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Um 3.33 Uhr: Alcaraz fliegt sensationell raus

Historische US-Open-Nacht: Alcaraz fliegt erst nach 3.33 Uhr raus – und auf den Rängen in New York bebt das Stadion.

09.09.2026, 09:36 Uhr

Carlos Alcaraz ist bei den US Open als Titelverteidiger im Viertelfinale ausgeschieden. In einem packenden Fünfsatz-Krimi verlor der Spanier gegen den US-Amerikaner Ben Shelton mit 7:6 (7:5), 1:6, 3:6, 6:1, 6:7 (7:10). Für Shelton ist es das zweite Halbfinale in New York, dort trifft er nun im US-Duell auf Frances Tiafoe.

Nach 4:28 Stunden verwandelte Shelton um 3.33 Uhr Ortszeit im Arthur Ashe Stadium seinen Matchball und sorgte damit für den spätesten Matchabschluss in der Geschichte des Turniers. Der 23-Jährige ist damit auch ein möglicher Finalgegner von Alexander Zverev, falls der Deutsche sein Viertelfinale gegen den Niederländer Botic van de Zandschulp gewinnt.

Alcaraz verabschiedete sich kurz nach vier Uhr morgens mit einem müden "Buenas Noches" in die New Yorker Nacht – und zeigte sich trotz der bitteren Niederlage gefasst. "Es war knapp, wirklich knapp. Deshalb bin ich nicht enttäuscht, dass ich am Ende nicht gewonnen habe", sagte der siebenmalige Grand-Slam-Sieger. "Ich verlasse den Platz glücklich und gesund, mit einem Lächeln, und genau das habe ich gebraucht."

Shelton wirkte nach seinem Coup ebenfalls ausgepumpt. "Ich bin müde", sagte er in den Katakomben des Stadions. "Es war ein Krieg, ein episches Match, so physisch. Das war das unterhaltsamste Match meiner Karriere."

Später Beginn, großes Spektakel

Die Partie begann erst um 23.05 Uhr und entwickelte sofort die besondere Atmosphäre, die Nachtmatches im Arthur Ashe Stadium auszeichnet. Anders als bei anderen späten Partien waren die Tribünen zu Beginn komplett gefüllt. Nur zwei Herrenspiele hatten bei den US Open jemals noch später begonnen – die knapp 24.000 Zuschauer wurden dafür mit Tennis auf höchstem Niveau belohnt.

In rasanten Grundlinienduellen begeisterten beide Spieler das Publikum immer wieder. Immer wieder brandete ein lautes Raunen durch die größte Tennisarena der Welt. Beim spektakulären Tie-Break des ersten Satzes brachte Shelton die Menge erstmals komplett auf die Beine, als er nach einem außergewöhnlichen Ballwechsel einen Schmetterball verwandelte. Trotz dieses Moments ging der Durchgang noch an Alcaraz, der stark konterte.

Shelton dreht auf

Im weiteren Verlauf zeigte sich jedoch erstmals im Turnier, dass Alcaraz nach seiner mehr als viermonatigen Pause wegen einer Handgelenksverletzung noch nicht konstant sein bestes Niveau erreicht hat. In längeren Rallyes leistete sich der Spanier plötzlich Fehler, während Shelton nahezu fehlerfrei agierte und insgesamt neun Spiele in Serie gewann.

Schon vor dem Match hatte Shelton auf seine Entwicklung seit der Niederlage gegen Alcaraz bei den French Open 2025 verwiesen. Besonders Aufschlag, Return, Grundschläge und Bewegung hätten sich verbessert. Auf dem Platz untermauerte er diese Worte eindrucksvoll. Seine Aufschläge erreichten bis zu 240 km/h und setzten Alcaraz massiv unter Druck. Zwar erspielte sich der Spanier beim Stand von 3:5 im dritten Satz noch eine Breakchance, konnte diese aber nicht nutzen.

Alcaraz kämpft sich zurück

Nach dem verlorenen Satz wirkte Alcaraz erschöpft, stützte sich auf den Schläger und zeigte auf der Bank deutlich seinen Frust. Doch von Aufgabe war keine Spur. Als Shelton im vierten Satz kurz nachließ, nutzte Alcaraz seine Chance, nahm ihm früh den Aufschlag ab und zog davon.

Auf den Rängen entwickelte sich derweil eine Stimmung wie im Fußballstadion. "Olé, olé, olé"-Rufe für Alcaraz wechselten sich mit lautstarken "USA, USA, USA"-Sprechchören der Shelton-Anhänger ab. Auch bei lichter werdenden Tribünen blieb die Atmosphäre elektrisierend.

Shelton jubelte zwischenzeitlich auch zu seiner Freundin Trinity Rodman auf die Tribüne. Während auf dem Platz weiter um jeden Ball gekämpft wurde, hatte in einigen leeren VIP-Logen das Reinigungspersonal bereits begonnen zu wischen, und in den Gängen dösten Sicherheitskräfte – Szenen einer außergewöhnlich langen Tennisnacht.

Entscheidung erst im Match-Tie-Break

Der fünfte Satz begann um 2.27 Uhr morgens. Beide Spieler hielten ihre Aufschlagspiele, sodass die Entscheidung im Match-Tie-Break fallen musste. Dort behielt Shelton die Nerven, dominierte mit seinem Aufschlag und machte den Überraschungssieg kurz nach halb vier mit einem Ass perfekt.

Alcaraz musste sich damit geschlagen geben – obwohl er zuvor selbst mit einem Erfolg um 2.50 Uhr den Rekord für das bislang späteste US-Open-Match gehalten hatte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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