Nach dem Tod von zwei US-Soldaten infolge iranischen Beschusses und nach erneuten nächtlichen US-Luftangriffen auf iranisches Gebiet verschärft sich der Konflikt weiter. Beide Seiten kündigen offen Vergeltung an, wodurch das Risiko einer neuen Eskalationsspirale wächst.
Das US-Regionalkommando Centcom erklärte auf X, das amerikanische Militär habe in der achten Nacht in Folge Ziele im Iran attackiert. Nach US-Darstellung sollten damit unter anderem die iranischen Revolutionsgarden, denen Washington die Angriffe auf US-Soldaten in Jordanien in der Nacht zuvor zuschreibt, schnell bestraft werden.
Neue US-Angriffe auf Militäranlagen
Nach Abschluss der jüngsten Angriffswelle sprach Centcom von erfolgreichen Schlägen gegen militärische Küstenüberwachungs- und Flugabwehranlagen sowie gegen Lager für Raketen und Drohnen. Nach Angaben des US-Militärs sollen die Einsätze außerdem Irans Fähigkeit weiter einschränken, die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen. Die Meerenge ist für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von zentraler Bedeutung.
Bisher 16 tote US-Soldaten
Bereits am Samstag hatte das US-Militär erstmals seit den Anfangstagen des Iran-Kriegs wieder getötete eigene Soldaten infolge iranischen Beschusses gemeldet. Nach Centcom-Angaben kamen die beiden Soldaten am Freitag in Jordanien ums Leben, als US-Truppen und Verbündete iranische Raketen- und Drohnenangriffe abwehrten. Ein weiterer Soldat gilt weiterhin als vermisst.
Damit steigt die offiziell bekannte Zahl der im Krieg gegen den Iran getöteten US-Soldaten auf 16. Der Krieg hatte am 28. Februar 2026 mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen.
Nach einem Bericht des Wall Street Journal hat sich der Iran inzwischen auf amerikanische Abwehrsysteme eingestellt. Demnach setzt Teheran Raketen ein, die mit sehr hoher Geschwindigkeit fliegen und in ihrer Endphase noch manövrieren können. In den USA wächst deshalb die Sorge, Iran könnte bei der Zielerfassung Unterstützung aus China oder Russland erhalten.
Chamenei und Trump verschärfen den Ton
Irans oberster Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei kündigte in einer scharf formulierten Erklärung Vergeltung an. Chamenei, der sich nach Angaben aus dem Iran bislang noch nie öffentlich gezeigt hat, ließ mitteilen, der amerikanische Gegner müsse mit noch höheren Kosten und einer demütigenden Antwort rechnen; das iranische Volk und die sogenannte Widerstandsfront hielten „unvergessliche Lektionen“ bereit.
Auch in Washington wächst der Druck. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Todesfälle laut dem Sender NewsNation als „sehr traurige Sache“ und sagte demnach: „Wir sehen das ungern.“ Zugleich bekräftigte er erneut, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen dürfe. Trump steht innenpolitisch zusätzlich unter Druck, weil der Krieg in den USA als unpopulär gilt.
Tote und Verletzte im Iran
Im Iran kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums seit der jüngsten Eskalation mit den USA mindestens 50 Menschen ums Leben. Mehr als 500 weitere wurden demnach bei den jüngsten US-Angriffen verletzt. Die Regierung in Teheran veröffentlicht üblicherweise vor allem Zahlen zu zivilen Opfern; offizielle Angaben über Verluste in den eigenen Streitkräften gibt es nicht.
Berichte über Einschläge nahe Gheschm
Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim berichtete am frühen Morgen Ortszeit, dass mindestens sechs Raketen in Gebieten am Rand der Insel Gheschm im Persischen Golf eingeschlagen seien. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
Rahmenabkommen ausgesetzt
Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi sagte laut der Nachrichtenagentur Fars, Teheran habe das Mitte Juni mit den USA vereinbarte Rahmenabkommen ausgesetzt und fühle sich daran nicht mehr gebunden. Trump reagierte darauf laut NewsNation mit den Worten, das sei ihm „völlig egal“.
Das Abkommen sah vor, innerhalb von 60 Tagen einen endgültigen Deal zur Beendigung des Krieges auszuhandeln. Außerdem sollte die Straße von Hormus offen bleiben. Seit Anfang April hatte zudem eine Waffenruhe gegolten, die Trump zuletzt jedoch selbst für beendet erklärte. Seit Anfang Juli hat sich der Konflikt wieder deutlich verschärft.
Emirate mahnen zur Zurückhaltung
Die Vereinigten Arabischen Emirate forderten ein sofortiges Ende der Kämpfe und eine schnelle Rückkehr an den Verhandlungstisch. Auf X mahnte das Außenministerium einen „sofortigen Stopp der Eskalation“ sowie äußerste Zurückhaltung an, um ein weiteres Abgleiten der Region in Gewalt und Instabilität zu verhindern.
Experte warnt vor Ausweitung des Konflikts
Der israelische Iran-Experte Danny Citrinowicz warnte, die Lage gerate zunehmend außer Kontrolle. Wegen des praktisch nicht vorhandenen Vertrauens zwischen Washington und Teheran, zunehmend erschöpfter Vermittler und eines Dialogs, der vor allem über Militärschläge geführt werde, sei das Risiko einer weiteren Eskalation inzwischen größer als die Aussicht auf Deeskalation.
Zugleich verwies er auf eine zusätzliche Verschärfung innerhalb Irans: Die Kombination aus Trumps Vorgehen und der Machtdemonstration Teherans während der Beerdigung des getöteten Staatsoberhauptes Ali Chamenei habe offenbar Schlüsselpersonen der Revolutionsgarden in ihrer Überzeugung bestärkt, innenpolitisch genügend Rückhalt zu besitzen und ihre Reaktion auf die US-Angriffe weiter verschärfen zu müssen.
Unter diesen Umständen werde es äußerst schwierig, die Eskalationsspirale unter Kontrolle zu halten. Citrinowicz warnte vor einer Ausweitung des Konflikts, in den auch die mit Washington verbündeten Golfstaaten noch direkter hineingezogen werden könnten. Ohne eine grundlegende Veränderung steuere der Konflikt auf eine noch gefährlichere Phase zu, die für beide Seiten immer schwerer einzudämmen sein könnte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber