Bayern

Warum Bayerns Kinder so selten Teilhabe-Hilfen bekommen

Ihnen steht Hilfe zu – doch viele arme Familien gehen leer aus. Warum Kinder an Bürokratie und Hürden scheitern, lesen Sie hier.

20.07.2026, 05:00 Uhr

Teilhabe-Leistungen werden in Bayern vergleichsweise selten genutzt

Bedürftige Kinder in Bayern greifen seltener auf staatliche Zuschüsse für Freizeitangebote wie Sportvereine, Musikstunden oder Ferienprogramme zurück als Kinder im bundesweiten Durchschnitt. Nach einer Schätzung der Bertelsmann Stiftung kommen die monatlich 15 Euro deutschlandweit bei 18,3 Prozent der anspruchsberechtigten Kinder zwischen 6 und 14 Jahren an. In Bayern liegt dieser Wert demnach nur bei 16,4 Prozent.

Bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 17 Jahren fällt die Quote noch niedriger aus. Bundesweit erhalten in dieser Gruppe laut der Untersuchung 12,1 Prozent der Berechtigten die Unterstützung, in Bayern sind es lediglich 10,2 Prozent.

Bildungs- und Teilhabepaket seit 2011

Das Bildungs- und Teilhabepaket wurde 2011 von der damaligen Bundesregierung aus CDU/CSU und FDP eingeführt. Es soll Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien die Teilnahme an schulischen und außerschulischen Angeboten erleichtern. Finanziert werden können unter anderem Ausflüge in Schule und Kita, Schülerfahrkarten, gemeinsames Mittagessen, Nachhilfe sowie Freizeitaktivitäten wie Vereinssport, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten.

Anspruch darauf haben nach Angaben des Familienministeriums Kinder aus Familien, die Sozialleistungen wie Bürgergeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen.

Bürokratie als großes Hindernis

Dass die Leistungen so selten in Anspruch genommen werden, führt die Bertelsmann Stiftung vor allem auf komplizierte Antragswege und hohe bürokratische Hürden zurück. Hinzu komme, dass viele Familien gar nicht wüssten, dass ihnen diese Unterstützung zusteht.

Schwimmanfänger
Familien können finanzielle Unterstützung für Aktivitäten wie Schwimmunterricht bekommen. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Die Familienpolitik-Expertin der Stiftung, Antje Funcke, betonte, der geringe Abruf habe nichts mit fehlendem Bedarf zu tun. Vielmehr sei die Förderung niedrig, während der Aufwand für den Antrag hoch ausfalle.

Die Stiftung spricht sich deshalb für deutlich einfachere Verfahren und möglichst automatische Auszahlungen aus. Teilhabe sei keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine wichtige Grundlage für Bildung, soziale Zugehörigkeit und gute Entwicklungschancen von Kindern.

Schätzung statt offizieller Statistik

Nach Angaben der Bertelsmann Stiftung gibt es bislang keine amtlichen Zahlen zur tatsächlichen Nutzung dieser Leistungen. Die aktuelle Einschätzung stützt sich daher auf das Verhältnis zwischen den bewilligten Teilhabe-Leistungen und der Zahl der Menschen, die Sozialleistungen beziehen, die Voraussetzung für den Anspruch sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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