Iran

Berichte: US-Angriff trifft Irans Brücken

Nach Trumps Brücken-Drohung folgt offenbar der Ernstfall: Iran meldet erste Angriffe auf wichtige Verbindungen im Süden.

17.07.2026, 00:35 Uhr

Bei neuen massiven Angriffen auf den Iran haben die USA nach Medienberichten erneut eine Reihe von Zielen bombardiert und dabei auch Infrastruktur beschädigt. Bis zum frühen Freitagmorgen (MESZ) wurden nach iranischen Angaben Brücken, ein Flughafen und Infrastruktur der Seefahrt getroffen.

Irans UN-Botschafter wertete die Angriffe auf zivile Infrastruktur als Kriegsverbrechen. Auch UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich über einen Sprecher besorgt über Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran und in der gesamten Region. Solche Attacken seien inakzeptabel. Das US-Militär wies die Vorwürfe zurück und erklärte, mit Präzisionsmunition Dutzende militärische Ziele angegriffen zu haben, darunter Flugabwehrsysteme und Radaranlagen zur Küstenüberwachung.

In einer späteren Mitteilung des zuständigen US-Regionalkommandos auf X hieß es zudem, amerikanische Streitkräfte hätten am Donnerstag einen Turm zerstört, der Teil eines maritimen Überwachungsnetzwerks an der iranischen Küste am Golf von Oman gewesen sei. Nach US-Angaben hätten die Iranischen Revolutionsgarden diese Anlage jahrzehntelang genutzt, um Handelsschiffe bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu verfolgen und ins Visier zu nehmen.

Nach Informationen des Wall Street Journal sollten Angriffe auf Brücken vor allem Nachschubwege zu einem iranischen Marinestützpunkt an der Straße von Hormus unterbrechen. Der Iran reagierte nach eigenen Angaben erneut mit Vergeltungsschlägen gegen Ziele in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait, Bahrain und Katar. Zudem sprach Teheran von Angriffen auf Ziele in Syrien, im Irak und in Jordanien.

Iran meldet weitere Tote

Nach iranischen Angaben sind im Juli bisher 38 Menschen infolge der US-Angriffe getötet worden. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums dürften sich allerdings nur auf zivile Opfer beziehen und die Toten der jüngsten nächtlichen Angriffswelle noch nicht enthalten. Iranische Medien berichteten zunächst von insgesamt acht weiteren Todesopfern.

Berichte über Treffer auf Verkehrs- und Hafeninfrastruktur

Bereits zuvor hatten iranische Medien gemeldet, dass im Raum der Hafenstadt Bandar Chamir in der Provinz Hormusgan mehrere wichtige Brücken getroffen wurden. Infolge der Angriffe wurden wichtige Straßenverbindungen in der Region gesperrt.

Die betroffene Verkehrsachse gilt als strategisch bedeutsam, weil sie Verbindungen in Richtung Bandar Abbas sichert. Bandar Abbas beherbergt laut Wall Street Journal einen Marinestützpunkt der iranischen Revolutionsgarden und ist für Teherans Einfluss auf die Straße von Hormus von großer Bedeutung.

Außerdem wurde nach iranischen Angaben ein Flughafen im Südosten des Landes getroffen. Demnach brach dort mindestens ein Feuer aus, das später gelöscht wurde.

Washington: Teheran weiter an Abkommen interessiert

Nach Darstellung von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt ist der Iran weiterhin an einem Abkommen mit den USA interessiert. Teheran stehe nach wie vor in engem Austausch mit Washington, sagte sie am Donnerstag in der US-Hauptstadt.

Dass das US-Militär ungeachtet dieser Kontakte seit Tagen Ziele im Iran angreift, begründete Leavitt mit dem Verhalten der iranischen Führung. US-Präsident Donald Trump werde nicht tatenlos zusehen, wenn der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreife, sagte sie.

Pakistan sieht Gefahr einer überregionalen Eskalation

Mit wachsender Sorge wird die Entwicklung inzwischen auch in Pakistan verfolgt, das in den vergangenen Monaten als wichtiger Vermittler galt. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen sind führende Politiker dort zunehmend frustriert über den bisherigen Verlauf. Aktive Vermittlungsbemühungen Pakistans ruhen demnach derzeit.

Das pakistanische Außenministerium rief die Konfliktparteien erneut zu Zurückhaltung auf. Besonders problematisch wäre aus Sicht pakistanischer Diplomaten eine weitere Ausweitung des Konflikts auf Saudi-Arabien.

Pakistan unterhält seit dem vergangenen Jahr ein Militärbündnis mit Saudi-Arabien, das im Angriffsfall Unterstützung vorsieht. Zudem sind pakistanische Soldaten im Königreich stationiert. Ein pakistanischer Diplomat sagte, eine Vermittlung werde deutlich schwieriger, falls sich der Konflikt auf Saudi-Arabien ausweite. Dann könne Pakistan gezwungen sein, stärker in den Konflikt hineingezogen zu werden.

Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, könnte auch die Huthi-Miliz wieder verstärkt am Eingang zum Roten Meer angreifen und damit den Schiffsverkehr durch den Suezkanal massiv stören. Das hätte erhebliche Folgen für den Welthandel. Auch Saudi-Arabien wäre betroffen, weil das Königreich Blockaden in der Straße von Hormus zuletzt über Pipelines und Häfen am Roten Meer umgangen hatte.

Neue Spannungen zwischen Huthi und Saudi-Arabien

Zusätzliche Brisanz kommt aus dem Jemen. Dort war es am Montag zwischen der Huthi-Miliz und der international anerkannten, von Saudi-Arabien unterstützten Regierung zu einer der schwersten Konfrontationen seit Jahren gekommen. Angriffe auf den Flughafen von Sanaa im Norden des Landes sowie auf Ziele in Saudi-Arabien verstärkten die Sorge, dass der seit 2014 andauernde Jemen-Krieg erneut offen eskalieren könnte. Zwischen beiden Seiten gilt seit 2022 eine informelle Waffenruhe.

Die Huthi gelten als einer der wichtigsten nicht staatlichen Verbündeten des Irans. Ihr Anführer Abdel Malik al-Huthi drohte Saudi-Arabien am Donnerstag mit Angriffen auf Ölanlagen, Flughäfen und andere sensible Einrichtungen. Sämtliche Ölanlagen und kritischen Einrichtungen des Königreichs seien mögliche Ziele für Raketen und Drohnen, sagte er in einer Fernsehansprache.

Vorfall vor Jemens Küste gemeldet

Am Freitag wurde zudem ein Zwischenfall vor der Küste Jemens bekannt. Nach Angaben der britischen Behörde für maritime Sicherheit UKMTO gingen unautorisierte Personen an Bord eines Handelsschiffs, das den Golf von Aden in östlicher Richtung durchquerte. Die jemenitische Küstenwache erklärte später jedoch, es habe sich dabei um einen Angriff somalischer Piraten gehandelt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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