Iran

Schon wieder Explosionen im Iran?

Siebte Angriffsnacht: Im Iran erschüttern neue Explosionen das Land – was steckt hinter der nächsten Eskalation?

18.07.2026, 01:49 Uhr

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran rund um die Straße von Hormus droht weiter außer Kontrolle zu geraten. In der siebten Angriffsnacht in Folge bombardierten die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben iranische Überwachungsanlagen, unterirdische Waffenlager und weitere militärische Infrastruktur. Iranische Medien berichteten dagegen erneut von Angriffen auf zivile Einrichtungen.

Nach iranischen Regierungsangaben sind seit der jüngsten Eskalation am Persischen Golf mindestens 50 Menschen getötet worden. Mehr als 500 weitere seien bei den US-Angriffen verletzt worden, schrieb Gesundheitsministeriumssprecher Hossein Kermanpur auf X. Demnach konnten 460 Verletzte inzwischen aus den Krankenhäusern entlassen werden, 37 Menschen werden weiter stationär behandelt. Die Regierung veröffentlicht üblicherweise nur Zahlen zu zivilen Opfern; offizielle Angaben zu möglichen Verlusten bei den Streitkräften gibt es bislang nicht.

Teheran reagierte nach Angaben aus der Region erneut mit Vergeltungsschlägen. Kuwait und Bahrain gerieten demnach wieder unter Beschuss. Auch aus Saudi-Arabien und Jordanien wurden Explosionen gemeldet, wo sich ebenfalls US-Militärstützpunkte befinden.

Kuwait verurteilt Beschuss scharf

Der mit den USA verbündete Golfstaat Kuwait verurteilte die Angriffe aus dem Iran nun mit ungewöhnlich scharfen Worten. Das Außenministerium erklärte, die wiederholten Attacken auf lebenswichtige Einrichtungen zeigten ein systematisches und aggressives Vorgehen, das auf zivile Infrastruktur ziele und Leben sowie Sicherheit der Bevölkerung gefährde.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Kuna trafen iranische Angriffe einen "bedeutenden" Standort des kuwaitischen Ölsektors. Unter Berufung auf den Staatskonzern Kuwait Petroleum Corporation hieß es, es habe erheblichen Sachschaden gegeben, außerdem seien mehrere Menschen verletzt worden. Der betroffene Standort sei evakuiert worden. Weitere Einzelheiten nannten die Behörden zunächst nicht.

Ein Sprecher des kuwaitischen Verteidigungsministeriums erklärte auf X, der Iran habe nicht nur Militär- und Sicherheitseinrichtungen, sondern auch zivile Ziele ins Visier genommen. Betroffen seien demnach Anlagen der Öl-, Strom- und Wasserversorgung. Das kuwaitische Militär habe am Samstag mehrere "feindliche" ballistische Raketen und Drohnen im eigenen Luftraum abgefangen.

Angriff auf Strom- und Entsalzungsanlage

Zuvor hatte Kuwaits Elektrizitätsministerium gemeldet, eine Anlage zur Stromerzeugung und Meerwasserentsalzung sei getroffen worden und teilweise in Brand geraten. Die Feuerwehr berichtete zudem von zwei Bränden an verschiedenen Orten nach iranischen Angriffen. Mehrere Feuerwehrleute sowie ein ziviler Mitarbeiter seien dabei verletzt worden.

In Bahrain heulten am Samstag nach Angaben aus dem Land wiederholt die Alarmsirenen. Die iranischen Revolutionsgarden reklamierten Angriffe auf US-Einrichtungen in Kuwait, Bahrain und Jordanien als Vergeltung für die amerikanischen Luftschläge.

Explosionen in Sirik und Bandar Abbas

Das US-Militär nannte zunächst keine konkreten Angriffsorte im Iran. Der iranische Staatssender Irib meldete jedoch Detonationen in der Umgebung von Sirik nahe der Straße von Hormus sowie in der Küstenstadt Bandar Abbas. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars kam es in der südlichen Provinz Hormusgan erneut zu Angriffen auf Brücken.

Press TV berichtete unter Berufung auf iranische Stellen von zivilen Opfern. Demnach seien mindestens drei Menschen getötet und acht weitere verletzt worden. Schon in der Nacht zuvor habe das US-Militär dort Brücken und andere zivile Infrastruktur attackiert, hieß es aus iranischen Quellen.

Nach Regierungsangaben konzentrierten sich die US-Angriffe bisher vor allem auf die südlichen Küstenprovinzen des Landes. Allein in der ölreichen südwestlichen Provinz Chusestan registrierten die Behörden in den vergangenen zehn Tagen Angriffe auf 95 Orte, wie die Nachrichtenagentur Tasnim meldete.

Bevor das US-Militär die jüngste Angriffswelle am frühen Morgen deutscher Zeit für beendet erklärte, meldete Press TV unter Berufung auf die Revolutionsgarden den Abschuss einer US-Drohne im Raum Buschehr. Zudem hieß es, zwei Öltanker stünden im südlichen Teil der Straße von Hormus in Brand. Eine unabhängige Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Das zuständige US-Regionalkommando Centcom widersprach später auf X und erklärte, die Behauptung über explodierte Tanker sei falsch.

Teheran warnt seine Feinde

Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai schrieb auf X, die Bevölkerung des Landes sei nun noch entschlossener, seine Feinde die "verbrecherische Aggression bitter bereuen zu lassen".

Zugleich verschärfte Teheran seinen Ton. Mohsen Rezaei, Berater des obersten Führers des Iran, warnte laut Al Jazeera unter Berufung auf ein Interview mit Irib, sein Land werde in eine "Phase umfassender Offensiv- und Zerstörungsoperationen" eintreten, falls die US-Angriffe noch zwei oder drei Tage andauerten. Dann werde sich der Iran nicht länger nur auf Vergeltungsschläge beschränken.

Washington weitet Einsätze offenbar aus

Nach Informationen des Wall Street Journal greift das US-Militär inzwischen eine größere Bandbreite an Zielen in der Islamischen Republik an und verlegt Kampfflugzeuge aus Europa in den Nahen Osten. Das Portal Axios berichtete unter Berufung auf drei US- und israelische Regierungsvertreter, Washington habe Israel darüber informiert, im Vorfeld einer möglichen Ausweitung der Einsätze Dutzende weitere Tankflugzeuge in die Region zu entsenden.

Dem Wall Street Journal zufolge sollen Angriffe auf Brücken und andere Ziele im Landesinneren den Druck auf den Iran landesweit erhöhen und ein Ende iranischer Attacken auf Schiffe in der Straße von Hormus erzwingen. Der Iran antworte darauf mit breiter angelegten Gegenangriffen.

Experte warnt vor totalem Krieg

Der Iran-Experte Saeid Golkar von der University of Tennessee warnte der Zeitung zufolge vor einer unkontrollierbaren Dynamik. Die Eskalation verschärfe sich schnell und gerate zunehmend außer Kontrolle. Es bestehe die Gefahr, "dass wir in einen totalen Krieg zurückfallen, auch wenn keine der beiden Seiten dies will".

Kaum noch Schiffsverkehr durch die Meerenge

Die strategisch wichtige Straße von Hormus ist für den weltweiten Handel mit Öl, Gas und Düngemitteln von zentraler Bedeutung. Eigentlich sollte die Passage im Zuge eines vor einem Monat geschlossenen Rahmenabkommens wieder für die internationale Schifffahrt geöffnet werden.

Teheran vertritt jedoch die Auffassung, dass ihm die Vereinbarung das Recht gibt, den Verkehr durch die Meerenge zu kontrollieren. Der Iran verlangt demnach, dass Schiffe eine nördliche Route entlang der iranischen Küste nutzen. Mit erneuten Angriffen auf Schiffe will Teheran nach eigener Linie verhindern, dass die USA den Verkehr entlang der Küste Omans durch die Passage geleiten.

Nach den wieder aufgenommenen gegenseitigen Angriffen ist der Schiffsverkehr dort fast erneut zum Erliegen gekommen. Daten des Analyseanbieters Kpler vom Freitag zufolge passierten am Donnerstag nur noch acht Schiffe die Straße von Hormus. Das sei der niedrigste Wert seit drei Wochen.

Huthi-Drohungen und Sorge vor regionaler Ausweitung

Zugleich wächst die Furcht vor einer weiteren Ausdehnung des Konflikts. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen warnte Saudi-Arabien vor einer "Belagerung". Man sei bereit, das Prinzip "Belagerung gegen Belagerung, Flughafen gegen Flughafen und Hafen gegen Hafen" anzuwenden, zitierte die jemenitische Nachrichtenagentur Saba den Huthi-Verteidigungsminister Mohammed al-Atafi.

Er bezog sich damit offenbar auf einen Luftangriff zu Wochenbeginn auf den Flughafen der Hauptstadt Sanaa, für den die Miliz Saudi-Arabien verantwortlich macht. Beobachter befürchten, dass die Huthis bei einer weiteren Eskalation erneut den Schiffsverkehr am Eingang zum Roten Meer bedrohen und damit auch die Route durch den Suezkanal schwer beeinträchtigen könnten.

Pakistan warnt vor überregionaler Eskalation

Auch aus Pakistan kommen Warnungen vor einer noch breiteren Ausweitung des Krieges. Sollte es zu neuen Kämpfen zwischen Saudi-Arabien und den Huthi kommen und sich der Konflikt damit auf das Königreich ausdehnen, könnte dies nach Angaben aus Diplomatenkreisen die Vermittlungsbemühungen Islamabads zwischen Washington und Teheran erheblich erschweren.

Pakistan unterhält seit vergangenem Jahr ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien. Ein pakistanischer Diplomat sagte der dpa, Islamabad könnte im Ernstfall sogar "gezwungen sein, in den Konflikt einzusteigen".

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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