Iran

Nach Soldatentod: So wollen die USA zurückschlagen

Nach dem Tod zweier US-Soldaten in Jordanien schlagen die USA zurück – was jetzt gegen Iran geplant ist.

19.07.2026, 00:54 Uhr

Nach tagelangen US-Angriffen im Iran und iranischen Vergeltungsschlägen in der Region droht der Konflikt weiter außer Kontrolle zu geraten. Erstmals seit Monaten sind infolge iranischen Beschusses wieder US-Soldaten ums Leben gekommen. Beide Seiten verschärfen nun offen ihre Drohungen, während diplomatische Bemühungen derzeit kaum erkennbar sind.

Achte Nacht in Folge mit US-Angriffen

Das US-Regionalkommando Centcom erklärte, das amerikanische Militär habe in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran bombardiert. Nach US-Angaben richteten sich die Angriffe erneut gegen militärische Infrastruktur, darunter Küstenüberwachungs- und Flugabwehranlagen sowie Lager für Raketen und Drohnen.

Washington verfolgt nach eigener Darstellung weiterhin das Ziel, Irans Fähigkeit einzuschränken, die Schifffahrt in der Straße von Hormus militärisch zu bedrohen. Die Meerenge ist für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von zentraler Bedeutung.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge verlegen die USA zudem weitere Kampfjets aus Deutschland und Großbritannien in den Nahen Osten. Das wird als mögliches Signal für eine Vorbereitung auf eine Ausweitung der Angriffe gewertet.

Iran greift US-Stützpunkte in mehreren Staaten an

Während die USA ihre Luftangriffe fortsetzten, konzentrierten sich Irans Streitkräfte zuletzt auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain und Jordanien. In den mit Washington verbündeten Ländern heulten am Wochenende erneut die Sirenen.

Nach Angaben der israelischen Armee griff der Iran zudem die jordanische Küstenstadt Akaba am Roten Meer an. Die Stadt liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zu Israel entfernt.

Die jüngste Eskalation des Krieges hatte Anfang des Monats im Streit um die Straße von Hormus begonnen. Nach US-Angaben war der Konflikt erneut aufgeflammt, nachdem Irans Revolutionsgarden Schiffe in der Meerenge attackiert hatten. Beide Seiten werfen sich inzwischen gegenseitig Verstöße gegen das Mitte Juni geschlossene Rahmenabkommen vor.

Erstmals seit März wieder tote US-Soldaten

Bereits am Freitag kamen nach Angaben des US-Militärs zwei US-Soldaten in Jordanien ums Leben, als sich amerikanische und verbündete Streitkräfte gegen iranische Raketen- und Drohnenangriffe verteidigten. Ein weiterer Soldat gilt weiterhin als vermisst.

Es ist das erste Mal seit März, dass das US-Militär wieder Tote infolge iranischen Beschusses meldet. Damit steigt die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gegen den Iran getöteten US-Soldaten auf 16. Der Krieg hatte am 28. Februar 2026 mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen.

US-Präsident Donald Trump sprach laut dem Sender NewsNation von einer sehr traurigen Sache. Man sehe das nur ungern, sagte er demnach, und bekräftigte erneut, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe. Für Trump wächst damit auch innenpolitisch der Druck, da der Krieg in den USA als unpopulär gilt.

Chamenei kündigt Rache an

Irans oberster Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei verschärfte den Ton ebenfalls deutlich. In einer Erklärung ließ er mitteilen, der amerikanische Gegner müsse mit noch höheren Kosten und größerer Schande rechnen; das iranische Volk und die sogenannte Widerstandsfront hielten unvergessliche Lektionen bereit.

Chamenei hat sich seit seiner Ernennung nach Angaben aus dem Iran noch nie öffentlich gezeigt.

Mindestens 50 Tote im Iran seit Anfang Juli

Im Iran kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit Anfang Juli mindestens 50 Menschen ums Leben. Mehr als 500 weitere wurden demnach bei den US-Angriffen verletzt. Die Regierung in Teheran veröffentlicht üblicherweise vor allem Zahlen zu zivilen Opfern; offizielle Angaben über Verluste in den eigenen Streitkräften gibt es nicht.

Allerdings meldeten die iranischen Bodenstreitkräfte im Südwesten des Landes vor wenigen Tagen selbst sieben Tote. Das US-Militär greift nach eigenen Angaben vor allem die südlichen Küstenprovinzen des Landes an.

Zugleich wächst in Teheran die Sorge, dass bei weiterer Eskalation auch die Millionenmetropole erneut stärker ins Visier geraten könnte. Zuletzt hatte dort Anfang Juni Israels Luftwaffe angegriffen, nachdem Irans Revolutionsgarde Ziele in Israel attackiert hatte.

Zivile Infrastruktur und Versorgung betroffen

Unter dem Krieg leiden zunehmend auch Zivilisten im Iran und in den Golfstaaten. Nach der Bombardierung einer Meerwasserentsalzungsanlage im Südosten Irans war die Trinkwasserversorgung für rund 10.000 Menschen unterbrochen. Bei Temperaturen von deutlich über 40 Grad trifft das die Bevölkerung besonders hart.

Auch in Kuwait wurde staatlichen Angaben zufolge eine Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung beschädigt. Damit rücken neben militärischen Zielen immer stärker auch kritische Versorgungsstrukturen in den Fokus des Konflikts.

Rahmenabkommen und Waffenruhe gelten als hinfällig

Beide Kriegsparteien betrachten inzwischen sowohl die Anfang April vereinbarte Waffenruhe als auch das Mitte Juni geschlossene Rahmenabkommen als faktisch gescheitert. US-Präsident Trump hatte dies bereits beim Nato-Gipfel in Ankara deutlich gemacht, zugleich aber die Tür für weitere Verhandlungen offengelassen.

Irans Vizeaußenminister erklärte nun ebenfalls, der Interimsdeal habe keinen Bestand mehr und sein Land fühle sich daran nicht länger gebunden. Trump reagierte darauf laut NewsNation mit den Worten, das sei ihm völlig egal.

Emirate und Pakistan mahnen zur Deeskalation

Die Vereinigten Arabischen Emirate forderten ein sofortiges Ende der Kämpfe und eine schnelle Rückkehr an den Verhandlungstisch. Auf X mahnte das Außenministerium einen sofortigen Stopp der Eskalation sowie äußerste Zurückhaltung an, um ein weiteres Abgleiten der Region in Gewalt und Instabilität zu verhindern.

Auch Pakistan, das bislang als Vermittler zwischen den USA und dem Iran aufgetreten war, drängte auf Deeskalation. Außenminister Ishaq Dar betonte in einem Telefonat mit seinem kuwaitischen Kollegen die dringende Notwendigkeit einer Entschärfung der Lage. Sein Ministerium erklärte zudem, man hoffe, dass alle Seiten Zurückhaltung übten und zum Rahmenabkommen zurückkehrten.

Sorge vor weiterer Ausweitung

Die Lage gilt damit als zunehmend unübersichtlich und gefährlich. Weil belastbare diplomatische Bemühungen derzeit kaum sichtbar sind und beide Seiten vor allem mit militärischen Signalen reagieren, wächst die Gefahr einer neuen Eskalationsspirale.

Beobachter warnen, dass der Konflikt noch stärker auf die Golfstaaten und angrenzende Regionen übergreifen könnte. Ohne eine grundlegende politische Wende droht der Krieg in eine Phase einzutreten, die für alle Beteiligten immer schwerer zu kontrollieren wäre.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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