Iran

Iran-Krieg stockt: Was das jetzt für Autofahrer heißt

Trump eskaliert gegen Iran: Drohen jetzt explodierende Ölpreise und der nächste Schock an deutschen Zapfsäulen?

23.08.2026, 05:15 Uhr

Der von den USA und Israel begonnene Krieg im Iran setzt die internationalen Energiemärkte weiter unter Druck. US-Präsident Donald Trump versucht nun, Teheran mit einem von ihm ausgerufenen „Wirtschaftskrieg“ zu Zugeständnissen zu bewegen. Ob das schnell Wirkung zeigt, bezweifeln Experten jedoch.

Zugleich gibt es nach Trumps Angaben derzeit keinerlei Verhandlungen über ein Ende des Krieges. Damit rücken sowohl ein dauerhafter Frieden als auch eine echte Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus erneut in weite Ferne. Die Folgen reichen bis zu den Ölpreisen und den Kosten an deutschen Tankstellen – besonders Diesel steht im Fokus.

Was hat Trump in der Straße von Hormus vor?

Trump will die iranische Führung mit maximalem wirtschaftlichem Druck zu Zugeständnissen zwingen und sie zugleich von Unterstützern wie China abschneiden. Viele Details seines Vorstoßes bleiben bislang aber unklar. Zudem bestehen gegen den Iran bereits weitreichende Sanktionen, ohne dass sie aus Sicht Washingtons bisher den gewünschten Durchbruch gebracht hätten.

Trump erklärte mehrfach, die Straße von Hormus sei offen. Tatsächlich liegt der Schiffsverkehr dort jedoch weiter deutlich unter dem Niveau von vor dem Krieg. Während Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate teils auf Ausweichrouten setzen können, fehlt diese Möglichkeit vielen anderen Exportländern am Golf. Vor Kriegsbeginn lief rund ein Viertel des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls durch die Meerenge.

Wie reagiert der Ölpreis auf Trumps Pläne?

Die Nordseesorte Brent verteuert sich seit Anfang August kontinuierlich – auch nach Trumps Ankündigung eines wirtschaftlichen Großangriffs gegen den Iran. Zuletzt kostete ein Barrel wieder rund 94 US-Dollar. Vor dem Krieg lag der Preis noch etwa 20 Dollar niedriger.

Warum steigt der Ölpreis gerade jetzt?

Während der offenen militärischen Konfrontation zwischen den USA und dem Iran hatte der Ölpreis zeitweise weniger stark angezogen als von vielen Fachleuten erwartet. Als sich beide Seiten Mitte Juni auf ein Rahmenabkommen verständigten, gaben die Preise sogar deutlich nach. Nach Einschätzung von Thomas Puls, Ökonom am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln, hatte der Markt damals bereits auf eine Friedenslösung gesetzt. Dieser Optimismus sei inzwischen verflogen.

Hinzu kommt, dass der Ölpreis allein die tatsächliche Lage nicht vollständig abbildet. Große Verbraucher wie China und die USA dämpfen die Folgen, indem sie in großem Stil ihre Lagerbestände anzapfen. Das senkt die Nachfrage auf dem Weltmarkt. Nach Angaben von Puls hat China seine Ölimporte auf ein Niveau zurückgeführt, das etwa dem von 2016 entspricht. Dieser Effekt sei sogar stärker als die Freigabe strategischer Reserven durch die Internationale Energie-Agentur, an der sich auch Deutschland in begrenztem Umfang beteiligt.

Nach Einschätzung von Puls ist der Rohölpreis deshalb nicht der wichtigste Gradmesser. Weil es weltweit nicht nur an Öl, sondern noch stärker an verfügbarer Raffineriekapazität fehlt, lohnt sich eher der Blick auf die Börsenpreise für Diesel und Benzin. Dort sei der Optimismus des Ölmarkts nie richtig angekommen. Der Dieselpreis an den Börsen lag zuletzt fünf Tage in Folge bei mehr als einem Euro pro Liter. Eine ähnliche Situation hatte es zuletzt 2022 nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gegeben. Das spricht für eine weitere Verschärfung der Lage.

Wird Diesel im Winter noch teurer?

Die angespannte Lage bei vielen Raffinerien spielt auch wegen der Umstellung auf Winterdiesel eine wichtige Rolle. Ab Mitte November müssen Tankstellen in Deutschland den speziell behandelten Kraftstoff anbieten, der auch sehr niedrigen Temperaturen standhält. Nach Einschätzung des Datenanbieters Kpler könnte das den ohnehin bestehenden Engpass in Europa zusätzlich verschärfen.

Der ADAC rechnet zwar nicht mit einer physischen Knappheit. Für Autofahrer dürfte es dennoch teuer werden. Treffen eine bereits angespannte Dieselversorgung, eine steigende saisonale Nachfrage und die Umstellung auf Winterqualität zusammen, könnten die Preise deutlich anziehen.

Stehen neue Rekorde beim Spritpreis bevor?

Nach Einschätzung des ADAC deutet derzeit vieles darauf hin, dass 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden könnte. Damit würde sogar der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2022 übertroffen. Auch in den vergangenen Tagen und Wochen sind die Spritpreise weiter gestiegen – besonders bei Diesel.

Für Diesel mussten Autofahrer am Samstag im bundesweiten Durchschnitt 2,260 Euro je Liter zahlen. Damit liegt der Preis zwar noch rund 20 Cent unter dem bisherigen Höchstwert vom April, das Niveau bleibt aber hoch. Super E10 kostete im Tagesdurchschnitt 2,165 Euro je Liter und lag damit nur noch rund vier Cent unter dem Allzeithoch aus dem März 2022.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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