kostenlosen Urlaub hoffen die Betreiber auf eine persönliche Wiedergutmachung. Der betroffene Gast aus Tel Aviv wollte sich dazu laut dpa jedoch nicht öffentlich äußern und bat darum, seine Privatsphäre zu respektieren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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