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Im All-Notfall? Maurer übt Zähneziehen

Für die Mission ins All musste Matthias Maurer erst echte Zähne ziehen – und sagt: Für ihn war’s schlimmer als für die Patienten.

14.07.2026, 07:50 Uhr

Astronautentraining: Im All zählt auch medizinisches Improvisationstalent

Astronautinnen und Astronauten brauchen nicht nur eine hervorragende körperliche Verfassung. Sie müssen im Ernstfall auch medizinische Aufgaben übernehmen können, die alles andere als angenehm sind — etwa Wunden versorgen, nähen oder sogar Zähne ziehen. Über diese besondere Vorbereitung sprach der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer bei einem gemeinsamen Besuch mit Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

Training in der Klinik

Maurer erklärte, dass ESA-Astronauten ein praktisches medizinisches Training absolvieren. Dafür gehe es in eine Klinik, wo verschiedene Notfallsituationen geübt würden. Dazu gehörten unter anderem das Vernähen von Verletzungen oder das Legen eines Katheters bei Harnverhalt. Auch grundlegende zahnmedizinische Eingriffe stünden auf dem Lehrplan.

Nach seinen Worten musste er während der Ausbildung sogar selbst einen Zahn ziehen — allerdings keinen gesunden, sondern einen beschädigten Zahn.

Eingriffe unter Aufsicht

Auf Nachfrage berichtete Maurer, dass er diese Übung bislang bei zwei älteren Menschen durchgeführt habe. Eine der Personen habe nur noch einen einzigen Zahn gehabt. Der Eingriff sei streng überwacht worden, die Betroffenen seien im Vorfeld umfassend informiert gewesen und hätten ausdrücklich zugestimmt, dass ein Nicht-Zahnarzt die Behandlung im Rahmen der Ausbildung übernimmt.

Maurer sagte, ihm sei die Situation nicht leichtgefallen. Er habe mit den Patienten mitgefühlt — vielleicht sogar selbst noch stärker gelitten, weil das Ziehen eines Zahns keine angenehme Angelegenheit sei.

Hoffnung auf eine Mondmission

Der 56-Jährige zeigt sich zudem zuversichtlich, künftig an einer „Artemis“-Mission der US-Raumfahrtbehörde Nasa beteiligt zu sein. Er rechne sich gute Chancen aus, zum Mond zu fliegen, möglicherweise sogar dort zu landen und ihn zu erforschen. Das sei für ihn ein lang gehegter Traum.

Mit einem Augenzwinkern meinte Maurer, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Deutscher zum Mond fliege, sei womöglich sogar höher, als dass die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen fünften Weltmeistertitel gewinne.

Europas Rolle im Artemis-Programm

Nach der international stark beachteten Mondumrundung durch „Artemis 2“ in diesem Frühjahr soll im kommenden Jahr bei „Artemis 3“ das Andocken in der Erdumlaufbahn an Mondlandefähren geprobt werden. Als europäischer Astronaut ist dafür der Italiener Luca Parmitano vorgesehen.

Für das Jahr 2028 sind mit „Artemis 4“ und „Artemis 5“ gleich zwei weitere Mondflüge geplant. Dann sollen erstmals seit rund 50 Jahren wieder Menschen auf dem Mond landen. Aus europäischer Sicht gelten Matthias Maurer und Alexander Gerst als mögliche Kandidaten. Eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus. Laut ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher soll diese später getroffen werden.

Erfahrene deutsche Raumfahrer

Sowohl Maurer als auch Gerst bringen bereits Erfahrung im All mit. Alexander Gerst war 2014 und 2018 auf der Internationalen Raumstation ISS, Matthias Maurer folgte 2021.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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