Sport

Drama im WM-Finale: Nur Blech für Reiter

Deutschlands Springreiter sind vor dem Einzel auf Medaillenkurs – doch im Finale kippt alles. Was in den letzten Runden schiefgeht.

23.08.2026, 17:00 Uhr

Deutsche Springreiter verpassen im Einzel die WM-Medaillen

In einem furiosen Finale ist den deutschen Springreitern zum Abschluss der Weltmeisterschaften in Aachen der Griff nach den Einzel-Medaillen misslungen. Vor 40.000 Zuschauern patzten ausgerechnet in den entscheidenden Umläufen alle drei deutschen Paare. Zwei Tage nach dem Mannschafts-Gold blieb im Einzel damit nur Rang sechs für Daniel Deußer als bestes deutsches Ergebnis. Den WM-Titel sicherte sich der Schweizer Steve Guerdat mit Dynamix vor dem Belgier Thibeau Spits mit Impress und dem Briten Harry Charles mit Freda.

„Das Glück, das wir an den ersten Tagen hatten, das hatten wir heute nicht“, sagte Marcus Ehning nach dem Finale. Auch Daniel Deußer zeigte sich enttäuscht: „Das ist natürlich ein bisschen enttäuschend.“ Bundestrainer Otto Becker sprach fast wortgleich von einer „ein bisschen enttäuschenden“ Entscheidung, verwies aber zugleich auf das starke Teamspringen. „Vielleicht hat nach dem Teamspringen, wo wir super abgeliefert haben, heute das Quäntchen Glück gefehlt“, sagte Becker. Positiv bewertete er, dass Deutschland am Ende dennoch drei Paare in den Top Ten stellte.

Zu viele Fehler im Einzel

Deußer mit Otello, Ehning mit Coolio und Sophie Hinners mit Singclair waren in den ersten drei Runden noch ohne Abwurf geblieben. In den beiden finalen Umläufen fielen dann jedoch die Stangen. Dadurch rutschten die deutschen Team-Weltmeister im Einzelklassement immer weiter zurück.

Trotz der Enttäuschung am letzten Tag fiel die deutsche Bilanz bei den Titelkämpfen insgesamt stark aus. In den drei olympischen Disziplinen sammelte das Team drei Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen. Verbandschef Dennis Peiler zog deshalb ein positives Fazit: „Wir wollten hier unser Sommermärchen im Pferdesport schreiben“ – und das sei gelungen.

Deußer verliert die Führung

Daniel Deußer war mit drei fehlerfreien Runden an die Spitze der Einzelwertung gestürmt und ging gleichauf mit Steve Guerdat in die beiden Final-Umläufe. Am Sonntag unterlief dem 45-Jährigen dann der erste Fehler: Mit Otello kassierte er vier Strafpunkte und fiel vom ersten auf den vierten Platz zurück.

Aus dem Gejagten wurde der Verfolger – und auch in der zweiten Runde blieb Deußer nicht fehlerfrei. Statt einer Medaille stand am Ende nur Rang sechs. „Ich kann jetzt nicht sagen, dass das Pferd müde war“, sagte Deußer danach. „Es waren so Kleinigkeiten.“

Ehnings Pech mit dem Hufeisen

Marcus Ehning startete von Rang vier aus in den Kampf um die Einzelmedaillen, hatte mit Coolio jedoch Pech: Das Pferd verlor ein Hufeisen. Eine Planke fiel, und das Paar rutschte vor der letzten Runde auf Platz sechs ab.

„Das ist kein gutes Gefühl, wenn man Fußball mit nur einem Schuh spielt, ist es auch schwierig“, sagte Ehning. Im zweiten Umlauf kamen erneut vier Strafpunkte hinzu. Damit fiel der Routinier noch auf Rang sieben zurück.

Hinners patzt am letzten Sprung

Sophie Hinners war als Fünfte ins Einzel-Finale gegangen. Im ersten Umlauf kassierte die 28-Jährige mit Singclair vier Strafpunkte – ausgerechnet am letzten Sprung. Dadurch fiel sie zunächst von Platz fünf auf Rang sieben zurück.

In der entscheidenden Runde lief es noch schlechter: Hinners erhielt neun Strafpunkte und landete in der Endabrechnung auf Platz neun. Dennoch lobte sie ihr Pferd ausdrücklich. „Das Pferd sprang ganz gewaltig“, sagte sie über die erste Runde. Nur der letzte Sprung habe diesmal nicht funktioniert, insgesamt sei sie mit dem Pferd aber zufrieden.

Favorit Vogel erlebt auch am Schlusstag einen Rückschlag

Richard Vogel beendete die Einzel-Entscheidung auf Rang 22 und erlebte am Abschlusstag ein Desaster. Der 29 Jahre alte Einzel-Europameister galt nach seinem Sieg im Großen Preis von Aachen im Mai mit United Touch als einer der Topfavoriten.

Nach Fehlern in den ersten drei Runden waren seine Chancen auf Edelmetall aber nur noch theoretischer Natur. Im Finale verweigerte sein Hengst dann an der Mauer. „Mega-ärgerlich“, sagte Vogel danach. „Ich habe diese Woche nicht mein glückliches Reiten ausgepackt.“

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen