Bayern

Schock in Dorfprozelten: Magna vor Aus?

Trotz Zusagen und Investitionen: Magna schließt Werk mit über 200 Jobs – warum kommt jetzt doch das überraschende Aus?

14.07.2026, 08:21 Uhr

Der Automobilzulieferer Magna will sein Werk in Dorfprozelten in Unterfranken zur Mitte des kommenden Jahres schließen. Nach Angaben von Magna International (Germany) GmbH in Sailauf sind 216 Beschäftigte von dem Schritt betroffen. Die IG Metall sieht darin einen schweren Schlag für das Vertrauen in die Verbindlichkeit früherer Absprachen.

Schließung wegen schwacher Entwicklung

Als Grund nennt das Unternehmen die anhaltend schwierige Lage von Geschäft und Markt. Ein Sprecher erklärte, dass trotz Investitionen und verschiedener Sparmaßnahmen in den vergangenen Jahren keine tragfähige Perspektive für den Standort mehr geschaffen werden konnte. In Dorfprozelten produziert Magna Außen- und Rückspiegel.

Standort war schon 2023 bedroht

Bereits im Jahr 2023 stand das Werk im Landkreis Miltenberg vor dem Aus. Damals konnte die Schließung zunächst noch abgewendet werden. Magna und IG Metall verständigten sich auf ein Eckpunktepapier, das den Fortbestand des Standorts mit mindestens 250 Beschäftigten bis Ende 2028 sichern sollte. Zu dieser Zeit arbeiteten dort noch rund 450 Menschen.

IG Metall wirft Magna Wortbruch vor

Die Gewerkschaft reagierte mit scharfer Kritik auf die nun bekannt gegebene Entscheidung. Nach ihrer Darstellung wurden entgegen den damaligen Zusagen weder neue Produkte in Dorfprozelten angesiedelt noch Fertigungen von anderen Standorten dorthin verlagert.

Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Aschaffenburg, Percy Scheidler, erklärte, man habe immer wieder auf veränderte Marktbedingungen reagiert, Konzepte überarbeitet und konstruktive Vorschläge eingebracht. Umso größer seien Enttäuschung und Fassungslosigkeit über das Aus. Magna habe zugesagte Arbeit, Aufträge und Anlagen nicht geliefert und erkläre nun den Standort für nicht überlebensfähig.

Kritik auch bei Zukunftstechnologie

Zusätzlichen Unmut gibt es nach Angaben der Gewerkschaft über den Umgang mit der Technologie „LC-Spiegelglas“, die für den Standort als besonders wichtig galt. Das Management habe entschieden, diese Entwicklung nicht weiter voranzutreiben und nicht bis zur Serienreife zu bringen.

Der Gewerkschaftssekretär und Betriebsbetreuer Christoph Curs betonte, dass für Entwicklung und Vermarktung der LC-Technologie erhebliche Fördergelder des Freistaats Bayern geflossen seien. Ein ernsthafter Wille, das Produkt tatsächlich auf den Markt zu bringen, sei jedoch nicht erkennbar gewesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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