Bayern

Wie oft Bayerns Gastro heimlich Bewertungen löscht

Google Maps zeigt jetzt, wie oft Bewertungen verschwinden – mit teils verblüffend hohen Zahlen und deutlichen Regional-Unterschieden.

20.07.2026, 04:30 Uhr

Viele bayerische Hotels und Restaurants lassen Google-Maps-Bewertungen entfernen

In Bayern verschwinden bei zahlreichen Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben Bewertungen aus Google Maps – teils in erheblichem Umfang. Darauf weist eine dpa-Stichprobe in zehn größeren Städten hin. Je nach Stadt ließen etwa zwischen einem Siebtel und einem Viertel der untersuchten Betriebe Rezensionen löschen. In Einzelfällen waren davon mehr als 200 Einträge betroffen, meist bewegte sich die Zahl aber im ein- bis zweistelligen Bereich.

Für die Untersuchung wurden in den neun größten Städten des Freistaats sowie in Landshut als größter Stadt Niederbayerns Stichproben ausgewertet. Insgesamt flossen mehr als 1.600 Datensätze ein. Die einzelnen Stichproben reichten von 92 Fällen in Erlangen bis 268 in Nürnberg. Deshalb sind die Werte pro Stadt nicht exakt, erlauben aber durchaus einen belastbaren Überblick.

Nürnberg vor München

Besonders hoch waren die Löschquoten ausgerechnet in den beiden größten Städten Bayerns. In Nürnberg hatten knapp 26 Prozent der überprüften Betriebe Bewertungen entfernen lassen, in München fast 25 Prozent. Dahinter lagen Würzburg mit rund 24 Prozent und Erlangen mit 23 Prozent. Fürth, Regensburg und Landshut kamen jeweils auf etwa 20 Prozent. Am niedrigsten fielen die Werte in Augsburg mit 18 Prozent sowie in Bamberg und Ingolstadt mit jeweils rund 14 Prozent aus.

Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in anderen Bundesländern. Vor allem in Großstädten sind die Anteile dort ebenfalls hoch, teils sogar bei fast 30 Prozent. Bundesweit ist die Spannweite insgesamt noch größer: In den niedrigsten erhobenen Stichproben ließen nur etwa 11 Prozent der Betriebe Bewertungen löschen.

Experte warnt vor großer Wirkung

Steffen Kroschwald, Professor und Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum an der Hochschule Pforzheim, hält den Einfluss von Google-Bewertungen für enorm. Häufig sei die Sternebewertung das Erste, worauf Menschen schauen – und genau diese habe großen Einfluss auf ihre Entscheidung. Für Unternehmen sei das damit ein klarer wirtschaftlicher Faktor.

Nach Einschätzung des Experten hat sich inzwischen sogar eine Art "Löschindustrie" entwickelt. Es gebe professionelle Anbieter und Kanzleien, die Löschverfahren weniger als Mittel für faire Korrekturen, sondern vielmehr als Geschäftsmodell nutzten. Zwar könnten Verbraucher gegen die Entfernung ihrer Rezensionen vorgehen, doch oft fehlten Zeit oder Nachweise. Das führe leicht zu sogenanntem Overblocking – also dazu, dass mehr gelöscht werde, als eigentlich gerechtfertigt sei.

Bei Betrieben mit besonders vielen entfernten Bewertungen fallen laut der Auswertung teils auffällige Muster auf: Trotz sehr vieler Rezensionen fehlen im Bereich unterhalb von vier Sternen plötzlich zahlreiche Einträge. Ob Google-Bewertungen im Einzelfall deshalb noch verlässlich seien, sei eine berechtigte Frage, so Kroschwald.

Dehoga: Kritik ernst nehmen, nicht pauschal löschen

Auch Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Dehoga Bayern, betont die große Bedeutung von Online-Bewertungen für das Image eines Betriebs. Sein Rat: Unternehmen sollten Rückmeldungen ernst nehmen. Sachliche und konstruktive Kritik könne wertvolle Hinweise liefern. Gelöscht werden sollten Einträge nur dann, wenn es sich um Schmähkritik oder gezielte Diffamierung handle, die dem Betrieb bewusst schaden solle. In solchen Fällen sei ein Vorgehen angemessen.

Davon, mit spezialisierten Kanzleien pauschal und massenhaft gegen negative Bewertungen vorzugehen, hält Geppert jedoch wenig. Das sei aus seiner Sicht nicht sinnvoll. Zugleich sieht er auch die Plattformen in der Verantwortung. Bewertungsportale sollten besser sicherstellen, dass Einträge tatsächlich von echten Gästen stammen und gewisse Grenzen nicht überschreiten. Mit Hilfe von KI müsse sich das nach seiner Ansicht besser kontrollieren lassen.

Unzufriedenen Gästen empfiehlt Geppert, Probleme möglichst direkt vor Ort anzusprechen. Dann könnten Wirte oder Hoteliers sofort reagieren.

Google zeigt seit Ende April Hinweise an

Seit Ende April weist Google Maps sichtbar darauf hin, wenn bei einem Unternehmensprofil Bewertungen entfernt wurden. Der Hinweis erscheint direkt unter der Übersicht der Rezensionen. Google bezeichnet dies als Maßnahme für mehr Transparenz. In Deutschland werde ein solcher Vermerk eingeblendet, wenn im zurückliegenden Jahr wegen einer hohen Zahl an Beschwerden nach deutschem Recht Rezensionen gelöscht wurden – insbesondere im Zusammenhang mit Diffamierung.

Unter diesen Begriff fasst Google etwa falsche Tatsachenbehauptungen oder Meinungsäußerungen, die sachlich nicht gerechtfertigt sind. Unternehmen können außerdem einwenden, dass der Verfasser gar kein Kunde gewesen sei. Google betont zugleich auf einer Informationsseite, dass dieser Hinweis keinen Einfluss auf Ranking oder Platzierung in lokalen Suchergebnissen habe.

Deutschland fällt europaweit besonders auf

Bei der Löschung von Google-Maps-Bewertungen sticht Deutschland offenbar deutlich hervor. Nach Daten einer EU-Transparenzdatenbank zum Digital Services Act wurden im ersten Halbjahr 2026 europaweit mehr als 756.500 Inhalte auf Google Maps wegen "illegaler Inhalte" entfernt. Der ganz überwiegende Teil dieser Löschungen entfiel demnach auf Deutschland.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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