Wirtschaft

Warum Boehringer jetzt massiv auf Wachstumsmärkte setzt

Boehringer teilt gegen Deutschland aus: Bei den Halbjahreszahlen verschärft der Pharmariese seine Kritik erneut.

15.07.2026, 10:49 Uhr

Boehringer Ingelheim verlagert Wachstumsfokus ins Ausland

Boehringer Ingelheim sieht seine wichtigsten Wachstumschancen derzeit vor allem außerhalb Deutschlands und Europas. Künftige langfristige Investitionen sollen gezielt in Regionen fließen, die die besten Perspektiven für Expansion bieten, erklärte Finanzvorstand Frank Hübler bei der Präsentation der Halbjahreszahlen 2026.

Konzernchef Shashank Deshpande verwies darauf, dass angesichts des rasanten medizinischen Fortschritts vor allem innovationsfreundliche Standortbedingungen entscheidend seien. Als Beispiel nannte er die USA.

Die Aussagen kommen nach deutlicher Kritik des Unternehmens an der Gesundheitspolitik in Deutschland. Wie andere Pharmakonzerne sieht sich auch Boehringer Ingelheim durch das jüngst verabschiedete Gesetz zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung stark belastet.

Deutschlandchef Médard Schoenmaeckers hatte bereits erklärt, dass die Industrie hierzulande zunehmend an Bedeutung verliere. Im Juni stoppte das Unternehmen deshalb geplante Investitionen in Höhe von 900 Millionen Euro in Deutschland.

Jardiance bleibt wichtigster Umsatztreiber

Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Boehringer Ingelheim seinen Umsatz währungsbereinigt um 16,2 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Angaben zum Halbjahresgewinn machte der Konzern nicht.

Den größten Beitrag lieferte erneut das Geschäft mit Humanpharmazeutika. Hier kletterten die Erlöse um mehr als 20 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro. Besonders stark blieb das Medikament Jardiance, das bei chronischen Nierenerkrankungen, Diabetes und Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Es erzielte allein 5,7 Milliarden Euro Umsatz.

Hoffnung auf neue Medikamente

Auch bei zwei neuen Präparaten verzeichnet das Unternehmen vor allem in den USA eine hohe Nachfrage. Dazu zählt Jascayd mit dem Wirkstoff Nerandomilast zur Behandlung von Lungenfibrose, einer Erkrankung, bei der Lungengewebe vernarbt. Zudem setzt Boehringer auf Hernexeos mit dem Wirkstoff Zongertinib gegen Lungenkrebs. In der Europäischen Union sind beide Medikamente bislang noch nicht zugelassen.

Tiergesundheit wächst kaum

Im Bereich Tiergesundheit erzielte Boehringer Ingelheim 2,6 Milliarden Euro Umsatz, was einem leichten Plus von 0,4 Prozent entspricht. Das Unternehmen führte die verhaltene Entwicklung auf eine gestiegene Preissensibilität bei Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie auf weniger Tierarztbesuche zurück.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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