Iran

Hormus explodiert – Waffenruhe vor dem Kollaps

Neue Angriffe in Hormus: Zwischen USA und Iran fliegen wieder Raketen – kippen jetzt Waffenruhe und geheime Gespräche?

08.05.2026, 15:22 Uhr

Der Iran und die USA haben sich trotz einer bestehenden Waffenruhe erneut gegenseitig angegriffen. Nach amerikanischen Angaben attackierten iranische Kräfte US-Kriegsschiffe in der Straße von Hormus mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten. Die Vereinigten Staaten reagierten demnach mit Angriffen auf Ziele auf iranischem Staatsgebiet. Wer die Gefechte zuerst auslöste, blieb zunächst offen. Auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden neue iranische Attacken gemeldet. US-Präsident Donald Trump forderte Teheran unter deutlichen Drohungen auf, rasch ein Friedensabkommen zu akzeptieren. Die Feuerpause gelte ungeachtet der Zwischenfälle weiterhin.

Gefechte in der Straße von Hormus

Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom ereigneten sich die iranischen Angriffe, als am Donnerstag drei amerikanische Zerstörer die Meerenge passierten. In der Nacht zum Freitag erklärte das Kommando auf X, das US-Militär habe daraufhin als Vergeltung Einrichtungen in der Islamischen Republik ins Visier genommen.

Centcom zufolge feuerten iranische Einheiten mehrere Raketen ab und setzten zudem Drohnen sowie kleine Boote ein, während die drei Kriegsschiffe in Richtung Golf von Oman unterwegs gewesen seien. Die US-Streitkräfte hätten die Bedrohung abgewehrt und anschließend iranische militärische Anlagen angegriffen, die für die Attacken verantwortlich gemacht würden.

Teheran wirft Washington Bruch der Waffenruhe vor

Die iranische Seite stellte den Ablauf anders dar. Das Militär in Teheran beschuldigte die USA, die von Trump zuletzt einseitig und auf unbestimmte Zeit verlängerte Feuerpause schon zuvor verletzt zu haben. Laut dem regierungstreuen Sender Press TV soll das US-Militär bereits am Mittwoch einen iranischen Öltanker in Küstengewässern nahe Dschask attackiert haben. Auch ein weiteres Schiff auf dem Weg in Richtung Straße von Hormus sei demnach angegriffen worden. Als Quelle wurde das Hauptquartier Chatam al-Anbija genannt.

Nahostkonflikt - Putin trifft Araghtschi
Der iranische Außenminister Araghtschi bezeichnete die US-Schläge als leichtsinnige Aktionen. (Archivbild) Quelle: Dmitri Lovetsky/Pool AP/AP/dpa

Zudem warf Teheran den Vereinigten Staaten vor, mit Unterstützung „regionaler Länder“ Luftschläge gegen zivile Gebiete entlang der Küste sowie gegen die Insel Gheschm in der Straße von Hormus geführt zu haben. Die iranischen Streitkräfte hätten darauf umgehend reagiert und US-Militärschiffe östlich der Meerenge angegriffen.

Araghtschi spricht von militärischen Abenteuern

Irans Außenminister Abbas Araghtschi beschuldigte Washington, eine diplomatische Lösung zu sabotieren. Auf X schrieb er, immer dann, wenn eine Verhandlungslösung greifbar sei, entschieden sich die USA für „leichtsinnige militärische Abenteuer“. Zugleich stellte er die Frage, ob es sich dabei um eine primitive Form der Einschüchterung handle.

Experte sieht mögliche Verschärfung der Seeblockade

Der Iran-Experte Hamidreza Azizi erklärte auf X, die räumliche Ausdehnung der jüngsten Vorfälle deute darauf hin, dass die USA ihre Seeblockade gegen den Iran verschärfen könnten. Seiner Einschätzung nach verlagere Washington den Schwerpunkt womöglich vom Indischen Ozean und dem Golf von Oman direkt auf die Straße von Hormus.

Azizi warnte zudem, die neuen Zwischenfälle machten deutlich, dass das Eskalationsrisiko trotz der Aussetzung des US-Einsatzes „Projekt Freiheit“ hoch bleibe. Ein Rückfall in einen umfassenden Krieg sei weiterhin möglich. Trump hatte am Dienstagabend Ortszeit Washington überraschend angekündigt, den erst am Montag begonnenen amerikanischen Einsatz zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus vorübergehend auszusetzen.

Neue Angriffe auch in den Emiraten

Im Zusammenhang mit den iranischen Vorwürfen gegen „regionale Länder“ verwies Azizi auf Spekulationen über eine mögliche Rolle der Vereinigten Arabischen Emirate bei den Luftangriffen auf den Iran. Die den Revolutionsgarden nahestehende Nachrichtenagentur Tasnim hatte bereits gewarnt, sollten sich entsprechende Hinweise bestätigen, müssten die Emirate den Preis für ihr „feindseliges Handeln“ zahlen.

Am frühen Morgen meldeten die Emirate dann neue Angriffe aus dem Iran. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums fing die Luftabwehr zwei ballistische Raketen und drei Drohnen ab, die vom iranischen Staatsgebiet gestartet worden seien. Behördenangaben zufolge wurden dabei drei Menschen verletzt. Zu den möglichen Zielen der Angriffe wurden zunächst keine weiteren Einzelheiten genannt.

Bereits am Montag und Dienstag hatte der Iran den Golfstaat erstmals seit Beginn der Waffenruhe vor rund vier Wochen wieder attackiert. Teheran bezeichnete diese Angriffe als Antwort auf die amerikanische Initiative zur Öffnung der blockierten Straße von Hormus, die Trump später wieder aussetzte.

Washington wartet auf Antwort aus Teheran

Die Waffenruhe im Krieg mit dem Iran besteht inzwischen seit etwas mehr als einem Monat, die Spannungen bleiben jedoch erheblich. Trump hatte sich zuletzt dennoch zuversichtlich gezeigt, dass bald eine Einigung mit der Führung in Teheran möglich sein könnte, um den Konflikt zu beenden.

Nach den Worten von US-Außenminister Marco Rubio erwartete Washington noch am Freitag eine Reaktion aus Teheran im Rahmen der diplomatischen Kontakte. Die Hoffnung sei, dass daraus ein ernsthafter Verhandlungsprozess entstehen könne.

Trump selbst erneuerte in der Nacht zum Freitag seinen Druck auf den Iran und verlangte eine schnelle Unterzeichnung einer Friedensvereinbarung. Andernfalls werde das US-Militär iranische Kräfte künftig „viel härter und viel gewaltsamer“ treffen, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Zugleich warf er der iranischen Führung vor, „von Wahnsinnigen“ gelenkt zu werden, und behauptete, Teheran würde eine Atomwaffe einsetzen, wenn es die Möglichkeit dazu hätte. Diese Gelegenheit werde der Iran jedoch niemals bekommen, erklärte Trump.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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