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Schock-Finale: «Babylon Berlin» endet im Dunkel

Das Finale von «Babylon Berlin» zeigt Hitlers Aufstieg – und stellt die brisante Frage: Hätte ihn damals doch jemand stoppen können?

09.09.2026, 09:28 Uhr

Abschied von „Babylon Berlin“: Die Erfolgsserie endet mit der fünften Staffel

Kaum eine deutsche Fernsehproduktion hat in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit erregt wie „Babylon Berlin“. Als die Serie startete, wurde sie sogar international wahrgenommen – bis hin zur „New York Times“. Mit ihrer aufwendigen Machart setzte sie neue Maßstäbe im deutschen Fernsehen. Fast zehn Jahre nach dem Beginn kommt die Geschichte um Kommissar Gereon Rath im Berlin der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre nun zu ihrem Ende.

Die abschließende Staffel ist ab Donnerstag, 10. September, in der ARD-Mediathek verfügbar. Im linearen Fernsehen läuft sie am 19. und 25. September im Ersten. Schon zum Auftakt war die Serie ein Ereignis – und entwickelte sich anschließend zu einem internationalen Erfolg.

Warum wurde „Babylon Berlin“ so bedeutend?

Bei ihrem Start im Jahr 2017 galt die Serie mit Kosten von knapp 40 Millionen Euro für die ersten beiden Staffeln als teuerstes deutsches Serienprojekt überhaupt. Die Vorlage liefern die Romane von Volker Kutscher, die das Berlin der Weimarer Republik mit großer Sorgfalt und viel Atmosphäre wiederaufleben lassen.

Das Publikum honorierte diesen Aufwand: Millionen Menschen sahen die Serie, die in mehr als 140 Länder verkauft wurde. Besonders auffällig war die Mischung aus komplex erzählten Handlungssträngen, opulenter Bildsprache und dem politischen Hintergrund jener Zeit – bis hin zum Aufstieg der Nationalsozialisten.

Bislang wurden vier Staffeln veröffentlicht, in denen Gereon Rath und Charlotte Ritter – gespielt von Volker Bruch und Liv Lisa Fries – eine Vielzahl von Kriminalfällen aufklären. Nun folgt mit Staffel fünf der Schlusspunkt.

«Babylon Berlin»
Die Schauspieler Volker Bruch und Liv Lisa Fries sind die Hauptdarsteller der TV-Serie «Babylon Berlin» (Archivbild) Quelle: Jens Kalaene/dpa

Darum geht es in den neuen Folgen

Die letzte Staffel setzt Anfang 1933 ein, unmittelbar mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Im Mittelpunkt steht die Zuspitzung der politischen Lage: Gegner und Anhänger ringen um Macht, während die Ermittler auf mehrere rätselhafte Todesfälle stoßen.

Schon bald verdichtet sich der Verdacht, dass diese Fälle zusammengehören – und dass zugleich eine medizinische Akte mit enormem politischem Gewicht verborgen werden soll.

In den insgesamt acht neuen Episoden wird gezeigt, wie die Nationalsozialisten das Land schrittweise umformen. Menschen werden verhaftet, verschwinden spurlos, und überall wird deutlich, wie radikal sich die Gesellschaft verändert. Das spiegelt sich auch in den Nebenhandlungen wider: etwa bei Journalisten, die Hitler noch durch ein Bündnis linker Kräfte stoppen wollen, oder in der Geschichte des Polizeifotografen Reinhold Gräf.

Die finale Staffel orientiert sich lose an Kutschers Roman „Märzgefallene“. Erneut wird Berlin als faszinierende, widersprüchliche Metropole gezeichnet, dazu führen einzelne Handlungsstränge auch zum Kölner Karneval und in das Pariser Nachtleben. Historische Tatsachen und erfundene Elemente greifen dabei eng ineinander. So beteiligt sich auch Rath an einem Vorhaben, das Hitler doch noch verhindern soll.

Diese Darsteller sind dabei

Neben den bekannten Hauptfiguren kehren auch mehrere prägende Nebenrollen zurück. Lars Eidinger spielt erneut den Industriellen Alfred Nyssen, Fritzi Haberlandt ist wieder als Zimmerwirtin Elisabeth Behnke zu sehen, die diesmal eigene Pläne verfolgt. Martin Wuttke übernimmt die Rolle des Chefredakteurs, Jens Harzer verkörpert Anno, den verschollenen Bruder von Gereon Rath.

Neu zum Ensemble stoßen Clemens Schick als Adolf Hitler und Devid Striesow als Hermann Göring. Nach Angaben des Teams sollen diese historischen Figuren allerdings nicht ständig im Zentrum stehen. Stattdessen will die Serie die Umbrüche eher aus dem Inneren der Gesellschaft und aus ungewohnten Blickwinkeln schildern. Hitler erscheint daher vor allem in Rückblenden ins Jahr 1918, in einem Lazarett für verwundete Soldaten des Ersten Weltkriegs.

Eine wichtige Veränderung gibt es auch hinter den Kulissen: Anders als zuvor ist der Streamingdienst Sky nicht mehr an Bord. Das Unternehmen hatte beschlossen, keine eigenproduzierten Fiction-Formate mehr zu finanzieren. Dass ARD und ein Bezahlsender ein derart kostspieliges Projekt über lange Zeit gemeinsam trugen, war zuvor ungewöhnlich.

Ein gelungener Abschied?

Vieles spricht dafür, dass der Serie ein starker Abschluss gelingt. Auch nach längerer Pause entfaltet „Babylon Berlin“ erneut seine Sogwirkung. Die Kreativen Tom Tykwer, Achim von Borries und Henk Handloegten knüpfen dabei bewusst an den Beginn der Reihe an – unter anderem mit dem berühmten Titelsong, der diesmal von der französischen Sängerin Zaho de Sagazan interpretiert wird.

Zwar hatte sich die Serie zwischenzeitlich in ihren zahlreichen Erzählsträngen stellenweise etwas verzettelt. In der neuen Staffel wirkt das jedoch konzentrierter, und verschiedene Handlungsfäden laufen wieder stärker zusammen.

Beeindruckend bleiben vor allem das detailreiche Produktionsdesign und die Kostüme, die ein zentrales Kapitel deutscher Geschichte sinnlich erfahrbar machen. Die Serie zeigt eindringlich, wie die Demokratie damals scheiterte – und welche verheerenden Folgen daraus entstanden. Gerade dadurch wirkt ihr Blick in die Vergangenheit heute erstaunlich gegenwärtig.

Wenn zum Finale noch einmal der markante Titelsong erklingt und dazu Bilder des zerstörten Berlins zu sehen sind, wird aus dem historischen Drama mehr als nur großes Fernsehen: Es wird auch zu einer Warnung für die Gegenwart.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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