Politik

Erster Auftritt als Premier: Wer ist Andy Burnham?

Nach der Dauerkrise steht Großbritannien vor dem Machtwechsel: Kann Andy Burnham retten, woran seine Vorgänger scheiterten?

20.07.2026, 04:12 Uhr

Andy Burnham übernimmt die Regierung in London

Andy Burnham ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. König Charles III. beauftragte den Chef der sozialdemokratischen Labour-Partei im Buckingham-Palast mit der Bildung einer neuen Regierung – nur wenige Minuten, nachdem sein Vorgänger und Parteifreund Keir Starmer offiziell seinen Rücktritt eingereicht hatte.

Bei seinem ersten Auftritt in der Downing Street setzte Burnham gleich ein sichtbares Signal. Anders als viele Vorgänger sprach er nicht hinter einem Rednerpult mit Staatswappen, sondern stand nur mit Mikrofonen vor der berühmten schwarzen Tür der Nummer 10. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester wurde dabei unter starkem Applaus empfangen.

Burnham pflegt das Image eines bodenständigen Politikers: fußballbegeistert, familiennah und in Manchester besonders populär. Wegen seiner starken Stellung im Norden wird er seit längerem auch als „König des Nordens“ bezeichnet. Für viele in Labour ist er seit Wochen der Hoffnungsträger, der das Land aus seiner Krise führen soll.

Burnham verspricht einen Wendepunkt

In seiner frei gehaltenen Antrittsrede kündigte der 56-Jährige einen grundlegenden Kurswechsel an. Großbritannien solle nun einen Wendepunkt erleben, sagte Burnham. Er versprach nach eigenen Worten die größten Veränderungen seit 40 Jahren sowie ein neues politisches und wirtschaftliches Modell. Zum Schluss rief er dazu auf, Großbritannien wieder Hoffnung und Zuversicht zu geben.

Zugleich stellte er den Menschen im Land „mehr Luft zum Atmen“ in der Lebenshaltungskostenkrise in Aussicht. Nach Jahren häufiger Regierungswechsel müsse Großbritannien wieder Stabilität ausstrahlen, betonte er.

Labour setzt auf einen Neustart

Unter Starmer hatte Labour im Sommer 2024 zwar einen überzeugenden Wahlsieg errungen. Die komfortable Mehrheit im Parlament konnte die Partei wegen interner Streitigkeiten jedoch nie wirklich ausschöpfen. Gleichzeitig lag die rechtspopulistische Reform UK des Brexit-Vorkämpfers Nigel Farage in Umfragen seit mehr als einem Jahr teils deutlich vor Labour und den Konservativen.

Jüngste Erhebungen deuteten zuletzt allerdings darauf hin, dass Burnham diesen Trend zumindest vorübergehend bremsen könnte. Entscheidend wird nun sein, ob er den frischen Schwung seiner Amtsübernahme in konkrete Reformen umsetzen kann.

Burnham war am Freitag ohne Gegenkandidaten zum neuen Labour-Vorsitzenden ernannt worden. In seiner ersten Parteitagsrede präsentierte er sich als Mann der Basis und als klassischer Sozialdemokrat links der Mitte. Eine vollständige Rückkehr Großbritanniens in die Europäische Union gilt auch unter ihm als ausgeschlossen.

Zehn-Jahres-Plan für Reformen

Für seine Vorhaben kündigte Burnham einen Zehn-Jahres-Plan an. Er will politische und wirtschaftliche Macht stärker aus London in andere Landesteile verlagern und die Konzentration von Einfluss in der Hauptstadt aufbrechen.

Konkret versprach er mehr staatlichen Einfluss bei Wasser, Energie, Wohnungsbau und öffentlichem Nahverkehr. Zudem will er die Obdachlosigkeit überwinden. Insgesamt bemüht er sich um das Bild einer geschlossenen, bürgernahen Partei, die den Staat wieder handlungsfähiger machen will.

Erfahren in Westminster

Zwar war Burnham in den vergangenen Jahren als Bürgermeister außerhalb des Westminster-Betriebs tätig und betonte dort die größere Nähe zu den Menschen. Die Abläufe in London kennt er dennoch genau. In den 2000er-Jahren gehörte er dem Kabinett des damaligen Premierministers Gordon Brown an, unter anderem als Gesundheitsminister.

Schon als Parlamentsabgeordneter hatte Burnham 2010 und 2015 vergeblich versucht, Labour-Chef zu werden. Nun gelang ihm der Aufstieg an die Parteispitze im dritten Anlauf.

Die BBC stellte zuletzt die Frage, wer Burnham politisch eigentlich sei. Dabei fiel auch die Beschreibung als „rücksichtsloser Strippenzieher“. Als Belege werden nicht nur seine Rolle beim Sturz Starmers genannt, zu dem dieser allerdings auch selbst beigetragen haben soll. Diskutiert werden außerdem Berichte, wonach Burnham entgegen der bisherigen Labour-Linie neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee genehmigen könnte.

Familie, Herkunft und Fußball

Burnham wuchs mit zwei Brüdern im Dorf Culcheth zwischen Manchester und Liverpool auf. Seine Eltern arbeiteten beide und galten als überzeugte Labour-Anhänger. In einem Interview mit der Zeitung The Times sprach Burnham zuletzt auch über die Alzheimer-Erkrankung seines Vaters, der den politischen Aufstieg seines Sohnes deshalb kaum noch bewusst miterleben kann.

Seine Frau Marie-France van Heel kennt Burnham seit der Studienzeit. Seit 2000 sind die beiden verheiratet, gemeinsam haben sie drei Kinder. Auch seine enge Verbundenheit zum FC Everton machte Burnham immer wieder öffentlich zum Thema. In seiner Antrittsrede als Labour-Chef sagte er, er hoffe, auch in der kommenden Saison mit einer Dauerkarte seine Menschennähe unter Beweis stellen zu können.

Große Aufgaben als neuer Premier

Burnham übernimmt das Amt in einer Phase großer Belastungen für das Land. Vor ihm liegen viele Probleme, die schon sein direkter Vorgänger Starmer nicht lösen konnte.

Die Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch verliert Großbritannien an Gewicht, und viele Menschen leiden unter wachsender sozialer Ungleichheit, Wohnungsnot und hohen Energiekosten. Ob Burnham den angekündigten Wandel tatsächlich einleiten kann, dürfte sich daran zeigen, ob er rasch politische Stabilität schafft und seinen Reformkurs mit Leben füllt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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